Ein Besuch in der Notaufnahme

„Aua! Scheiße!“ Pause. „Ok,  Krankenhaus.“ Die Worte meines Mannes sind kaum ausgesprochen, da sickern sie mit voller Macht in mein System. Adrenalinstoß. Ich sehe das Blut, sehe das Messer auf dem Boden. Atmen, Jitka,  ganz tief durchatmen! 

Reicht ein geschnittener Finger pro Woche nicht wirklich aus?  frage ich mich kurz, aber für philosophische Überlegungen bleibt jetzt keine Zeit.

Ich atme so gut ich kann. Ich versuche meinem Mann so gut wie möglich Erste Hilfe zu leisten. Ich versuche meinem Sohn nebenher irgendwie zu vermitteln,  was gerade los ist.

So tapfer die beiden,  denke ich. Mein Mann – ruhig und klar gibt er mir Anweisungen, was er braucht. Obwohl seine Hände zittern, verarztet er sich selbst. Mein Sohn – lieb und teilnahmsvoll will er gerne helfen,  hört anstandslos auf meine Bitten, ruhig zu bleiben und uns machen zu lassen.

Atmen klappt ganz gut. Erleichterung. Dankbarkeit. Mein Mann hat, was er braucht. Mein Sohn macht so toll mit.

 

Ich rufe unseren Herbergsvater an, der geht direkt ans Handy, ist zum Glück mit dem Auto ganz in der Nähe und fährt sofort los zu uns.

Eine neue Welle Dankbarkeit. Mein Sohn macht immer noch alles mit. Anziehen im Eiltempo,  draußen vor der Tür warten, Fahrt nach Vinaros in die Notaufnahme.

Was kümmern mich die zweieinhalb Stunden Wartezeit, die Riesenmenge Automatenschokoriegel und Orangenlimo im Bauch meines Kindes,  das leichte Frösteln beim Spielwarten draußen wegen der zu dünnen Klamotten, dem Eilanziehen geschuldet.

Wir sind medizinisch versorgt. Mein Mann wird ohne Schwierigkeiten behandelt. Vier Stiche für den Finger von heute – der Messerschärfzeigefinger. Einen neuen Verband für den von gestern – den Bambusspaltdaumen. Alles sehr unbürokratisch. Alles komplett kostenfrei.

Ich bin so froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Dass alle Finger noch dran sind. Dass mein Mann so stressresistent ist, wenn’s drauf ankommt. Dass mein Sohn so viel Reife gezeigt und alles ohne das kleinste Problem mitgemacht hat. Dass wir so schnell ins Krankenhaus gefahren wurden. Dass wir auch unterwegs im Ausland nicht auf die so wichtige Hilfe in Not verzichten müssen.

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