Haushaltspflichten für Kinder im Camper

Ich bin ja bekennende Befürworterin von einem frühen Heranführen meines Kindes an eine Mithilfe im Haushalt. Vor unserem Aufbruch ging es allmählich los, da drehte sich das Helfen aber noch in erster Linie um die eigenen Belange wie Jacke an den Haken beim Reinkommen oder nach dem Essen das eigene Geschirr abräumen. Nach und nach wollte ich das gerne erweitern, aber dann kam uns der Auszug und die völlig neue Lebenssituation in die Quere.

Im Wohnmobil zu leben, bedeutet in vielerlei Hinsicht eine Vereinfachung unserer täglichen Abläufe. Viele Tätigkeiten, die beim Wohnen in einer größeren Wohnung oder in einem Haus anfallen, spielen in diesem minimalistischen Zuhause gerade keine Rolle. Auch haben wir hier keine sooo kindgerechte Einrichtung, so dass G an viele Dinge nicht allein dran kommt. Ist doof, aber in manchen Fällen leider nicht zu ändern.

Dennoch gibt es auch im Caravan die Möglichkeit, dem Nachwuchs -je nach Alter und Reife- Aufgaben und Pflichten anzutragen, um damit während der Reisezeit nicht komplett aus der Übung zu kommen.

Welche Aufgaben können nun aber schon die Kleinsten konkret im Campingleben (mit) ausführen? Bei uns (Kiddo aktuell 4,5 Jahre alt) sind das folgende Dinge:

Rund um die Mahlzeiten mithelfen:

  • Tisch decken, Kühlschrank ausräumen
  • Tisch abräumen, Kühlschrank einräumen
  • Tisch abwischen
  • Geschirr abtrocknen
  • Essen vorbereiten

Ordnung im Camper halten:

  • Spielzeug aufräumen
  • Betten machen
  • Staubsaugen / Ausfegen
  • Wäsche falten und einsortieren
  • Müll raus bringen
  • Waschmaschine füllen / einstellen

Körperpflege (Eigentlich zählt die nicht zu den Haushaltspflichten, sondern zur Pflege der eigenen Person. Aber gerade bei jüngeren Kindern hilft es ja schon, wenn das langsam selbständig klappt, oder nicht?):

  • Morgens Nachthemd ausziehen / Tageskleidung anziehen
  • Abends Tageskleidung ausziehen / Nachthemd anziehen
  • Schmutzige Wäsche in den Wäschesack legen
  • Morgens / abends Zähne putzen
  • Hände waschen (vor dem Essen, nach dem Toilettengang)

Warum macht es für mich aber eigentlich grundsätzlich Sinn, mein Kind mit der Zeit daran zu gewöhnen, eigenständig Aufgaben im Haushalt zu erledigen? Welche Vorteile sehe ich für Eltern und Kind(er) in dieser Gewohnheit und wann ist der richtige Zeitpunkt, damit zu beginnen?

Also um die letzte Frage gleich mal vorweg zu nehmen: Je früher man beginnt, umso besser, denke ich. Erstens weil die Kleinen sowieso all das machen wollen, was wir machen und es dadurch in der Anfangsphase mit Freude und Spaß zur Sache gehen kann. Und zweitens erleichtert es das schrittweise Steigern von Aufgaben ungemein, wenn man quasi nicht urplötzlich und aus heiterem Himmel bei seinem 10-Jährigen ernsthafte Mithilfe verlangt, nachdem man das jahrelang nicht getan hat. Sondern das Ganze darf ruhig ein schleichender Gewöhnungsprozess über viele Jahre hinweg sein. Es gehört dann einfach zum natürlichen Familienalltag dazu und ist nichts Besonderes mehr.

Folgende positiven Aspekte verbinde ich mit kindlichen ‚Jobs‘ innerhalb des Familienlebens:

1. Teil der Gemeinschaft sein

Unsere Familie ist die kleinstmögliche Gemeinschaftseinheit, in der mein Junge aufwächst. Um sich als vollwertiges Mitglied dieser Gruppe zu fühlen, halte es ich es für jeden von uns für wichtig, nicht nur seine Rechte geltend zu machen und Vorteile aus dem Zusammenleben zu nutzen, sondern auch entsprechend Pflichten und Aufgaben zu erfüllen.

Auf diese Weise kann ein jeder seinen Beitrag leisten und eben auch unser Kind spürt dadurch, dass es ein echter Teil unserer Gruppe ist. Und als Mitglied der Gemeinschaft wird von ihm gefordert, dass es (altersgerechte) Verantwortung übernimmt, um das reibungslosere Zusammenleben der Gruppe zu unterstützen.

Nach meinen oftmals negativen Erfahrungen unter Erwachsenen mit zu freien Jeder-macht-nur-wozu-er-Lust-hat-Settings bin ich mittlerweile motivierter denn je, ein gruppenverträgliches Sozialverhalten von klein auf zu fördern.

2. Entlastung der Eltern, Wertschätzung und Achtsamkeit füreinander

Haushaltspflichten zu übernehmen gibt einem Kind die Möglichkeit, seinen Eltern etwas zurück zu geben für alles das, was diese stets für es tun. Dies kann die Verbindung zwischen Eltern und Kind positiv beeinflussen und das Gefühl des Kindes stärken, seinen Eltern eine echte Hilfe zu sein.

