2018: Stagnation vor Transformation

Der erneute Rückschlag in Sachen Mobilität hat bei uns eine ordentliche Krise ausgelöst. Wir verbringen gerade viel Zeit damit, uns klar zu werden,  wohin wir unsere Energien eigentlich lenken sollen. Ein bisschen fühlt es sich an wie ein Dejavu. Damals,  nachdem das Sprachtestergebnis uns eine unverhoffte Wartezeit bescherte,  nutzten wir diese um unsere Prioritäten auf die Reihe zu kriegen.

Unsere Gedanken drehen sich auch jetzt wieder um den Sinn unseres Unternehmens an sich und um die offensichtlichen Gegebenheiten, denen wir bislang begegnet sind.

Insbesondere die realistischen Möglichkeiten uns eine langfristige Existenz aufzubauen, beschäftigt uns dieser Tage wieder mehr als sonst. Und das ist sicher nicht verkehrt,  denn früher oder später hätte uns dieses Thema ja sowieso wieder eingeholt. Wir hatten ja irgendwie gehofft, dass wir auf unserer Orientierungsreise bestenfalls eine Gemeinschaft finden würden, in die wir einsteigen und in der wir Fuß fassen und uns mit unseren Ressourcen einbringen könnten.

Aber so wie das mit unserem Auto bisher gelaufen ist, kommen wir nicht so recht vom Fleck und so haben wir auch noch keine wirkliche Gemeinschaft gesehen. Eine, die ansatzweise das verkörpert, was wir uns vorstellen.

Eine richtige (größere oder im Wachstum befindliche) Gemeinschaft mit eigener Vision vom sozialen Zusammenleben, eigener Ökonomie und großer (zumindest angestrebten) Unabhängigkeit vom vorherrschenden Wirtschafts- und Bildungssystem ist uns auf unserer Suche bislang nicht begegnet. Wir wissen auch nicht, ob es sie wirklich gibt. Jedenfalls nicht in der Form, dass wir einen nahtlosen Einstieg schaffen könnten.

Alles, was wir gesehen, gehört, erfahren oder erzählt bekommen haben, hat uns nicht gerade Hoffnung darauf gemacht,  dass wir genau so eine Gemeinschaft finden werden bzw. dass unser aktuelles Erspartes ausreicht uns völlig aus dem System frei zu kaufen und uns selbst eine Existenzgrundlage zu schaffen.

Statt dessen haben wir eine Menge andere interessante Eindrücke und Impulse gefunden. Aber eine zündende Idee, wie wir uns außerhalb von Deutschland finanzieren bzw. ohne Geld eine Lebensgrundlage sichern sollen oder wo wir überhaupt leben wollen, ist uns nicht gekommen.

Wenn es mit dem Existenzaufbau innerhalb einer etablierten Gemeinschaft einfach nicht klappen will, müssen wir uns vielleicht am Ende doch wieder auf unsere ursprünglichen Professionen besinnen? T zieht es schon seit ich ihn kenne sehr in Richtung Psychotherapie. Die Ausbildung würde berufsbegleitend ablaufen, was bedeuten würde, dass er gleichzeitig ein festes Gehalt generieren könnte. Voraussetzung hierfür wäre aufgrund der Sprachbarriere, zurück nach Deutschland oder in die Schweiz zu ziehen.

Ich habe mit dem Hebammenberuf wirklich abgeschlossen. So gesehen fühle ich mich derzeit professionslos, denn auch die Heilpraktikerausbildung liegt eine gefühlte Ewigkeit zurück. Wenn ich also meine Arbeitskraft nicht in die täglichen Aufgaben der Selbstversorgung oder den Aufbau einer alternativen Lebensart stecken kann, weil das Geld zum Leben fehlt, brauche ich eine neue Richtung und eine echte Möglichkeit, ebenfalls Geld zu verdienen? Ein Arbeitsfeld im klassischen System, in dem ich mir vorstellen könnte zu arbeiten, wäre die Bindungspädagogik und Familienarbeit.
Das hieße eine Phase der Fort- und Weiterbildung für mich, worauf ich tatsächlich Lust hätte. Eine solche Weiterbildung würde wahrscheinlich modulweise stattfinden, was mich für die meiste Zeit nicht an einen festen Ort binden aber einige Logistik in Sachen Kinderbetreuung notwendig machen würde. Auch eine Ausbildung zur Human Design Analytikerin würde mich zusätzlich sehr reizen.

Neben dieser Art von Tätigkeit könnte ich mir auch gut vorstellen, in einer Art Begegnungsstätte oder in sozialen Projekten für Familien, für junge und alte Menschen zu arbeiten. Gruppen, Begegnungsräume, Organisation,  Netzwerken. Alles in allem hätte ich sicherlich Möglichkeiten, eine sinnvolle Beschäftigung auszuüben. Aber ob es so etwas genau dort gibt, wo T eine Anstellung als Arzt finden würde und ob ich da einen Fuß in die Tür bekommen könnte, weiß ich natürlich überhaupt nicht. Im Zweifelsfall könnte es ja auch Sinn machen, selber etwas ins Leben zu rufen. Ich denke halt, es ist niemals verkehrt, mir Gedanken darüber zu machen, was ich arbeiten und wie ich Geld verdienen könnte mit meinen vorhandenen fachlichen Qualifikationen und meinen persönlichen Kompetenzen.

Wohnen würde ich im Falle einer Rückkehr in den deutschsprachigen Raum am liebsten in einem alternativen Wohnprojekt oder sogar in direkter Nähe zu einer etablierteren Gemeinschaft, die z.B. nur Platz für wirtschaftlich unabhängige Mitglieder hat.

Ja, das alte System mit seinen Strukturen und Sicherheiten hat eine starke Anziehungskraft. Ich möchte meinem Sohn ja auch irgendwann wieder ein echtes, stabiles Zuhause und ein Umfeld mit vielen anderen Kindern bieten können.

Ganz so einfach ist es aber natürlich nicht, die großen Träume und Ideale einfach wieder über Bord zu werfen. Unsere Vision von einer starken, in großen Teilen unabhängigen (Dorf-)Gemeinschaft mit Platz für jung und alt, mit naturverträglichen Kreisläufen, guten Lebensmitteln aus eigenem Anbau und einem gesunden, artgerechten Alltag ruft mindestens genau so stark nach Verwirklichung.

Vielleicht ist es noch nicht die rechte Zeit dafür, vielleicht sind wir dafür auch gar nicht bestimmt. Vielleicht haben wir einfach nur das falsche Auto gekauft. Jedenfalls können wir es nicht erzwingen, soviel ist sicher. Und wer weiß?  Möglicherweise begegnet uns in der nächsten Zeit ja doch noch jemand oder etwas,  was uns wieder auf ganz andere Wege leiten soll.

Wir versuchen, so offen zu bleiben,  wie es uns möglich ist. Aber meine persönlichen Widerstände gegen eine Rückkehr ins alte System haben ein wenig von ihrem Feuer verloren. Mal sehen, wohin das schließlich führt…

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