Ausquartiert – Wir erobern unser Ehebett zurück!

Ich wage es noch gar nicht, das Ganze zu sehr zu beschreien, aus Angst, dies allein könnte alles wieder zunichte machen. Aber ich sage schonmal so viel: Seit ein paar Tagen schläft unser (fünfjähriger) Sohn alleine (!) in seinem eigenen (!) Bett ein und kommt im Durchschnitt erst nach etwa 3-4 Stunden zu uns ins Familienbett rüber getappert. War das eine kindgeleitete Entwicklung? Nee, eher nicht, das gebe ich zu. Hier ging es klar um die elterlichen Bedürfnisse, aber nichtsdestotrotz glaube ich, wird auch der Lütte von diesem neuen Meilenstein profitieren.

Ich darf mich ja wirklich, wirklich überhaupt nicht beschweren. Wir hatten von Anfang an echt ein riesen Glück mit dem Schlafverhalten unseres Kindeleins. Denn er schlief von Beginn an viel und abends recht früh zur Nacht ein. Innerhalb des ersten Jahres gab es höchstens 5 Nächte, in denen er aufgrund von Zahnungsbeschwerden nachts mal herum getragen werden musste und klar, trotzdem hatten wir auch mal so unsere leichten Durchhänger, zum Beispiel als er einige Monate lang nachts stündlich gestillt werden wollte. Der Versuch, sanft nachts abzustillen (nach Dr. Gordon), verlief nicht besonders glorreich und nach fünf Wochen oder so gaben wir dieses Unterfangen schließlich auf.

Aber alles in allem konnten wir uns trotzdem nicht beklagen und nachdem in den allerersten Monaten vor allem an der Brust eingeschlafen wurde, kamen auch bald Tragetuch und Kinderwagen und – bei längeren Fahrten sehr praktisch – auch das Autofahren als mögliche Einschlafhilfen in Frage.

Mit etwas über einem halben Jahr legte ich G zum Mittagsschlaf und abendlichen Einschlafen in sein eigenes Bett, jedoch blieb für die Einschlafbegleitung immer jemand neben ihm liegen. Nachts holte ich ihn dann ins große Bett bzw. während unserer Wohnmobilzeit legte ich mich nach dem ersten nächtlichen Aufwachen meist zu ihm dazu. Alles andere wäre mir selbst einfach zu anstrengend und zu stressig gewesen.

Nun sind wir aber ja bereits seit 4 Monaten keine Nomaden mehr. Und mit Einzug in unsere neue Wohnung, bekam G dann auch sein eigenes Zimmer und ein neues Bett. Der Übergang ins Hochbett klappte tatsächlich nahtlos und ohne Probleme. Schließlich war weiterhin einer von uns Eltern für die Einschlafbegleitung an seiner Seite und er konnte nachts jederzeit zu uns angekuschelt kommen, sobald er aufwachte. Das war in der Regel etwa 3-4 Stunden nach dem Einschlafen, also zwischen 22 und 23 Uhr.

Nachdem nun die Eingewöhnung in unseren tollen Kindergarten dann auch so langsam geschafft war, wurde es Zeit, unserem Söhnchen mal das nächste Stück Selbständigkeit anzubieten. Denn unserer Erfahrung nach fanden wir in der Vergangenheit stets einen guten Zeitpunkt für diverse Entwicklungen und halfen dann ein wenig nach, um G diesen Weg aufzuzeigen. Sei es beim Abstillen, beim Sauberwerden oder nun beim Eintritt in den Kindergarten – von sich aus wäre unser Kind wohl nicht auf die Idee gekommen, diese Schritte zu initiieren, aber mit einem liebevollen „Stubser“ unsererseits, gelang die Umstellung auf einen neuen Ablauf meist sehr unproblematisch.

Diesmal war es tatsächlich mal wieder unser elterliches Bedürfnis nach Feierabend und ungestörter Paarzeit, das den Anstoß gab, das Alleine-Einschlafen-Experiment zu starten. Neben den Vorteilen für uns als Eltern fand ich es auch durchaus einen sinnvollen Zeitpunkt, dass unser Sohn lernen könnte, sich alleine runter und in den Schlaf zu regulieren. Dies ist mit Sicherheit eine Fähigkeit, die ihn stärkt und seiner Entwicklung förderlich ist.

Da G nun aber keine 2 Jahre mehr alt ist, sondern seinen fünften Geburtstag ja bereits im Sommer gezählt hat, wäre ein Rausgehen aus dem Zimmer ohne Vorbesprechung nicht möglich gewesen. Also kündigte ich ihm den neuen Plan im Laufe des Tages mehrfach an, dass ich nämlich ab jetzt nach dem Schlaflied hinaus gehen und ein wenig die Küche aufräumen würde, bis er eingeschlafen wäre.