Wenn diese Haltung von klein auf Einzug halten darf, wird das Dranbleiben und das elterliche Begleiten in den frühen Kinderjahren dazu beitragen, mit der Zeit eine echte Verteilung der Aufgaben auf mehreren Schultern zu erwirken.

Davon profitieren am Ende alle: wenn die Kinder durch ihren Einsatz die Abläufe in der Familie stützen und jeder seine Aufgabe(n) erledigt, bleibt am Ende mehr Zeit übrig, die man gemeinsam mit etwas Schönem verbringen kann.

Strukturen und Routine können hier übrigens helfen, Klarheit und Orientierung zu schaffen und somit ‚Machtkämpfe‘ zu vermeiden. Wenn ‚Aufräumezeit‘ ist, gibt es keinen Grund zur Diskussion, alle müssen sich daran halten. Und Frühstück gibt es erst, wenn wir alle angezogen und die Betten gemacht sind.

Kindern schon früh leichtere Arbeiten aufzutragen kann auf lange Sicht das Mithelfen im Haushalt zur Gewohnheit werden zu lassen. Wenn sich die Tätigkeiten erst einmal etabliert haben, werden sie zu einem festen Bestandteil im Alltag der Familie und des Kindes.

3. Persönliche Entwicklung und Wachstum

Und nicht zu vergessen sind die Möglichkeiten für das Kind, sich mithilfe der auferlegten Tätigkeiten weiter zu entwickeln, seine (lebenspraktischen) Fähigkeiten auszubauen und daran zu wachsen.

Ein starkes Selbstvertrauen, ein gutes Selbstwertgefühl und ein gesundes Maß an Selbstdisziplin kommen nicht von ungefähr. Dies sind Eigenschaften, die sich über viele Jahre hinweg ausbilden und auch hier kann die kontinuierliche Mitarbeit im Lebensalltag eine prägende Rolle einnehmen. 

Das Vertrauen in sich selbst und der Stolz über eine erledigte Arbeit für die Familie sind aus meiner Sicht übrigens Belohnung genug. Ich finde, da braucht es keine weiteren (äußeren) Anreize zur Motivation. Ich halte sowieso nichts von Belohnungssystemen, um meine elterliche Führung zu gestalten. Das läuft bei mir viel mehr über die Aktivierung der kindlichen Kooperationskräfte mittels einer herzverbundenen, bindungsfördernden Kommunikation.

Die Entwicklung einer hilfreichen Selbstdisziplin und eines starken Willens wird sicherlich auch gefördert, wenn das Kind seine Aufgaben erledigen muss, auch wenn es mal keine so große Lust dazu hat. Im geschützten Rahmen und mit meiner Hilfe darf es lernen, auch mal ungeliebte Tätigkeiten auszuführen. Davon wird es hoffentlich sein ganzes Leben lang profitieren können. Ebenso von dem Hineinwachsen in eine altersgemäße Verantwortung durch das selbständige Ausführen der zugeteilten Pflichten.

Der Weg ist das Ziel

Schon sehr junge Kleinkinder können also im Haus mithelfen, wenn man sie lässt und durch eine vorbereitete Umgebung dabei unterstützt.

Natürlich zählt in dieser Altersstufe der Versuch, nicht das Endergebnis. Ja, es ist sogar zu erwarten, dass die ‚Hilfe‘ uns am Anfang eher mehr Arbeit macht, anstatt uns zu entlasten. Doch wenn sich das Mithelfen ganz spielerisch und freudvoll zur Gewohnheit entwickeln darf, fällt es später im Grundschulalter bestimmt leichter, diese Aktivitäten auszubauen.

Je jünger das Kind ist, desto mehr liegt die Betonung auf dem gemeinsamen Tun mit uns Bezugspersonen.

Wir erreichen hier jetzt gerade so langsam ein Stadium, wo bestimmte Aufgaben schon alleine ausgeführt werden können und das Ergebnis tatsächlich als hilfreich bezeichnet werden kann. Zum Beispiel beim Betten machen oder Tisch abräumen etc.

Um sein Selbstbewusstsein nicht zu untergraben, versuche ich ein Nachbessern möglichst zu vermeiden. Schließlich macht Übung den Meister und ich möchte ja, dass G’s Freude und Stolz nicht durch eine überperfektionistische Mutter geschmälert werden.

Und ich schaue schon noch, welche Arbeiten meinem Kind mehr liegen und welche weniger und helfe ihm auch regelmäßig bei der Erledigung, wenn ich Widerstände spüre.

Es macht auch wenig Sinn, Aufgaben zu stellen, die den Knirps inhaltlich oder zeitlich überfordern (Aufmerksamkeitsspanne beachten!) und wenn er richtig schlecht drauf ist, lasse ich lieber Fünfe gerade sein, anstatt Druck aufzubauen. Das ist für mich ein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Thema und es läuft bisher eigentlich auch ziemlich gut, kann ich berichten.

So, jetzt habt ihr einen kleinen Eindruck meiner Haltung zu häuslichen Pflichten in unserem Familienleben erhalten. Wie sieht es denn aber bei euch aus? Macht ihr Eltern alles für die Kinder oder fordert ihr auch Mithilfe ein? Welche Vor- oder Nachteile sehr ihr in eurem bzw. im jeweils anderen Weg?

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