Wenn der Hahn Englisch spricht, sagt er Cock-a-doodle-do

So, der Satz war raus. Ich konnte ihn auch nicht zurücknehmen. Ich fühlte mich von mir selbst ertappt und musste einfach nur in mich rein grinsen über diesen Unsinn, den ich da gerade von mir gegeben hatte. Er war das Ergebnis unserer ersten Musikstunde bei den littlemusicmakers.

Unsere Realität sieht derzeit so aus, dass T fieberhaft dabei ist, sich auf den IELTS vorzubereiten, die letzte offizielle Hürde, die er hier in Deutschland noch nehmen muss, bevor wir alle Unterlagen beim Medical Council einreichen können.

Während T also Tag für Tag Englisch büffelt, ich die Unterlagen vervollständige und ebenfalls ständig in Gedanken auf Englisch unterwegs bin, dachte ich, es wäre doch fair, wenn wir G auch langsam mal ein wenig mit der neuen Sprache in Berührung bringen. Zwar bin ich überzeugt, dass er von selbst auch gut in diese neue Welt hineinwachsen wird, aber ein bisschen Vorbereitung und Hilfestellung hat schließlich noch niemandem geschadet.
Allerdings halte ich persönlich überhaupt nichts von den ganzen Frühlernprogrammen, die darauf abzielen die kognitiven Fähigkeiten von Kindern bereits lange vor der eigentlichen „Schulreife“ zu fördern. Im Gegenteil sehe ich diese Art der „Förderung“ als sinnlos und sogar schädlich für die Entwicklung des Kindes an und habe mich total fern gehalten von allen Angeboten, die damit beworben werden, das Kind schlauer, intelligenter oder verständiger zu machen.

Ich vertraue voll und ganz in die angeborenen Lerngesetze des Menschen, denen zufolge Kinder in ihren ersten sieben Lebensjahren physiologischerweise ausschließlich über den Körper lernen und aus den damit verbundenen Sinneseindrücken Erfahrungen sammeln, die ihnen nützlich sind in ihrer Entwicklung.

Also begab ich mich auf die Suche nach einem sinnlichen Erlebnis, welches G gefallen könnte und ihn sozusagen ganz nebenbei der englischen Sprache aussetzen würde. Ich wusste, dass G Musik liebt und dass er selbst ständig unsere vielen Lieder nachsingt oder eigene Lieder erfindet. Außerdem habe ich beobachtet, mit wieviel Eifer er im Kinderladen an Sing- und Bewegungsspielen teilnimmt. Also war meine Entscheidung schnell getroffen: Ein Musikkurs für Kinder in englischer Sprache sollte es sein.

Wir hatten Glück und sind in einen neuen Kurs reingerutscht, der diesen Montag begann. In gemütlicher Runde von 8 Kindern durften wir in den herrlichen Räumen des Spirit-Yoga in die Welt der englischen Kinderlieder eintauchen. Und es hat G schwer beeindruckt. Ganz fasziniert hat er alles mitgemacht, was die Kursleiterin mit uns veranstaltete und schon direkt danach und auch am nächsten Tag fragte er mehrmals, wann wir wieder zur Musik-Yoga-Schule gehen könnten.

Zum Kurs dazu gibt es eine CD und ein Songbook, so kann G die Lieder auch zu Hause noch einmal anhören und ihnen auf den Grund gehen.
G setzt sich tatsächlich gerade jeden Tag mindestens einmal an seinen CD-Player und scheint hoch konzentriert auf die Musik zu lauschen. Er besteht darauf, nur die Lieder zu hören, die wir schon im Kurs gesungen haben, aber diese stellt er dafür immer wieder von vorne an.
Oder wir greifen uns gemeinsam die Percussioninstrumente und verbringen einfach eine schöne Zeit miteinander, während die liebevoll arrangierten Lieder sich ganz von allein in unseren Köpfen und Herzen festsetzen.

Ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe? Ich weiß es natürlich – wie so oft – nicht genau. Doch es erschien mir einfach unfair, G in ein Land mitzunehmen, ohne ihm die Chance zu geben, sich vorher ansatzweise mit der neuen Sprache vertraut zu machen. Wie gesagt möchte ich intellektuelle Überforderung und eine unangemessene Reizung seiner kognitiven Funktionen vermeiden, aber im Moment scheint dieser spielerisch-leichte Zugang genau das Richtige für uns zu sein.

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