Unser Junge bekommt nun seit etwas über einem Monat sein eigenes Taschengeld. Dabei handelt es sich um fünfzig Cent pro Woche, um genau zu sein. Ein neues Lernfeld für uns allesamt, das kann ich schonmal verraten.

Schon länger hatte G deutlich mehr Interesse an Geld zum Spielen gezeigt. Auch die Rollenspiele rund ums Einkaufen nahmen zu und beim echten Einkaufen wollte er gerne das Bezahlen übernehmen.

Mit der Zeit entwickelte der Lütte so einige reale Wünsche und Begierden. Kein Wunder unter den vorherrschenden Einkaufsbedingungen. Die Gehirnwäsche unserer Zeit zielt schon auf die Kleinsten ab. Mit Erfolg.

So hörte ich mich eines Tages im Frühjahr so etwas sagen wie: „Das will ich nicht kaufen. Von deinem eigenen Geld kannst du das kaufen, wenn du welches von uns bekommst.“

BÄM!
Und nu?!?

Nach einigem Hin-und-her-Überlegen legten T und ich dann den 4. Geburtstag als Startdatum für die Taschengeldausgabe fest. Ab diesem Zeitpunkt soll es nun jeden Samstag zur Auszahlung kommen. Vielleicht ist es noch etwas früh, ich erwarte sicher nicht, dass mein Vierjähriger durch diese Neuerung einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld und Ressourcen erlernt. Das wäre sicherlich zu hoch gegriffen, aber immerhin gibt ihm das Taschengeld ein kleines bisschen mehr Autonomie in einem kindgerechten Maße, denke ich.

Zunächst gab es für G allerdings kaum Gelegenheit zum Geldausgeben. Wir nehmen ihn mittlerweile wirklich nur ungern mit in die Riesensupermärkte, weil uns das Einkaufen da selbst schon so enorm stresst. Dazu dann die fiesen, knalligen Kinderfängerangebote überall und die Greuelbilder auf den Zigarettenpackungen in der Warteschlange. Puuuh, es gibt doch jugendfreiere Beschäftigungen, sage ich mal.

Die erste Möglichkeit für G, sein Taschengeld einzusetzen, kam dann einige Wochen nach seinem Geburtstag in Form eines großen Flummi-Automatens daher. Sein kleines Portmonaiee mit der stolzen Sparsumme von 2 Euro 50 lag allerdings daheim.

Ich versuchte ihm also zu erklären, dass er sich den Flummi (für 1 Euro) kaufen könnte, aber er müsste dem Papa den Euro Zuhause wieder zurück geben.

Das schien zu funktionieren, aber schon auf dem Weg zum Auto brach kindliches Unverständnis (und Unglück) darüber aus, wieso er von seinem Taschengeld jetzt was zurück geben müsste. Papa hatte ihm doch den Flummi mit seinem Geld gekauft!

Wir sahen ein, dass das Konzept des Auslegens in diesem Moment wohl doch etwas zu viel verlangt war und ernannten dies als ersten Testlauf fehlgeschlagen. In Zukunft würden wir einfach besser darauf achten, G’s Taschengeld immer dabei zu haben.

Eine gute Woche später hatte G dann von sich aus einen Wunsch: eine Wasserspritze zum Ballons aufpumpen hatte er in einem Geschäft gesehen und wollte da nun hinfahren und sich diese von seinem Geld kaufen.

Gesagt, getan:
Erfreulicherweise lag das Teil dann auch locker in seinem Budget und er kam stolz wie Bolle heim. Zwar dachte er, die Kassiererin hätte ihm mehr Geld zurück gegeben, als er ihr gegeben hatte (eine Münze hin, zwei Münzen zurück?), aber ich denke, das mit dem Wert der einzelnen Münzen wird er mit der Zeit dann irgendwann auch verstehen lernen. Und wenn nicht, ist und bleibt er wahrscheinlich der reichste Vierjährige weit und breit.

Ein großes, neues Lernfeld für uns alle. Wieviel Einfluss nehmen wir als Eltern auf sein Einkaufen?
Wieviel Zurückhaltung schaffen wir an dieser Stelle zu zeigen?

Klar ist, dass G das Geld niemals für die Erfüllung seiner Grundbedürfnisse ausgeben muss. Diese Kosten sollten definitiv von uns gedeckt werden.
Was er wirklich NICHT kaufen darf, ist vorerst recht übersichtlich, vielleicht fehlt mir aber auch die Phantasie:

Gefährliche Gegenstände, Zigaretten, Alkohol und andere Drogen. Selbsterklärend, oder?

Fleisch. Weil wir das wirklich nicht wollen. Nicht in diesem Alter. Alphatier-Punktum.

Der Rest liegt komplett in seinem eigenen Ermessen und hängt von seinem Budget ab. Wir sprechen zwar mit ihm über das Sparen und mögliche Dinge, die er sich kaufen kann, wenn er erstmal abwartet und nicht gleich alles auf einmal ausgibt. Der Rest ist aber vor allem eins: Erfahrungsspielzone für ihn und uns.

Mir ist wichtig, dass die Taschengeldausgabe (ebenso wie z.B. Fernsehen oder Süßigkeiten auch) völlig unabhängig von G’s Verhalten oder unserer Tagesform statt findet. Ich möchte nichts als Ansporn oder Belohnung einsetzen und erst recht nicht als Druckmittel in Form von Strafen. Im Gegenteil, all diese Dinge gehören fest zu unserem Alltag und gerade die rhythmusgebenden Elemente sollen für G auch immer verlässlich wieder kehren. Alles andere wäre mir zu manipulativ und nicht kindgerecht. Bindung und Beziehung sind schließlich meine Leitbilder im Umgang mit meinem Kinde. Nicht Zuckerbrot und Peitsche und der ganze Verhaltens-erzieherische Kram. Ich baue darauf, dass soziales Verhalten ein innerer Antrieb des Kindes ist und diese innewohnende Motivation möchte ich nicht dadurch hemmen, dass ich für gutes (=sozialverträgliches) Verhalten bezahle und anderes Verhalten sanktioniere.

Und wie handhabt Ihr das mit dem Taschengeld? Wieviel, ab wann und was darf gekauft werden? Und ist die Taschengeldausgabe bei Euch an Bedingungen geknüpft oder nicht?

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