Nachhaltigkeitstagebuch im April

Hinter mir liegt ein Monat Konsumverzicht, aber in Wirklichkeit ging es bei mir im April um so viel mehr als ums reine Nicht-Konsumieren. In Wahrheit bin ich meinen eigenen Prioritäten ein wenig mehr auf die Spur gekommen und habe mir Zeit für Aktivitäten genommen, die ich in dieser Form wirklich öfter tun sollte.

Ich konzentrierte mich in erster Linie auf meine innere Nachhaltigkeit (oder auch Achtsamkeit und Balance) und hierbei im Wesentlichen auf drei Dinge, die bei mir meist zu kurz kommen, obwohl es mir eigentlich so gut tut, und zwar

    => regelmäßige Morgengymnastik (endlich!)
    => ausgiebiges Lesen und Sinnieren und anschließendes Darüberschreiben (eine wahre Wohltat)
    => wahrhaftig ruhevolles Essen einkaufen und Kochen (anstelle eines gestressten Ich-muss-doch-außerdem-noch-xyz-erledigen)

April03

Ich las einen großen Teil von Scott Peck´s und Kosha Anja Joubert´s Gemeinschaftsbildungswerken. Letzteres fand ich leider ziemlich salbungsvoll und es war mir teilweise zu pathetisch und langatmig geschrieben, der Inhalt hat mich aber dennoch gebannt und inspiriert. Es geht um die Vielfalt der Erlebniswelten und Erfahrungen, um die Evolution von Bewusstsein, um das ewige Spannungsfeld von individueller Freiheit und Gemeinschaftssinn. Sehr interessant fand ich den Abschnitt über die verschiedenen Entwicklungsstufen des Bewusstseins (Spiral dynamics nach Ken Wilber und anderen) und die Sicht auf natürlich entstehende, flexible und vielschichtige Hierarchien. Ich werde sicher hin und wieder nochmal zu dem Buch greifen, um die beschriebenen Zusammenhänge noch besser zu begreifen.

Die Ausführungen von Scott Peck lasen sich irgendwie leichter weg und ich begann mit etwas Abstand die Geschehnisse vom Jahresanfang nochmal in einem anderen Licht zu betrachten. Vielleicht waren wir damals doch gar nicht so weit von echter Gemeinschaft entfernt, wenn alle Beteiligten aktiv darauf hingewirkt hätten, Gemeinschaft zu erzeugen, meine ich. Das war letztendlich leider nicht der Fall und nach den Phasen der sogenannten Pseudogemeinschaft, des Chaos und der Stille fielen wir leider in unsere gewohnten Muster der Pseudogemeinschaft zurück, anstatt dass wir in ein wahrhaftiges Verständnis füreinander eintreten konnten.

April06

Ein weiteres unglaublich faszinierendes Thema ist für mich die bedürfnisorientierte Lebensweise und Elternschaft. Nachdem ich durch Frau Hannigs Texte und die zwei Seminare bei ihr ein neues Verständnis für die Bedürfnisse des Menschen und insbesondere die des Kindes entwickeln durfte (aufgebaut auf den Erkenntnissen des humanistischen Psychologen Abraham Maslow), versuchte ich dieses Wissen für mich zu sortieren und zu fassen, um es auch praktisch in unseren Familienalltag integrieren zu können. Das Erfahren und Lernen hierbei hat gerade erst begonnen und ich bin sehr gespannt, wohin mich dieses Thema in meinem Leben noch führen wird.

April02

In unserem Haushalt hat sich nun endlich auch das eigene Deo zu den weiteren Badartikeln gesellt, mit dem wir recht zufrieden sind. Die Basis ist hochprozentiger Alkohol (in unserem Falle Weingeist) kombiniert mit ätherischen Ölen. Normaler Alltag lässt sich damit gut meistern, bei Anstrengung, Stress und Emotionen gibt es schon mal frühzeitig seine Wirkung auf. Aber ich glaube mich zu erinnern, dass das bei den herkömmlichen Deos früher auch so war.

April01

Die Seife ist jetzt reif und dieses Mal ist sie deutlich fester geworden als beim letzten Versuch. Leider färbt sie ziemlich stark, wenn sie nass wird, was mich daran hindert, sie freigiebig zu verschenken.
Ehrlich gesagt, ist mir persönlich die Farbe des Seifenstücks total schnurz: ob die Seife nun grünbraun, rotbraun, gelbbraun oder nur braun ist, macht für mich überhaupt keinen Unterschied. Aber mein Menne hat da so seine eigenen Vorstellungen (oder sollte ich jetzt besser vom einem ausgeprägteren Ästhetik-Bedürfnis sprechen?).

April04

Mit der veganen Lebensweise komme ich immer noch nicht so einfach zurecht. Ich weiß natürlich, warum ich das ganze mache und einen Weg zurück gibt es für mich nicht mehr. Aber das Gefühl des Verzichts und der Umständlichkeit will mich noch nicht so ganz verlassen.
Ich ertappe mich regelmäßig dabei, dass ich eigentlich Hunger habe, aber dann nicht so richtig weiß, was ich jetzt essen soll. Dann ess ich im Zweifelsfalle nichts und das ist ja nun nicht gerade Sinn der Sache. Gut für mich zu sorgen heißt ja auch, meinen eigenen Essensrhythmus einzuhalten, sonst fall ich bloß in Unterzucker oder bin dünnhäutiger, als es eigentlich sein müsste.

