Prost Neujahr! (mit Jahresrückblick)

Ich hinke mental etwas hinterher, glaube ich. Das Einstimmen auf den Jahreswechsel war bei mir durch die strapaziöse Wartezeit bzgl. unseres Wohnmobils und die Ungewissheit, wo wir das Sylvesterfest verbringen würden, irgendwie gar nicht existent, wie es scheint.

Meine beiden Kerle dachten dagegen schon mehr an Sylvester und wollten sich unbedingt mit Feuerwerk eindecken (was hier in Spanien gar nicht so einfach ist!). Als ob die Knaller aus dem großelterlichen Weihnachtspaket nicht genug wären, welches mit etwas Verspätung und reichlich angespannten Nerven auf der Absenderseite doch noch hier ankam.

Durch unsere allgemeine Betriebsamkeit hatte ich bislang gar keine Ruhe für eine klassische Rückschau auf das vergangene Jahr. Vielleicht ist es aber ganz gut, wenn ich das Jahr 2017 noch einmal bewusst verabschiede, um innerlich Platz zu machen für ein neues Kapitel?

So war das bei uns :

Januar

Mein Mann hörte auf, in der Klinik zu arbeiten und begann für den IELTS zu lernen. Ich bemühte mich darum, möglichst viel auszumisten und Ballast los zu werden. Die Auswanderung nach Neuseeland nahm immer mehr Gestalt an. Im Kinderladen ging es organisatorisch drunter und drüber und mein Sohn fühlte sich zunehmend unwohler dort. Ich meldete uns zu einem englischen Musikkurs an und genoss diese neue Aktivität mit meinem Jungen zusammen sehr.

Februar

T trat mit einem mäßig guten Gefühl zum Sprachtest an und ich wirbelte im Kleinanzeigenrausch. Nachdem ich G zum ersten Mal in anderthalb Jahren weinend vom Kinderladen abholen musste, weil er sich nicht beruhigen ließ, war für mich endgültig das Maß voll und ich schrieb die Kündigung. Dies brachte einige Umstellung mit sich, aber so konnte G sich letztlich etwas sanfter an die großen Veränderungen gewöhnen, die uns bevor standen.

März

Das Testergebnis kam an und mit ihm Niedergeschlagenheit und Unsicherheit. Die Punkte reichten nicht aus und T musste sich für eine Wiederholung anmelden. In der Zwischenzeit sahen wir den Film tomorrow und es kam ordentlich Bewegung in unsere Vision. Wir nahmen rasch Abstand von der geplanten Auswanderung und schmiedeten ganz neue Pläne. Mit G lief alles sehr entspannt und wir genossen die Zeit als Familie. Beim Faschingsfest nahmen wir schon mal vorläufig Abschied von den meisten Kinderladenfreund_*innen.

April

Nun machten wir Nägel mit Köpfen: die Wohnung wurde zu Ende Juni gekündigt, ein Wohnmobil aus zweiter Hand angeschafft. Außerdem feierten wir den Geburtstag meines Liebsten und unser einjähriges Veganer -Jubiläum.

G vermisste hin und wieder die Kinder aus seiner Gruppe. Zum Glück konnten wir einige Kontakte in der Nachbarschaft weiter halten. Unser Musikkurs ging zu Ende,  was G auch sehr traurig machte. Dafür starteten wir noch mit einem Kinder-Turnkurs, den wir zusammen mit unseren zwei Nachbarmädels besuchten.

Mai 

Nach langem Basteln wurde ich endlich mit dem Spielbuch für G fertig. Der Rest des Monats stand gänzlich unter dem Stern des Auszugs. Kiste um Kiste wurde gefüllt und eine Reihe von Möbeln wechselte ihren Besitzer. Wir verkauften den Kleinwagen und das Motorrad und spürten den Umbruch immer näher rücken.

Juni

Im Juni nahmen wir noch mal richtig Abschied von unseren Berliner_*innen und räumten kurz darauf die Wohnung, die wir sehr geliebt haben und mit der ich für immer eine sehr schöne Zeit unseres Lebens verbinden werde. Nach zwei Wochen auf Campingplätzen im Berliner Umland war die Wohnungsabnahme und danach starteten wir endgültig los ins Ungewisse. Die Formalitäten und die Aufrüstung des Wohnmobils dauerten etwas länger als geplant. Aber am Ende nannten wir ein solar-versorgtes Heim unser eigen und waren komplett reisefertig.

 Juli 

Der Juli gab uns Aufwind. Wir besuchten für zwei Wochen die erste Gemeinschaft in Deutschland und lernten wundervolle Menschen kennen. Das Human Design trat in unser Leben und wir fühlten uns lebendig, motiviert und im Flow. Inspiriert fuhren wir danach zum Los Geht’s nach Hessen, wo wir ebenfalls einige interessante Erfahrungen machten. Dort lernten wir V. und J. mit ihrer kleinen Babytochter kennen, freundeten uns an und phantasierten ein wenig von einem möglichen Wiedersehen in Spanien.

