Erster Lagebericht vom Aussteigerleben

Die erste Woche Nomadendasein liegt hinter uns. Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass meine Outdoortauglichkeit um mehrere hundert Prozent angestiegen ist.

Hätte man mir vor fünf Jahren oder so gesagt, dass ich meinen Lebensmittelpunkt in ein Wohnmobil verschieben würde, hätte ich glatt ’nen Vogel gezeigt.
Nein, es brauchte tatsächlich einige Jahre der Arbeit an meiner inneren Haltung, um mich an den Punkt zu bringen, an dem ich heute stehe.

Und auch wenn die Umstellung auf diese neue Lebensart irgendwie total anstrengend ist, ist sie gleichzeitig auch total geil. Ich habe mich lange nicht so entspannt und zugleich lebendig gefühlt, wie in den wenigen Tagen unserer neu gewählten Freiheit.

Ich glaube, T geht es da ganz ähnlich. Und für G hat wahrhaftig das größte Abenteuer seines Lebens begonnen. Campingleben,
Lagerfeuer, Stockbrot, Libellenlarven, Kreuzspinnen, Ruderfahrten und so allerhand mehr.

Der Abschiedsschmerz kommt zwar immer wieder ein wenig durch und ich merke, dass ihm zur Zeit noch die Sicherheit fehlt, in der neuen Situation angekommen zu sein. Aber ich gebe mir große Mühe, so schnell wie möglich neue Rituale und Rhythmen für uns zu finden, die für diese besondere Phase passen.

Unser erster Anlaufpunkt war die Ferienanlage am Netzener See. Das Personal dort war durch die Bank extrem hilfsbereit und freundlich, teilweise sehr herzlich.
Die Anlage befindet sich noch im Aufbau, deshalb gab es einige kleinere und größere Baustellenbereiche. Das hat uns aber nicht gestört und wir hatten einfach den perfekten Stellplatz, direkt am Steg mit einer super Badestelle für G.

Da die Maler erstaunlich schnell mit unserer Wohnung fertig wurden, kamen wir nach vier Tagen nochmal einen Tag nach Berlin und machten die Wohnung Übergabe fertig.
Spät am Abend fuhren wir wieder raus aus der Stadt und nach einer Nacht am Straßenrand checkten wir morgens auf dem Campingplatz am Buhnenhaus ein.
Schon nach kurzer Zeit war klar, dass wir hier den Rest der Übergangszeit bis zur Abgabe der Wohnung unser Lager aufschlagen würden.
Der extrem preiswerte, weitläufige Campingplatz samt gepflegten Sanitärhäusern, Waschmaschine und Restaurant mit Biergarten ließ für uns keine Wünsche offen.

Nach dieser ersten Woche im WoMo fühle ich mich super froh und sehe der nahen Zukunft optimistisch entgegen. In unserem neuen Zuhause selbst findet so langsam alles seinen Platz und die vielen Fächer und Stauräume sind vorläufig sinnvoll einsortiert.

Der Junge bekommt nun endlich mal die erhofften echten Naturerlebnisse. Er ist verständlicherweise noch leicht irritabel und etwas anhänglich insgesamt, aber ich habe den Eindruck, dass ihm das neue Lebensgefühl auch zusagt.

Wir finden langsam unsere Fixpunkte im Tagesablauf, wenn auch durch die Räumerei und die letzten Verpflichtungen in Berlin noch keine rechte Routine einkehren kann. Die U8 bei der Kinderärztin verlief total gut, außer dass ich selbst etwas überrascht war, wieviel Tests da von G abverlangt wurden.

Zu sehen, wie er all diese Untersuchungen mitmachte, erfüllte mein Mutterherz mit Stolz und für einen Augenblick waren die vielen Selbstzweifel der letzten Monate, ob ich ihm in dieser turbulenten Phase auch gerecht werde, wie weg geblasen. Mir schien, als würden wir als Eltern wohl doch so manches richtig machen.

Am 20.6. hissen wir die Segel und verlassen Berlin, meine Geburts- und Heimatstadt, G’s Geburtsstadt und den Ort, der für unsere kleine Familie das bisher einzige Zuhause gewesen ist.
Wir wissen immer noch nicht genau, wohin uns unsere Reise führen wird, aber dass die Suche selbst nun endlich begonnen hat, gibt uns Mut und Kraft.

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