Memo an mich: tue, was du gut kannst und was du liebst

Da waren sie wieder meine drei Probleme: Wo sollen wir leben? Was soll ich arbeiten? Wie bauen wir uns etwas für die Zukunft auf? Und dann, ganz plötzlich, beim Aushelfen für einen größeren Reinigungsjob, als Migrantin auf Zeit am Wischmopp, da hatte ich meine erste wirkliche Mini-Erleuchtung.

Da hatte ich das Gefühl,  dass sich meine Eindrücke der letzten Wochen irgendwie zu einem großen Bild zusammen setzen ließen. Ich bekam einen Hauch davon zu spüren,  wie ich leben und arbeiten dauerhaft miteinander verbinden möchte.

Ich erkannte, wie all die banalen Tätigkeiten des Alltags -wie zum Beispiel putzen oder kochen- mich erfüllen und dass ich meine (Arbeits-)Kraft auch gerne über meinen Einfamilienhaushalt hinaus erweitern könnte.  Um andere zu entlasten, um ein nachhaltiges soziales Netzwerk aufzubauen und meinen Traum von einer lebendigen Gemeinschaft und Begegnungsstätte weiter zu nähren.

Unsere ursprüngliche Vision von der autarken Großkommune konnten wir bislang nicht erhellen. Die Motivation, weiter im Ungewissen danach zu suchen, ist augenblicklich nicht mehr so wirklich vorhanden.

Im Moment tendiere ich echt dazu,  das ganze Kapitel Gemeinschaftssuche zu beenden und einfach dorthin zurück zu kehren und Wurzeln zu schlagen,  wo T und ich beide in der Lage sind, uns unseren eigenen Ort der Begegnung und des Miteinanders zu schaffen.

In Deutschland.

Sollte es am Ende wirklich so simpel sein?

 

 

4 Kommentare bei „Memo an mich: tue, was du gut kannst und was du liebst“

  1. Liebe Jitka,

    ich lese deinen Blog nun seit ein paar Monaten und möchte mal aus der stillen Ecke raus kommen. Danke das du uns an deinem spannenden Leben teilhaben lässt! Du lebst quasi meinen Traum. Aber sag mal, wie passt die Schulpflicht in Deutschland zu deinem Weltbild? Das stört mich nämlich gerade sehr hier! Viele Grüße Anne

  2. Liebe Anne, danke für deinen Kommentar. Schön, dass du aus der stillen Ecke heraus kommst 😉
    Grundsätzlich gehöre ich vom Herzen her am ehesten der Freilernbewegung an. Das heutige Schulsystem finde ich ziemlich sinnfrei. Ein Aufwachsen in einer Gemeinschaft und ein Lernen im Alltag und von Menschen jeden möglichen Alters und Hintergrund wäre meiner Meinung nach am artgerechtesten.
    Aber wie in so vielen Dingen bin ich eher pragmatisch als dogmatisch und ich sehe es so, dass der allerwichtigste prägende Einfluss auf mein Kind seine Familie und sein direktes Lebensumfeld, also wir selber sind.
    Daraus folgt für mich, dass mein Kind im Zweifelsfall auch die negativen Begleiterscheinungen einer deutschen Regelschule überstehen wird, wenn wir ihn achtsam begleiten und ihm den Rücken stärken.
    Ich glaube wirklich, wenn wir einen Lebensort finden, der uns entspricht und wo wir einen glücklichen Alltag leben können, sind die systemischen Zwänge zwar (auch für uns weiterhin) vorhanden, aber wir würden sicherlich versuchen, das beste daraus zu machen.
    Ich traue es meinem Kind zu, dass er seinen Weg finden und an den Schwierigkeiten wachsen wird.
    Das allerwichtigste sind für mich sowieso die Lehrer_*innen. Da kann man immer Glück oder Pech haben, egal ob Regelschule, Waldorf, Montessori oder freie Schule oder innerhalb einer Gemeinschaft.

    Ich hoffe, ich konnte deine Frage damit beantworten. Viele liebe Grüße, Jitka.

  3. Hallo Jitka, ja deine Sichtweise verstehe ich nun. Leider nimmt die Schule bei meiner 1. und 4. Klässlerin einen sehr großen zeitlichen Raum ein, den ich oft erdrückend finde. Und leider bleibt nach Schule und Hausaufgaben zu wenig Zeit zum Spielen. Mir ist die Schule viel zu dominant in der ganzen Kindheit. Auch rückblickend in meiner eigenen.

    Wir spielen gerade auch mit dem Gedanken auszuwandern und mal sehen wie unser Weg diesbezüglich dann wird.

    Viele Grüße Anne

  4. Ja, vor deinen genannten Punkten habe ich auch natürlich Sorge. Ich habe selber ja nicht ohne Grund das Gymnasium nach der Zehnten als Klassenbeste abgebrochen. 😮
    Ich glaube, das muss ich dann auf uns zukommen lassen und konkret nach Möglichkeiten suchen, mein Kind zu entlasten oder Ausgleich zu schaffen.
    Alles Gute euch erstmal!

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