Weihnachten in der Fremde

Das Weihnachtsfest feierten wir in diesem Jahr so semikonventionell, kann ich berichten. Am meisten fehlten natürlich unsere Familien, so dass wir den Heiligabend nur gemeinsam mit unserem Gastgeber verbrachten. Zweitens gab es auch keinen echten Tannenbaum, aber wenigstens zimmerten wir noch einen aus Holzlatten zusammen.

Vorher kam die Adventszeit mit all ihren Ritualen wie z.B. Adventskranz gestalten, Kekse backen,  Deko basteln und natürlich unser Elfenkalender. So konnten wir diese schöne Zeit für und mit unserem Kind auch in Spanien zelebrieren.

Nachdem mein Junge allerdings von Dezembertag zu Dezembertag immer früher aufwachte, um sein Säckchen zu öffnen, änderte ich zur Halbzeit (am 12.12. waren wir ab 5:00 Uhr wach! ) den Ablauf. Ab da öffneten wir den Kalender erst nach dem Anziehen und Bett machen. Von einem Tag auf den anderen war der Morgenspuk vorbei und wir schliefen wieder friedlich und geruhsam bis 7:00/7:30 Uhr und kuschelten auch noch gemütlich weiter. Ein echter Zugewinn an morgendlicher Lebensqualität!

Einen richtigen Weihnachtsbaum gab es zwar nicht, aber auch wenn unser Gastgeber eher ein Weihnachtsmuffel ist, der mit unseren Vorbereitungen nicht wirklich was anfangen konnte, installierten wir am 23.12. noch diese Eigenkreation im Wohnzimmer. Da kamen die vielen Papiersterne doch noch zum Einsatz.

Auch ein außergewöhnliches Weihnachtsmenü sprengte den Rahmen unserer Möglichkeiten hier. Mir fehlt so langsam schon meine Küche mit Vitamix, Gefrierfach und Dörrautomat. Während ich in unserem alten Leben eine gute Routine mit der veganen Lebensweise gefunden hatte und auch speziellere Rezepte wie festlichen Linsenbraten oder schmackhafte Rohkosttorten gezaubert habe, fehlen mir auf Reisen nicht nur die Geräte, sondern auch die passenden Zutaten für derartige Gaumenfreuden.

Deshalb entschieden wir uns aus Praktikabilitäts- und Geschmacksgründen für klassische Lasagne mit Tierkäse *selbstzerfleisch* und einen leckeren Salat.
Zum Nachtisch gab es bei uns in diesem Jahr Bratäpfel mit Vanillesoße. Eine Premiere für mich am Herd. Sie sind zwar echt mächtig, aber ich kann sie geschmacklich absolut empfehlen. Macht einfach halb so viel Äpfel, wie es Portionen geben soll!

Erfreulicherweise kam kurz vor knapp das Paket von meinen Eltern noch bei uns an. (Estoy esperando un paquete de Alemania para Navidad!) Und von den anderen Großeltern hatten wir noch einiges von der tanten-gelieferten Nikolausüberraschung übrig, so dass auch sie bei der Bescherung ‚vertreten‘ waren. (Unser Nikolaus brachte nämlich keinen ganzen Karton voll Aufmerksamkeiten, sondern nur ein einziges Geschenk. Ich wollte den Konsum ja in Grenzen halten. Das klappt unterwegs deutlich einfacher als in unserem „alten Leben“.)

Unser eigenes Geschenk für G hatten wir frühzeitig schon beim örtlichen Holzschnitzer anfertigen lassen. (Da dachten wir noch, dass wir Mitte Dezember schon auf dem Weg nach Andalusien sein würden.) Manch eine_*r wird jetzt vielleicht die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, wenn ich unser diesjähriges Geschenk oute.

Aber das einzige, was unseren Jungen momentan wirklich interessiert, sind Schusswaffen und Kanonen. (Gibt es dafür auch eine sensible Phase oder nur für Luftballons??? )

Und genau mit diesem Wunsch lag er uns seit Wochen in den Ohren: Eine geschnitzte Holzbüchse, wie Michel aus Lönneberga sie hat, sollte es unbedingt, unbedingt sein.

Ein bisschen Weihnachtsstimmung kam bei mir übrigens auf, als wir gemeinsam unsere Weihnachtsfilme angesehen haben. Um die Wartezeit bis zur abendlichen Bescherung herum zu bringen,  gab es für uns den Klassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und am nächsten Tag noch aus persönlichen Nostalgiegründen „Der kleine Lord„.

Diese Geschichten kann ich einfach jedes Jahr auf ’s Neue ansehen! Da müssen meine Männer durch. Wobei der kleinere von beiden natürlich erstmal auf meiner Seite ist.

Durch die Ablenkung konnte mein Mann ja letztlich auch in Ruhe dem Christkind zeigen, wo die Geschenke platziert werden sollen. Das hat Potential für eine neue Weihnachtstradition. *hihi*

Danach gab es unseren alljährlichen Spaziergang, diesmal in leichtem Pulli und Turnschuhen, anstatt dicker Wintermontur. Und dann ging es auch schon ins vorbereitete Wohnzimmer, während die Lasagne im Ofen heiß wurde.

So wurde es dann ein wirklich schöner Nachmittag /Abend mit gespannter Erwartung, Kinderfreude und einem leckeren Essen. Im Gegensatz zu den Zeiten innerhalb des alten Systems war diesmal auch keiner von uns krank!

Ihr fragt euch vielleicht, wie es denn jetzt nach Weihnachten bei uns weiter geht? Noch ist das Ersatzteil aus Deutschland nicht hier eingetroffen. Ich weiß es zwar nicht genau, aber irgendwie bezweifle ich, dass die Werkstatt zwischen den Feiertagen besonders große Sprünge vollbringt. Wenn das stimmt, wird also auch der Jahreswechsel noch hier ausgeharrt. Andernfalls lasse ich mich gern eines besseren belehren.

Mein Motivationstief über diesen erneuten, wochenlangen, ungewollten Aufschub hatte ich drei Tage vor Weihnachten. Da wollte ich einfach nur endlich weg. Die Standardsituation hier ging mir tierisch auf den Keks. Aber auch solch ein Tiefpunkt geht bei mir zum Glück immer recht schnell wieder vorüber. Somit konnte ich mich dann auch wieder auf die positiven Dinge bzw. Menschen an meiner Seite konzentrieren und das Weihnachtsfest genießen.

Und wie habt ihr Heiligabend verbracht? Hoffentlich ebenfalls gesund und munter? Im Kreise eurer Lieben?

Schreibe einen Kommentar

*