Kindern Orientierung schenken: Erwartungen klären

Wie ich hier und hier schon beschrieben habe, bin ich ja ein absoluter Befürworter für klare Strukturen als Sicherheit bietende Wegweiser für (kleine) Kinder. Heute will ich etwas genauer beleuchten, wie sinnvoll es im Alltag sein kann, dem Kind in bestimmten Situationen Orientierungshilfe durch eine altersgerechte Vorbereitung zu geben.

Immer wieder begegnen mir mit meinem Sohnemann Situationen, in denen ich auf seine Kooperation hoffe. Das ist manchmal etwas scheinbar Banales wie Haarewaschen, manchmal komplexere Dinge wie die Anwesenheit in einem Restaurant oder – wie diese Woche geschehen- bei einem Meditationskreis.

Ich habe jedenfalls bemerkt, dass ich es meinem Kind sehr erleichtern kann, mit mir zu kooperieren oder sich „angemessen“ (also sozialverträglich) zu verhalten. Schlicht und ergreifend dadurch, dass ich ihm schon im Vorfeld erkläre, was ihn erwartet, und welcher Rahmen für sein Verhalten hier gesteckt ist.

Und im Grunde ihres Herzens wollen Kinder doch genau das: kooperieren, friedlich mit uns zusammen leben. Da ist es meiner Meinung nach ein sehr respektvoller Umgang mit ihnen, wenn wir sie durch unsere Hilfe und Vorausschau dabei unterstützen können.

Am Beispiel Haarewaschen kann ich ganz gut erklären, was ich meine: Grundsätzlich mag G es nämlich seit einigen Monaten nicht mehr so gerne. Deswegen waschen wir seine Haare auch nur, wenn wir es wirklich für nötig halten.

Vor etwa einem Monat war die letzte  Haarwäsche dran und T wollte dies beim gemeinsamen Duschen erledigen. Allerdings gab es damals keinerlei Vorbereitung oder Vorwarnung für G. Erst beim Duschen wurde die Handlung angekündigt und seine Kooperation eingefordert. Sagen wir mal so viel: es war nicht gerade eine Sternstunde für die Vater -Sohn-Beziehung.

Als sich nun langsam abzeichnete, dass bald mal wieder ein bisschen Wasser und Shampoo vonnöten wären, kündigte ich G schon am Nachmittag an, dass ich ihn heute Abend duschen und seine Haare waschen würde.

Zunächst gab es heftigen Protest. Auf mein Nachfragen hin erfuhr ich, dass G große Angst davor hat, Seife in die Augen zu kriegen, weil das beim letzten mal so gebrannt hat.

Ich nahm seine Ängste ernst und versprach ihm, ganz besonders gut darauf zu achten, dass dies nicht passieren würde. Ich erzählte ihm, wie er den Kopf halten könnte und die Augen feste zumachen, dann würde es sicher gut gehen.

Und bevor wir nach dem Abendessen dann zur Tat schritten, wiederholte ich dieses Gespräch einfach noch einmal. Und siehe da: alles klappte wie am Schnürchen. Es kam nicht mehr der geringste Widerstand, G hatte sich ernst genommen  und gesehen gefühlt und er hatte meine klare Führung erhalten. Mehr brauchte es wahrhaftig nicht.

Für diese Art der Vorbereitung gibt es sicher unzählige Beispiele. Etwa das Durchqueren eines Treppenhauses am frühen Morgen oder das Anschauen einer Kirche. Dies gelingt deutlich besser,  wenn ich VORHER ankündige, dass wir jetzt leise sein sollten anstatt erst dann einzuschreiten, wenn das erste Kreischen bereits von den Wänden wider hallt.

Auch der Besuch von anderen Kindern kann vielleicht etwas entspannter ablaufen, wenn VORHER geklärt wurde, welche Spielsachen in die Sicherheitsverwahrung kommen sollen und welche gemeinsam bespielt werden dürfen. Und so weiter und so fort.

Ich denke, kein Kind ist zu jung für eine solch zugewandte Behandlung. Auch wenn ein sehr kleines Kind sicher nicht die genaue Bedeutung meiner Worte begreifen oder so aktiv wie ein Vierjähriger mitdenken oder sich mitteilen kann, so merkt es doch, dass ich es ernst nehme und bestmöglich auf das, was nun kommt, vorbereiten möchte. Diese respektvolle Grundhaltung spürt sicher schon das allerkleinste Baby ohne allzu viele Worte.

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