Der Löwenanteil meiner kinderfreien Zeit geht immer noch für Rezeptrecherche, Einkaufen und Zubereiten drauf. Was für eine überschaubare Zeit sehr schön und erholsam sein kann (siehe oben), aber auf Dauer wünsche ich mir da doch ein wenig mehr Routine.
Herzhaftes (wirklich leckeres) Frühstücken zum Beispiel will mir einfach nicht so richtig gelingen. Das ist eher eine Pflichtveranstaltung mit vielsagenden, über den Frühstückstisch geworfenen Blicken, denn T geht es da nicht anders. Naja, dafür sind Hauptgerichte, süßes Frühstücken, Snacks und selbst gemachte Süßigspeisen schon in ganz verträglichen Bahnen angekommen. Notfalls ess ich einfach für den Rest meines Lebens Pancakes zum Frühstück.

G hätte auch „Kuh-Milt lieber“ und würde den „Kühen Milt wegnähmen“. (Ich habe den Fehler(?) gemacht, meinem noch nicht ganz Dreijährigen zu erklären, dass der Papa und ich jetzt wissen, dass die Kühe traurig werden, wenn wir ihre Kuhmilch wegnehmen.) Ich glaube, für derartige kognitiv-empathischen Gespräche ist die Zeit einfach noch nicht reif, aber irgendwo muss man ja anfangen, oder? :o/

April07

Meine DIY-Werkstatt hat den ganzen Monat über ausgeruht. Hergestellt habe ich also nichts Neues und ich habe mich ein wenig eingeschränkt und ebenfalls im Verzichtmodus gefühlt deswegen! Es ist schon seltsam, wie man so tagein, tagaus in seinen (Konsum-)Mustern verhaftet sein kann, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein.
Einen großen Teil der Dinge, die ich in den letzten Monaten angefertigt habe, brauche ich tatsächlich auch für ein nachhaltigeres Leben, wie meine Taschentücher, Binden oder Wachstücher. Aber darüber hinaus bastel, nähe, stricke und werkel ich auch sonst noch gerne so in der Gegend rum, und das ist natürlich auch eine Form von Konsum. Es geht um das Produzieren von materiellen Gütern. Toll, wenn es sich um Re- oder Upcycling handelt wie bei unseren Brotsäcken, aber oft genug habe ich doch Materialien angeschafft, um etwas Neues daraus herzustellen.
Dies werde ich in Zukunft wahrscheinlich (hoffentlich) besser im Blick haben und mir mehr Gedanken darüber machen, was ich wirklich brauche und was nicht.

Vielleicht kann ich die Dinge, die ich dann doch anschaffe, mit mehr Achtsamtkeit wahrnehmen und mich in Dankbarkeit üben.

April08

In der Küche habe ich versucht, auf Gefrierbeutel zu verzichten. Das Einfrieren im Glas hat auch ganz gut geklappt. Beim Auftauprozess ist mir leider eins der Gläser über Nacht gesprungen. Das war ziemlich blöd und auch das Neukochenmüssen an einem Tag mit wenig Zeit hat mich ziemlich genvervt. Vielleicht war´s aber auch einfach nur Wetterfühligkeit und hatte mit dem Glas gar nix zu tun (also meine Genervtheit, obwohl – vielleicht war das Glas ja auch wetterfühlig???). Ich lass mich auf jeden Fall nicht unterkriegen und bleibe bei dieser Einfriervariante.

Sehr wohltuend und auch aus der Kategorie (innere und äußere) Nachhaltigkeit war dann noch die Aktion, sämtliche Werbekataloge und den größten Teil meiner Mail-Newsletter abzubestellen. Danach fühlte ich mich richtig befreit. Überhaupt merke ich mehr und mehr, welche Kleinigkeiten mich im Alltag stressen oder welche Aufgaben, Verpflichtungen oder sogar das Pflegen von manchen Bekanntschaften mir mehr Energie rauben, als es mir gerade gut tut. Hier heißt es gerade auch sehr deutlich hinzuspüren und Entscheidungen zu treffen, wo ich meine Energie hinein stecken kann und möchte. Und wo ich mich abgrenzen oder mal „nein“ sagen muss, um in Balance mit mir selbst zu bleiben.

Soweit erstmal von mir hier im April. Am Sonntag beginnt endlich die neue Bauerngarten-Saison, worauf ich mich schon riesig freue, aber auch wieder ein wenig Respekt verspüre (Schaff ich das zeitlich? Wie wird G mit einbezogen? Krieg ich das Vereinzeln dieses Jahr auf die Reihe???) – und auch sonst habe ich wahrscheinlich bald wieder das eine oder andere von unserer Suche nach einer stimmigen Lebensweise zu berichten.

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