Elterliche Bedürfnisse

So langsam kehrt nach all dem Stress der letzten Wochen Normalität bei uns Zuhause ein. Zwar waren wir nach T´s Prüfung alle erstmal noch ziemlich erschöpft und kränkelten so vor uns hin, aber jetzt hat die Sonne uns mit neuer Lebenskraft versorgt und unser Wochen- und Tagesrhythmus pendelt sich endlich wieder ein. Einige Feinjustierungen musste ich allerdings vornehmen, um unseren Kraftreserven eine Erholungsphase zu ermöglichen.

Die größte Veränderung ist für uns gerade, dass ich G schon um 12 Uhr vom Kindergarten abhole. Vorher war er immer bis kurz nach halb eins, also bis nach dem Mittagessen, dort geblieben. Allerdings schwankte die Essenszeit sehr stark und manchmal hatten sie um viertel vor eins noch nicht mal angefangen mit dem Essen.

Dadurch saß ich regelmäßig 15-20 Minuten im Treppenhaus (was mich ziemlich nervte) und wir konnten erst nach eins nach Hause aufbrechen. Oder ich kam aus Versehen komplett VOR dem Essen herein und nahm einen verwirrten G mit heim, denn der gewohnte Ablauf sollte ja sein, dass ich ihn NACH dem Essen abhole.

mittagsschlaf01

Beides waren irgendwie unbefriedigende Situationen und darüber hinaus verzögerte sich der Mittagsschlaf nach hinten und dauerte meist sogar noch länger, weil G um halb zwei völlig erschöpft und erledigt in den Tiefschlaf sank.

Und da kommen wir auch schon zum eigentlichen Punkt bzw. meinem daraus resultierenden Problem: Ich persönlich bin definitiv der Lärchentyp (früh aufstehen, frühes Leistungshoch, frühe Erschöpfung) im Gegensatz zum Eulentyp, der auch gut und gerne noch abends um acht zum Sport fahren oder bis in die Nacht hinein für eine Prüfung pauken kann…

mittagsschlaf02

Die Schwierigkeit, die sich also aus der verspäteten Mittagsruhe ergab, war die, dass mein (Mutter-)Akku pünktlich um 19:00 / 19:30 Uhr den Geist auf gab, während G logischerweise noch überhaupt nicht müde genug war um einzuschlafen.

Das Ganze machte ich 2 Wochen lang mit, bis ich die Notbremse ziehen musste. Denn meine Nerven lagen einfach mal blank in der Zeit von 20 Uhr bis das Kindelein dann gegen 21 Uhr (manchmal sogar noch später) tief und fest eingeschlummert war. Mein Bedürfnis nach Feierabend, nach Erholung, nach Entspannung vom Tag und Zweisamkeit mit meinem Mann wurde nicht erfüllt und dies minderte meine Lebensqualität schon sehr.

Zitatvorlage

Ich traf daraufhin die Entscheidung, G wieder früher aus dem Kinderladen abzuholen, damit unser Tagesrhythmus in seine altbewährten Bahnen kommen konnte. Natürlich musste ich abwägen, ob G´s mögliches Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft zu sehr darunter leiden würde, wenn ich ihm die Möglichkeit nahm, mit den anderen Kindern zusammen noch Mittag zu essen.

Eine Alternative wäre ja auch noch gewesen, dass T die Einschlafbegleitung übernimmt. Allerdings hätte das ebenfalls einen Verlust an gemeinsamer Paarzeit bedeutet. Und diese 2 Stunden am Abend, an denen wir uns als Paar begegnen, ist mir sehr wichtig geworden. Hier können wir kuscheln und entspannen, gemeinsam träumen und planen, organisieren oder einfach einen Film zusammen anschauen. Zu keiner anderen Zeit des Tages geht das so ungestört und ist somit ein weiterer wichtiger Aspekt, warum wir versuchen sollten, als Eltern unser Bedürfnis nach Feierabend zu erfüllen.

mutter03

Je kleiner ein Kind ist, desto mehr steckt man als Eltern seine Bedürfnisse zurück. Natürlich kann ich nicht erwarten, ausgeschlafen und Seele baumelnd durch das erste Babyjahr hindurch zu kommen. Mit der Entscheidung für (noch) ein Kind, geht man schließlich eine gewisse Verantwortung und Verpflichtungen ein, die eine vorüber gehende Unterversorgung der eigenen Bedürfnisbefriedigung mit sich bringt.