So einfach klappte es dann leider aber nicht. Die Vorstellung, alleine einschlafen zu müssen, war unserem Knirps wohl doch zu unheimlich. Er protestierte heftig und wollte auch partout nicht im Bett liegen bleiben ohne mich. Also gab ich diesen ersten Anlauf nach wenigen Minuten als gescheitert auf und legte mich zu ihm. Schließlich sind wir hier nicht in Gelsenkirchen, nicht wahr?!

Auf meinem Arm schlief der Junge auch innerhalb von 2 Minuten erschöpft ein und ich überlegte mir noch mal eine neue Strategie: Wenn es noch zu viel war, komplett alleine im Bett zu bleiben, wollte ich ihn statt dessen nun doch lieber schrittweise und sanfter daran gewöhnen, ohne uns in die Nachtruhe zu finden. Bedürfnisorientiert eben.

Ich sagte ihm am nächsten Abend, dass ich gemerkt habe, dass er es wohl noch nicht schafft, allein im Zimmer zu bleiben. Und dass wir nun etwas Anderes versuchen würden. Ich sagte ihm, dass er einfach nur 5 Minuten im Bett liegen bleiben soll, und danach käme ich wieder rein und er dürfte auf meinem Arm einschlafen.

Darauf ließ er sich tatsächlich ein und ich machte mich darauf gefasst, jetzt wahrscheinlich wochenlang diesen ersten Schritt mit ihm zu üben, und dass ich die Zeitspanne ganz allmählich ausdehnen würde, bis ich zu ihm zurück ins Zimmer schaue. Auf dass er in dem Vertrauen auf mein Wiederkommen mit der Zeit auch ohne mich an seiner Seite würde entspannen und einschlafen können.

Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass G im Ernst bereits an diesem ersten Abend innerhalb von fünf Minuten einschlafen würde! Mann, war ich baff! Auch an den kommenden vier Abenden gab es keinerlei Probleme und unser Sohn schlief jedes Mal völlig alleine ein.

Dann kamen uns allerdings Fieber und Erkältung dazwischen und nach ein paar Tagen (Nächten) im Familienbett, wollte G leider wieder nicht alleine in seinem Bett bleiben. Er war zwar nicht mehr so offensichtlich unglücklich wie am allerersten Abend unseres Umstellungsversuchs, aber er blieb auch nicht liegen und machte sich quasi ein Spiel daraus, immer wieder raus zu schlüpfen. Das war ja nun absolut nicht Sinn der Sache!

So musste ich abermals umdisponieren und mein Vorgehen seinen Bedürfnissen anpassen. Statt einmal für fünf Minuten aus dem Zimmer zu gehen, verabredeten wir nun, dass ich fünfmal für eine kurze Minute draußen sein würde. Dies war ein überschaubarer Zeitrahmen, der es dem Jungen ermöglichte, wieder mit mir zu kooperieren.

Der erste Abend lief gleich mal sehr vielversprechend, denn G blieb jetzt wieder im Bett liegen und schlief letztlich nach meinem letzten Check sehr rasch auf meinem Arm ein. Schon am zweiten Abend schaffte er es, sich in die Situation hinein zu entspannen und war bereits innerhalb der ersten beiden Minuten eingeschlafen.

Spannend fand ich, dass es in dieser Nacht war, in der er zum ersten Mal in seinem Leben schaffte, auch nachts nach dem ersten Aufwachen gegen 22 Uhr 45 alleine wieder einzuschlafen und erste eine Stunde später dann zu uns zu wandern.

 

Wir befinden uns jetzt mittendrin in der zweiten Woche mit unserer 5-mal-1-Minute-Taktik. Und es klappt alles in allem ziemlich gut. Öfter schläft er jetzt allein ein, als dass ich mich noch mal dazu legen muss und ich werde nun langsam die Abstände wieder etwas auseinander ziehen, so dass ich hoffentlich bald gar nicht mehr von ihm gebraucht werde.

Es ist eine spannende Phase und ich empfinde einerseits Stolz, dass der Kleine es wirklich schon schafft, ohne mich zur Ruhe zu finden, gemischt mit großer Rührung angesichts seines Vertrauens in mich und der daraus resultierenden Folgsamkeit, die es erst ermöglicht, diesen Weg so zu beschreiten. Und dann ist da natürlich auch Erleichterung und Freude mit dabei, dass unsere Abende als Paar in Zukunft hoffentlich noch mal etwas ungestörter verlaufen werden, jetzt, wo unser Sohnemann lernt, ohne  Einschlafbegleitung vom Tag Abschied zu nehmen.

Und wie ist das bei euch? Wann fingen eure Kinder an, alleine einzuschlafen und wie lief es ab? Oder schläft bei euch alles noch im Familienbett?  Ich freue mich auf eure Erfahrungen!

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