DIY: Kärtchen für das Morgenritual

Unsere lange Auszeit, die aufregende Gemeinschaftssuche, das ständige Reisen von Ort zu Ort – dieser Abschnitt unseres Lebens ist nun endgültig vorbei. Wir sind dabei, wieder in einem verhältnismäßig normalen Alltag als Familie anzukommen, samt Vollzeitstelle (für meinen Mann) und Kindergartenplatz für unser Kind.

Trotz aller Unregelmäßigkeiten habe ich auch auf Reisen stets versucht, einen einigermaßen festen Tagesrhythmus einzuhalten. Um so den Bedürfnissen nach Regelmäßigkeit und Rhythmus und damit nach Sicherheit durch Vorhersehbarkeit gerecht zu werden. Immer wieder kehrende Rituale – wie z.B. das Tischlied oder die Gute-Nacht-Geschichte – sind dabei ein wichtiges Element, das uns helfen kann, dem Kind Geborgenheit zu schenken.

Etwas Respekt hatte ich nach der vielen Herumreiserei schon davor, aus diesem insgesamt doch recht freien, flexiblen Lebensgefühl zurück in einen Alltag mit sehr klar vorgegebenen Zeiten zu finden.

Um meinem Kind und mir die Morgende von Anfang an so stressfrei wie möglich zu halten, habe ich ein Weilchen vor Beginn der Eingewöhnung ein Set von Morgenroutine-Karten angefertigt. Sie sollen als kleiner visueller Anker helfen, uns den Übergang in ein Leben mit sehr festen, strukturierten Abläufen zu erleichtern.

Für das Kind sichtbare Bilder wie diese geben ihm eine klare Orientierung darüber, was die Aufgaben und Erwartungen für eine bestimmte Zeit des Tages anbelangt. Bei uns wird das emotionale Nadelöhr des Tages höchstwahrscheinlich das Fertigmachen am Morgen sein, da ich für die Nachmittage erst mal keine großen Pläne schmiede und das abendliche Ins-Bett-Gehen noch nie ein Problem bei uns war.

Die ansprechenden Motive auf den Karten wecken das Interesse und die Neugier (und somit auch die Motivation / Kooperationsbereitschaft) und so kann das Kind ganz spielerisch lernen, selbst mehr Autonomie und Selbständigkeit bei den anstehenden Tätigkeiten zu erlangen.

Zugegeben, dies tut auch mir als Mutter gut, da ich nicht jede Aufgabe von Neuem initiieren und mein Kind jedes Mal darauf hinweisen muss, was es als nächstes tun soll. Das (gemeinsame) Befolgen der Kärtchen ist für uns beide irgendwie eine viel angenehmere Interaktion, als dass ich ihn ständig zu etwas auffordern muss. Auch kann ich beobachten, wie mein Kind mithilfe dieser einfachen „Fahrpläne“ immer mehr Dinge wirklich alleine machen will, was wiederum mich ein wenig entlastet.

Kindern tut es in der Regel sehr gut, die Routinen zu kennen und zu wissen, was als nächstes ansteht. Das Leben eines Kleinkindes erscheint ihm bestimmt oft überwältigend und voller Unsicherheiten. Besonders alle Formen von Übergängen (Beenden einer bestimmten Situation oder Beschäftigung, Ortswechsel etc.) führen leicht zu Überforderung oder Stress – je jünger das Kind umso spürbarer. Feste Abläufe können da -neben Präsenz, Klarheit und deutlicher Führung durch die Bezugsperson – auf jeden Fall helfen, mehr Ruhe und Entspannung in der Kinderseele zu stiften.

Je nach Ausprägung des Bedarfs nach Rhythmus, Regelmäßigkeit oder auch nach Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit kann diese Form der Ritualisierung also viele verschiedene Bedürfnisse des Kindes gleichzeitig erfüllen.

Benötigte /verwendete Materialien:
  • Ausgedruckte oder selbst gemalte Abbildungen der (morgendlichen) Tätigkeiten
  • Dekoration für die Rückseite (ich habe die Bilder der Bettwäscheverpackungen genommen; Neukauf deswegen, weil ich mit Second Hand bei Bettwäsche schon zweimal Pech hatte)
  • Pappe zum Aufkleben und Pappe für den Hintergrund (ich habe einen festen Warenumschlag verwendet)
  • Knöpfe
  • Perlen, Anhänger o.ä.
  • Bindfaden, Garn, Nadel, Schere
  • Klebestift
  • Doppelseitiges Klebeband
Unser Ablauf sieht folgende Schritte vor:
  • Bett machen
  • Anziehen
  • Zähne putzen
  • Kleines Frühstück
  • Fertig machen zum Losgehen
  • Rucksack mit Kindergartensnack mitnehmen

Als die einzelnen Kärtchen vorbereitet waren, habe ich die Unterlage zurecht geschnitten und an jeder Karte ein Bändchen mit Anhänger zum Beschweren (z.B. Perlen) angebracht.

Danach habe ich die Karten mit Bastelkleber auf die Pappe geklebt und oben darüber die Knöpfe fest angenäht.

So ist das „Kunstwerk“ im Grunde schon fertig. Was es noch braucht, ist der passende Platz und eine Möglichkeit der Aufhängung.

In unserem Fall handelt es sich um doppelseitiges Klebeband. Aber Schnüre oder Schlaufen zum Anhängen an einen Nagel könnten auch gut funktionieren.

Unsere Karten hängen nun im Wohnzimmer, in der Nähe des Essplatzes und nicht weit von der Garderobe.

Natürlich auf Kinderhändehöhe, versteht sich! G hat bislang recht gut gefallen daran gefunden, die Abläufe zu befolgen und anschließend seine Rakete und den Delphin zu vervollständigen. Im besten Fall hilft uns dieser kleine Wegweiser in der nächsten Zeit, uns entspannt an einen geregelten Alltag und ein pünktliches Loskommen von Zuhause zu gewöhnen.

Und wie laufen eure Morgende so ab? Habt ihr auch irgendwelche Hilfsmittel, um möglichst ohne Stress in den Tag zu starten oder braucht ihr so etwas nicht? Oder gibt es andere Situationen im Tageslauf, wo Struktur euch hilft, das Kind liebevoll zu führen?

Schreibe einen Kommentar

*