Aber dieser Zustand darf sicherlich kein Dauerzustand werden. Und je größer, reifer und verständiger das Kind wird, umso klarer werden auch wieder die vorhandenen innerfamiliären Strukturen. So leuchtet es ein, dass ich mein Kind langfristig nur dann gut versorgen und auf seine Bedürfnisse achten und eingehen kann, wenn ich vorher erst einmal nach meinen eigenen Bedürfnissen geschaut und gut für mich selbst gesorgt habe.

karaffe01

Bildlich gesprochen: Nur wenn meine Karaffe gut gefüllt ist, kann ich etwas abgeben und das Glas des Kindes füllen.

Höhere Verantwortung und Pflichten gehen gleichzeitig mit mehr Rechten einher. Die Personen, die den größten Beitrag für den Erhalt und das Überleben der Familie leisten, sollten konsequenterweise auch die größten Freiheiten und die meisten Rechte beanspruchen dürfen.
Dies gilt auch für das heranwachsende Kind, das mit zunehmender Reife immer mehr Pflichten übernehmen sollte und auf der anderen Seite dafür auch mehr Freiheiten eingeräumt bekommt.

Ich bemühe mich in so vielen Punkten, den Bedürfnissen meines Kindes gerecht zu werden und mein Kind als gleichwürdiges Wesen zu verstehen, welches meinen Schutz und meine Liebe in jedem Augenblick spüren soll. Das bedeutet für mich vor allem, dass ich mein Kind so annehme, wie es gerade ist. Alle seine Emotionen als richtig und wichtig erachte und ihm bei Schwierigkeiten die Art der Unterstützung und Hilfe anbiete, die es braucht, um die Hindernisse zu überwinden.

Das heißt aber nicht, dass ich seine Bedürfnisse (und schon gar nicht seine Wünsche) immer an erster Stelle befriedigen werde. Dies würde eine Verschiebung in der natürlichen Hierarchie bedeuten und das Kind an einen Platz im Familiengefüge befördern (in den Mittelpunkt), wo es erstens nicht hingehört und sich zweitens deshalb dort auch nicht wohl fühlen und gesund entwickeln würde.
Es wird auf unserer gemeinsamen Reise viele Momente geben, in denen ich meinen Bedürfnissen den Vorrang vor denen des Kindes geben muss, da ich es nur so schaffen kann, dauerhaft die Mutter zu sein, die ich gerne sein möchte. Eine Mutter, die gut für sich selbst sorgen kann, die ihre eigenen Grenzen kennt und die ihre Entscheidungen aufgrund sorgsamer Überlegungen fällt, welche die Belange aller Familienmitglieder – nicht zuletzt ihre eigenen – mit einbezieht.

mutter01

Eine Mutter, die die Kraft und Energie hat, den Alltag mit Kind entspannt und unbeschwert anzugehen. Die zwar einem inneren Plan folgt, aber immer flexibel genug ist, auch mal fünfe grade sein zu lassen und dem Kind Zeit und Muße ermöglicht um die Welt auf seine ureigene Weise zu erforschen und in Besitz zu nehmen.

Und wie seht Ihr das? Wessen Bedürfnisse haben in Eurer Familie Vorrang und wie werden bei Euch wichtige Entscheidungen getroffen?

One Reply to “Elterliche Bedürfnisse”

  1. Danke für das Teilen deiner Gedanken, ich kann dir nur absolut zustimmen.

Schreibe einen Kommentar

*