Aufgetankt mit der Wahlgroßfamilie

Eine herrliche Gemeinschaftswoche liegt hinter uns. Ich hätte wirklich gerne noch verlängert. So entspannt und gleichzeitig produktiv waren die Tage unter einem Dach. Und das, obwohl mein Liebster nur die ersten beiden Tage mit dabei sein konnte. Den Rest der Zeit über hat sich Entlastung und Arbeit durch das Gemeinschaftsleben gut ausgeglichen.

Unsere Herberge

Wir hatten schon befürchtet, dass wir keine Unterkunft mehr finden würden, die unseren Bedürfnissen gerecht wird. Bereits zu Fronleichnam und zu Pfingsten gab es Schwierigkeiten, zusammen zu kommen. Aber dann hat sich doch noch eine unerwartete Tür für uns geöffnet, durch die wir flux hindurch geschlupft sind, bevor sie sich wieder schließen konnte.

Somit konnten wir am selben Ort tagen, sein und wirken, der uns auch schon vor genau einem Jahr, im Sommer 2019, aufgenommen und unser Gemeinschaftsgefühl immens gesteigert hatte. Die Kinder und ich hatten ein komfortables kleines Studio für uns allein, in das wir uns jederzeit zurück ziehen konnten, wenn es uns mal zu trubelig wurde.

Die Küche und ich

Im letzten Jahr war ich durch die dicke Bauchkugel sehr eingeschränkt und durfte mich von allen Seiten verwöhnen lassen. Diesmal war die Situation ganz anders und ich konnte dort anknüpfen, wo ich 2017/2018 in Spanien so viel Freude und Zufriedenheit gefunden habe: beim Kochen und Wirbeln in der Gemeinschaftsküche.

Eine wichtige Erkenntnis unserer Orientierungsreise war auf jeden Fall, dass ich mich mit Liebe in der Hauswirtschaft betätige und es mich extrem glücklich macht, für eine größere Gruppe zu kochen. Und genau das habe ich jetzt wieder entdeckt und an vielen Tagen für das leibliche Wohl meiner Wahlfamilie gesorgt oder tatkräftig mitgeholfen, wenn andere den Chefkochhut aufhatten.

Die Fülle

Begeistert hat mich wieder einmal die Erfahrung, wie viel Fülle entsteht, wenn ein jeder sich einbringt, mit anpackt, etwas beisteuert, mit dem Herzen dabei ist. Viele Hände arbeiten gemeinsam, viele Herzen schlagen im Einklang, viele Individuen verbinden sich zu einem größeren Ganzen.

Wildes Brot

Einen Wunsch konnte ich mir erfüllen und ein erstes Rezept aus dem Buch „Wildes Brot“ ausprobieren. Teil meiner persönlichen Krisenvorsorge ist nämlich, mir Zubereitungen fernab von Elektroherd und Gaskocher zu überlegen, Brot am Feuer direkt auszubacken, gehört dazu.

Der Garten

Zwei Tage musste als Gegenleistung für unsere Unterbringung einiges im Gemüsegarten erledigt werden. Ich bin eine von wenigen in unserer Gruppe, die sich nicht gerade ins Beet gezogen fühlt. Aber da genug Leute Lust und Freude an der Gartenarbeit haben, konnte ich mich in dieser Zeit anderen Aufgaben widmen, unter anderem auch zu fotografieren. Ein bisschen musste ich da an die Maus Frederick denken…

Die Gruppe

Mittlerweile hat sich in unserer Gemeinschaft die Spreu vom Weizen getrennt. Wir sind nun ein wirklich eingeschweißter Kern von 9 Erwachsenen und 8 Kindern plus ca. 7 Personen in Annäherung. Wir sind jetzt gute anderthalb Jahre durch einige Höhen und Tiefen miteinander gegangen und haben eine starke Vertrauensbasis gefunden, auf der wir kommunizieren, planen und Entscheidungen fällen.

Die beiden wichtigsten greifbaren Ergebnisse unserer Woche waren wohl die Entscheidung, den Kauf eines Objekts wirklich konkret anzugehen und eine Rechtsform für den Kauf festzulegen. Ich hoffe, dass wir trotz Sommerloch und Urlaubszeit nicht den Faden verlieren und an den Aufgaben weiter dran bleiben werden.

Die Kinder der Gemeinschaft verstehen sich inzwischen auch schon ganz ausgezeichnet. Die größeren brauchen nur noch wenig Aufsicht, meistens sind sie zusammen unterwegs und spielen die tollsten Spiele miteinander, basteln, toben und erforschen die Welt um sie herum.

Auch die beiden kleinsten Mädchen nehmen so langsam zaghaft Kontakt zueinander auf. So gehört sich das auch für angehende Schwesterchen!

Die Einweichlüge

Ich war froh und erleichtert, dass der Vorschlag, sich die Aufgaben und Pflichten spontan zu verteilen, perfekt aufgegangen ist. Während im vergangengen Jahr bei fast doppelt so viel Teilnehmern und auch mehr Kindern, die Ämter und Dienste strikter geplant wurden, lief diesmal alles ganz flexibel und organisch ab. Wir arbeiteten Hand in Hand und sorgten gut für die eigenen Bedürfnisse, bevor wir unsere Energie in Gemeinschaftsaufgaben steckten. Auch der abschließende Großputz am Ende der Woche gelang uns spielerisch mit Humor und Leichtigkeit. Eine schöne Erfahrung.

Vielleicht hatte ich damals doch nicht so unrecht, als ich mir Gedanken über die Einweichlüge machte.

Der Alltag

Alles in allem war es wirklich eine ganz wunderbare Zeit miteinander und wir konnten etwas mehr hineinfühlen, wie so ein Alltag auf einem gemeinsamen Hof irgendwann aussehen könnte. Ich bin so wahnsinnig dankbar für diese Menschen in meinem Leben und schaue voller Hoffnung in die Zukunft. Wenn das mit dem Hof jetzt wirklich auch noch klappt, dann zerfließe ich wahrscheinlich vor Glückseligkeit. Bis dahin übe ich mich weiter in Geduld und dem Streben nach dem Guten und Wahren.

Schreibe einen Kommentar

*