August

Kurz danach wurden wir von der Realität eingeholt und mussten aufgrund eines kombinierten Motor- und Getriebeschadens die Reise unterbrechen. Zuflucht fanden wir bei meinen Schwiegereltern, wo wir auch G’s vierten Geburtstag feierten und der Junge innerhalb eines Tages das Radfahren für sich eroberte. Wie lange die Reparaturarbeiten dauern würden, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

September

Fast den ganzen September verbrachten wir noch bei der Familie. Es gab einige zwischenmenschliche Höhen und Tiefen und T und ich befanden uns mehr auf einer inneren Reise.
Ich widmete meine Zeit einem neuen Selbst-Experiment und G machte erste Erfahrungen mit dem Thema Taschengeld. Sein Interesse an Waffen keimte auf und auf der Kirmes bekam er seinen ersten Plastikrevolver. Ende des Monats ging die lange Wartezeit vorüber und wir nahmen unsere Tour wieder auf. Nach Süden sollte es gehen, soviel war sicher.

Oktober

Nach neuerlichen Problemen mit der Gangschaltung kamen wir letztlich doch wie geplant an unserem Zielort an. In der kleinen Gemeinschaft in Cervera del Maestre fühlten wir uns gut aufgehoben und durften sehr bereichernde Begegnungen machen. Hier trafen wir auch die Familie vom Los geht’s wieder und G bekam eine kleine Schwester auf Zeit mit allen Vor-und Nachteilen. So hatten wir vorerst jedenfalls keine Eile, wieder von hier weg zu kommen.

November

Die Wochen verstrichen, ich feierte meinen Geburtstag und nach und nach reisten alle Leute ab, mit denen wir uns hier angefreundet hatten. Zuletzt hatten wir das ganze Haus für uns allein und arbeiteten fleißig an der Fertigstellung des Klohäuschens. T’s Schwester und ihr Mann statteten uns eine Stippvisite ab. Unser Wohnmobil war nach langwierigen, aber letztlich unfruchtbaren Haftungs-Verhandlungen mit der deutschen Werkstatt endlich zur Reparatur. Unser Junge war ohne den ständigen Trubel deutlich ausgeglichener und wir machten uns eine entspannte Zeit zu dritt.

Dezember

Nun fing die etwas zermürbende Phase für uns an. Die Werkstatt hatte Probleme mit der Ersatzteilbeschaffung und unser Aufbruch rückte immer weiter nach hinten.
Wenigstens waren wir gut beschäftigt mit allerlei Aufgaben und den Abwechslungen der Adventszeit und ich begann spanisch zu lernen. Mein Mann schnitt sich übel in den Finger und wir lernten auf das spanische Gesundheitssystem zu vertrauen.
Weihnachten feierten wir hier im kleinen Kreis und G freute sich sehr über die tollen Geschenke, vor allem sein Holzgewehr.

Und dann kam am 28.12. doch tatsächlich die Nachricht, dass unser Auto jetzt heile wäre. Ich konnte es kaum glauben, aber nur einen Tag später hatten wir tatsächlich unser Hab und Gut zusammen geklaubt und wollten uns auf den Weg nach Süden machen, um unsere Verabredung in Solville noch einzuhalten.

Daraus wurde leider nichts, was T und mich in unsere (2. oder 3.?) existenzielle Krise seit Reiseantritt stürzte. Wir machten uns viele Gedanken und fanden doch so auf die Schnelle keine endgültigen Antworten auf unsere Fragen.

Am Sonntag kam dann ein bekanntes Gesicht über unsere Schwelle. Ein Besucher, den wir während seines ersten Aufenthaltes im Oktober schon kennen gelernt haben. Mein armer kontaktfreudiger Sohnemann, jetzt muss er sich schon mit zwei Menschen mit wenig Interesse oder Verständnis für ihn herumplagen. Mein Herz wird mir ganz schwer, wenn ich seine nicht fruchten wollenden Kommunikationsversuche mitansehen muss.

Wenigstens gab es eine tüchtige Knallerei für ihn und im Gegensatz zum letzten Jahr in Seewalde traute er sich schon richtig, selbst was anzuzünden. Auch die leckere Pizza und gemütliches Dinner for One gucken, eingekuschelt mit Mama im Bett waren hoffentlich ein kleines Trostpflaster nach der vielen Diskriminierung Zurückweisung.

So lassen wir das neue Jahr jetzt erst mal in Ruhe angehen, sprechen morgen wieder mal mit unserem Automechaniker und planen danach, wie es grundsätzlich mit uns in 2018 weiter gehen soll. Mitte Januar kommt anscheinend einiges an Bewegung hier rein, vielleicht sollen wir das einfach nicht verpassen?

Unsere Tarotkarten strahlten jedenfalls allesamt eine sehr positive Energie aus für 2018.

Ich wünsche euch allen einen fantastischen Start ins neue Jahr!

Gesund. Glücklich. Achtsam. Verbunden.

2 Replies to “Prost Neujahr! (mit Jahresrückblick)”

  1. Liebe Jitka,

    hoffen wir, dass die Tarot Karten recht haben! Drück G. von uns… wie schade, dass es für ihn so wenig Interesse und Verständnis gibt. Ich kann es mir vorstellen :(.

    Windige Grüße von der Nordsee,
    Vero

    1. Es war so schön als wir noch ne größere Gruppe hier waren, da fühlte sich die Atmosphäre einfach entspannter an. In zwei Wochen kommen wohl ein paar Leute hierher. Ich hoffe einfach, dass es dann wieder etwas lebendiger hier wird. 😊

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