Mehr heute, weniger morgen!

Mitte Februar 2021. Der Winter hat seinen Zenit bereits wieder überschritten, ich spüre die Frühlingspower langsam in die Glieder zurück kehren. Seit einigen Wochen überlege ich, was aus meinem Leben zu teilen, ich hier in der Öffentlichkeit noch kann und sollte. Alles ist so unglaublich anders geworden im Innen wie im Außen. Zum Glück habe ich die Antwort nun gefunden und freue mich, in diesem Jahr das Thema Selbstversorgung noch einmal ganz neu anzugehen und mit euch zu teilen.

Schon recht lange sind wir von Miazamma jetzt auf der Suche nach einem Hof, aber obwohl wir ständig an verschiedenen Objekten dran sind, ist das Richtige für unsere Gruppe einfach immer noch nicht auf den Boden gekommen. Nach meinen 2 Jahren im Bauerngarten Berlin 2015 und 2016, in denen ich eigentlich schon so manche positive Erfahrungen und Erfolgserlebnisse beim Anbauen vom eigenen Gemüse gemacht hatte, war ich während unserer Reiserei irgendwie zu der Überzeugung gelangt, dass ich mich für die Garten- und Feldarbeit gar nicht richtig eignen würde.

Dadurch hoffte ich wartend auf den großen Tag, an dem ich mit meiner Wahlfamilie endlich auf einem großen Hof mit vielen Gartenfreunden wohnen und nur als Zaungast an der Selbstversorgung beteiligt sein würde.

Dieser Tag wollte aber einfach nicht kommen, er wartete immer in ferner, ungreifbarer Zukunft auf mich und das eigene Gemüse blieb ein unerfüllter Traum. Die Biokiste hier aus der Region war zwar ein vernünftiger Kompromiss, aber eben doch nicht ganz dasselbe wie die eigenen Beete zu bestellen. Doch das wird jetzt anders!

Viele Stunden habe ich im letzten Jahr die Informationen verarbeitet, die ich aus der ganzen Welt über Lebensmittelproduktion und -logistik, über das Grand Solar Minimum und die Pläne des World Economic Forum (Great Reset, das Planspiel über den Zusammenbruch der globalen Lieferketten und „Reset the table“) gelesen und gehört habe. Im ersten Schritt führten diese Infos eher zu Verzeiflung und Ohnmachtsgefühlen, aber wer mich kennt, weiss, dass ich da nicht stehen bleibe, sondern immer versuche, Lösungen für meine Probleme und Sorgen zu finden.

Mein Entschluss stand darum in diesem Winter fest: Ich werde so viel eigenes Gemüse und Obst anbauen, wie ich nur kann. Und da wir keinen großen Balkon und erst recht keinen Garten besitzen, bin ich kreativ geworden und freue mich jetzt auf die Durchführung meiner Pläne an insgesamt vier verschiedenen Standorten.

Jeder dieser Orte ist etwas Besonderes, bietet mir andere Möglichkeiten und Ressourcen und hält andere Herausforderungen für mich parat. Ein spannendes Abenteuer erwartet mich und es ist das allerbeste, was ich in diesem Jahr neben der fortdauernden Hofsuche und dem achtsamen Muttersein in diese Welt bringen kann.

Im Januar kam das Saatgut hier an (das habe ich übrigens bestellt, bevor ich überhaupt wusste, wo ich es ausbringen könnte). Inzwischen habe ich noch mal gezielter etwas nachbestellt und die Lieferfristen bei den Biosaatgutlieferanten sind aktuell fast überall relativ hoch (mehrere Wochen). Also wenn ihr auch Pläne in dieser Richtung habt, kann ich eine baldige Bestellung nur empfehlen, damit ihr die Aussaat- und Pflanztermine nicht verpasst!

Neben dem neu gekauften Biosaatgut hatten wir noch einige Tütchen Uralt-Samen für diverse Küchenkräuter in der Schublade. Mit denen habe ich jetzt zu allererst mal eine Keimprobe gestartet und schaue mal, welche kleinen Racker sich allen Mindesthaltbarkeitsdaten zum Trotz doch noch zum Keimen entschließen wollen.

Außerdem habe ich die Samen eines Hokkaido Kürbis aus meiner Biokiste getrocknet und die sind jetzt ebenfalls zur Keimprobe nominiert. Auf lange Sicht wäre die eigene Saatgutherstellung natürlich der größte Grad an Unabhängigkeit und Naturverbundenheit, den ich mir für (m)einen Gemüsegarten vorstellen kann.

Mein Sohn kümmert sich um das Minigewächshaus auf der Küchenfensterbank und mein Mann versucht sich in diesem Jahr mal an eigenen Chilis. Ihr seht, wir sind allesamt hoch motiviert, die Selbstversorgung in unser Leben zu holen, auf dem Niveau und mit den Möglichkeiten, die unsere aktuelle Lebenssituation eben gerade hergeben.

Mehr heute, weniger morgen! Dann formt sich die ersehnte Zukunft entlang unserer Handlungen im Hier und Jetzt ganz von selbst!

2 Kommentare bei „Mehr heute, weniger morgen!“

  1. Liebe Jitka,
    ich bin gerade über deinen Blog gestolpert und gleich das erste Thema trifft hier genau einen Nerv 🙂 Wir starten gerade das erste richtige Gartenjahr in unserem neuen Heim. Und auch wenn wir hier dank Ziergarten (direkt über der Tiefgarage) nur auf Kübel, Töpfe etc. zurückgreifen können und dürfen, bin ich schon am überlegen, wie wir möglichst viel Essen darauf ziehen können. Mein liebstes Recherchestichwort gerade: Vertical Garden. Ich vermute, dass das erste Jahr erst einmal ein großer, nur so halb erfolgreicher Feldversuch wird und drücke die Daumen, dass es bei euch nicht so sein wird.
    Hoffentlich erzählst du ab und zu von deinen Erfahrungen, ich schaue auf jeden Fall jetzt hier öfter vorbei 🙂

    Liebe Grüße Vanessa

    1. Hallo Vanessa, danke für deine Nachricht! Meine Lieblingsseite für den Selbstversorgerstart ist übrigens aktuell http://www.wurzelwerk.net
      Auf dem Balkon versuche ich dieses Jahr ein paar Erdbeerpflanzen anzuziehen, alles andere werde ich auf verschiedenen Beeten und Äckern anpflanzen und davon regelmäßig berichten!
      Viele herzliche Grüße
      Jitka

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