Die Ruhe nach dem Sturm

Wenn mir jemand vor einem Jahr prophezeit hätte, dass ich heute in einem Haus in Spanien sitzen, hier ein geruhsames Leben fernab von jeglichem Großstadtrummel und Konsumwahnsinn führen und Mandeln vorm Holzofen knacken würde, hätte ich ernsthafte Schwierigkeiten gehabt, dieser Vision zu folgen.

Aber was soll ich sagen?  So ist es gekommen. Ein wunderschönes Haus steht uns im Augenblick zur freien Verfügung und wir brauchen gerade nichts anderes zu tun,  als uns in Dankbarkeit zu üben und unser überschaubares Tagewerk zu verrichten.

Vor nicht ganz einem Jahr (ihr erinnert euch, da planten wir noch ganz andere Dinge) zog ich zu Sylvester eine Tarotkarte, da wir der Umwelt zuliebe von Bleigießen zu Karte ziehen gewechselt hatten. Und das ist meiner Meinung nach gleichzeitig auch noch viel origineller und unterhaltsamer als die ewig gleichen spermoiden Bleiwürmer zu interpretieren.

Na jedenfalls erinnere ich mich noch ganz genau an mein Bild: es handelte sich um die Leere.

Ich sollte mich der Erläuterung nach darauf gefasst machen,  dass ich in diesem Jahr in eine absolut ungewisse Zukunft starten würde, in der die Leere erst einmal ihre volle Intensität entfalten müsste, bevor etwas Neues daraus entstehen könne.

Und tatsächlich: alles haben wir aufgegeben, fast alle Sicherheiten des alten Systems gekappt, ohne zu wissen, was auf uns zukommen und was daraus erwachsen würde. Da stehen wir nun, ein knappes Jahr später, 2017 neigt sich langsam aber sicher seinem Ende entgegen und die Leere selbst hat sich nach und nach aufgelöst. Sie hat – vor allem in der zweiten Jahreshälfte, seit unsere große Reise begonnen hat – einem bunten und aufregenden neuen Lebensabschnitt Platz gemacht, der immer noch in vollem Gange ist.

Nachdem die Wochen hier in Spanien nur so dahin geflogen sind und uns durchgewirbelt haben wie ein kräftiger Sturm, kommen wir jetzt gerade ein wenig runter und sortieren unsere Gefühle und Eindrücke.

Was für meinen Liebsten stimmt, gilt auch für mich: Ich bin nicht auf Reisen gegangen um des reinen Reisens willen. Ich genieße zwar diese wirklich außergewöhnliche Zeit unseres Lebens und staune auch darüber, wie sie uns als Paar neu heraus fordert und zugleich zusammen schweißt. Aber so ein kleines bisschen wünschte ich doch, dass – wenn es an mir läge, es zu beeinflussen – ich beim nächsten Jahreswechsel ein gutes Omen für Ankunft und Einkehren ziehen könnte.

Bis es soweit ist, versuchen wir das Toilettenhäuschen für den Gartenbereich fertig zu bauen und entspannen uns bestmöglich in den aktuellen Zustand hinein, gerade keine großen Entscheidungen treffen zu müssen.

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