Wenn das alte Leben anklopft…

Diese Woche bekamen wir Übernachtungs-Besuch hier in der Casa, in der wir ansonsten gerade völlig alleine wohnen. Nicht irgendein Besuch, nein, es handelte sich um Verwandtschaft aus Deutschland. Meine Schwägerin und ihr Mann sind zusammen mit ihrem andalusischen Adoptivkindhund auf dem Weg nach Südspanien, um dort dem deutschen Winterwetter für zwei Wochen zu entfliehen.

Es ist ganz angenehm nach einer Woche nur zu dritt -von spontanen Kurzbesuchen aus der Nachbarschaft abgesehen- mal wieder etwas Gesellschaft zu kriegen. Noch dazu, wenn wir uns dadurch unserer Familie in Deutschland näher fühlen.

In letzter Minute fiel mir auch noch was ein, was sie uns aus der alten Heimat mitbringen sollen: Vollkornmehl! Unser lieber Hermann Sauerteig war schon seit fast zwei Wochen ausschließlich mit hellem Weizenmehl gefüttert worden. Da war es natürlich eine riesen Freude für mich, fünf Kilo Roggen-, Dinkel- und dunkles Weizenmehl geschenkt zu bekommen.

Der Sohnemann ist schon seit mehreren Monaten sehr interessiert an Schusswaffen jeder Art. Er spielt fast jeden Tag mit seinen selbst gebastelten Gewehren. Die Großeltern haben nun seinen kleinen Plastik -Revolver,  den er auf der Kirmes im Sommer gewonnen hatte, der Tante ins Gepäck mitgegeben. Ich finde das Teil ja super hässlich, aber die Kinderaugen strahlten. Seufz. Er dachte auch den ganzen Nachmittag lang, es wäre ein neues Spielzeug, erst gegen Abend dämmerte es ihm, dass es derselbe Revolver war, den er schon mal hatte. Aber das schmälerte seine Hingabe nicht.

Das Interesse am Schießen teilt er übrigens mit seinem (angeheirateten) Onkel. Der geht daheim hobbymäßig zum Schießstand und kann G natürlich alles Mögliche dazu erklären. Eine ganze Weile saßen sie in Eintracht vor dem Computer beisammen und schauten sich Pistolen und Gewehre an.

Danach gab es noch ein paar Instruktionen zur richtigen Haltung. Mein Junge war ganz begeistert. Erst als mein Schwager anfing Videos zu zeigen,  in denen Leute der Reihe nach vom Rückstoß der Waffen zurück geschleudert wurden und sich dabei offensichtlich übel weh taten, griff ich ein und nahm -da der Schwager leider nicht verstand, was ich wollte und das Video nicht ausmachte- mein Kind aus dem Zimmer fort.

Sich mit Waffen zu beschäftigen,  um ihre Funktionsweise zu begreifen und zu verstehen, wie man sie benutzt, ist aus meiner Sicht eine selbst gewählte Lernerfahrung und somit in Ordnung.

Auch Schießen zu spielen und Zielen zu üben finde ich bisher in dem Rahmen, der hier vorliegt, aus Muttersicht unbedenklich. Zumal G die Regel, nicht auf Menschen und Tiere zu zielen, immer besser verinnerlicht und einhält. Wir reden durch diese Aktivitäten ja auch über die Fragen, die auftauchen: über Krieg, Konflikte, Soldaten, Jagd, Töten und so manches mehr.

Aber Filme, die eindeutig im Netz kursieren, um Schadenfreude zu wecken und durch welche gewaltvolle Szenen verharmlost oder gar verherrlicht werden,  gehören für mich eindeutig zu der Art Medien, vor denen ich mein Kindlein gerne noch so lange wie möglich fernhalten möchte.

Der Rest des Zusammenseins verlief entspannt und ich bin glücklich über mein frisches Vollkornbrot am Morgen. Allerdings, ein bisschen komisch war es schon, nach den vielen Wochen in unserer „Reise-Gemeinschaftssuche-Blase“ wieder mit Menschen Kontakt zu haben, die noch so fest im alten System mit all seinen Stressfaktoren und typischen Existenzsorgen verhaftet sind.

Von der Werkstatt gibt es nun auch endlich Neuigkeiten. Es scheint sich um ein weniger großes Problem zu handeln, als wir befürchtet hatten. Der Meister selbst kann es reparieren und wartet aktuell auf Ersatzteile, die er schon bestellt hat. In spätestens zwei Wochen soll die Reparatur abgeschlossen sein. Wir hoffen, dass es keine neuen bösen Überraschungen geben wird und wir unsere Abreisepläne beibehalten können.

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