Minimalistische Garderobe

Schon bevor wir im vergangenen Jahr unsere Wohnung nach und nach aufgelöst haben, hatte ich meinem Kleiderschrank mehrmals in Folge den Ausmist-Kampf angesagt. Ein Teil nach dem anderen wanderte in die Altkleidertonne. Ich setzte nur noch auf Qualität statt Quantität. Das führte dazu, dass ich vorm Einzug ins Wohnmobil gerade mal nur noch 2 Umzugskisten mit Klamotten übrig hatte, die ins Lager nach Dessau wandern sollten. Das war für meine früheren Verhältnisse schon echt wenig, zumal in diesen beiden Kisten so voluminöse Sachen wie ein Wintermantel und ein Mittelalterkostüm mit drin steckten.

Meine Garderobe, die ich nun letztlich behalten und auf Reisen mit dabei habe, ist wirklich nicht mehr sehr groß und vor allen Dingen ist sie eines: zweckdienlich.

Klar, das eine oder andere Lieblingsteil ist schon mit dabei, welches vermutlich genau ein einziges Mal während der ganzen Fahrt angezogen werden wird (eine furchtbar unpraktische lila Strickjacke zum Beispiel oder ein Kleid mit eher arbeitsuntauglichem Schnitt). Aber davon abgesehen habe ich wirklich nur das Nötigste in meinem Besitz behalten.

Sämtliche Unterhosen lösen sich bei mir auf.

Klar ist es angenehm, immer nur aus den gleichen Basics auszuwählen und mir keine großen Gedanken um mein Aussehen mehr zu machen. Bequemlichkeit, Bewegungsfreiheit und möglichst 100% Naturmaterialien sind meine persönlichen Kriterien für meine Garderobe.

Ein nicht zu unterschätzender Nachteil ist allerdings, dass durch die reduzierte Auswahl jedes einzelne Teil auch viel öfter in Gebrauch ist, als es das bei einem größeren Sortiment der Fall wäre. Dadurch erhöht sich die Abnutzung ungemein, einerseits durch das ständige Tragen selbst und andererseits durch das deutlich häufigere Waschen.

Ein kleines Löchlein riss mir beim letzten Ausbesserungs-Stich komplett aus.

Ein Hemd, das früher vielleicht noch 1 von 10 ähnlichen Kleidungsstücken war, ist jetzt eher 1 von 4. Dadurch wird es mehr als doppelt so häufig in die Waschmaschine gesteckt als früher und das sieht man den Teilen dann nach einigen Monaten Dauergebrauch leider auch an.

Lack am Ärmel.

Da nützt es auch nichts, dass ich mir in den letzten Jahren nur qualitativ hochwertige Klamotten geleistet habe, wenn denn eine Neuanschaffung unumgänglich wurde. Auch die guten Öko-Bio-Fairtrade-Sachen zeigen nach der entsprechenden Abnutzung allesamt ihre Soll-Bruch-Stellen.

Chlor-Spritzer vom Bad putzen.

Die Wolle-Seide-Unterwäsche von meinem Lütten wasche ich sowieso nur von Hand aus, aber das schaffe ich mit meinen eigenen Teilen nicht auch noch ständig, schon gar nicht unterwegs im Camper! Da bin ich froh, wenn ich eine gescheite Waschmaschine vorfinde und nutze die dann auch. Zumal die Waschfrequenz und allgemeine Hygiene beim Leben auf Reisen eh schon deutlich unter meinen Standards liegt, will ich da nicht auch noch Abstriche machen müssen.

Meine einzigen Schlappen. Bei Regen echt nervig, dass sie so viele Löcher haben.

Die Arbeiten, die ich an den verschiedenen Stationen geleistet habe, haben auch ihre Spuren hinterlassen. Farbkleckse mit wasserunlöslichen Lacken und Chlorspritzer haben sich für immer in meinen Klamotten festgesetzt.

Meine einzigen Turnschuhe. Bald haben sie auch ausgedient. Mit zwei unterschiedlich großen Füßen ist der Schuhkauf immer eine Hürde. Diese hatte ich in den Kleinanzeigen gejagt.

So flicke ich also fleißig alle neu auftretenden Löcher. Manchmal sieht das auch ganz gut aus, manchmal habe ich den Eindruck, alles nur zu verschlimmbessern.

Aber ich fürchte, wenn diese Reiserei vorbei ist, werde ich nicht drum herum kommen, meine Garderobe erstmal wieder etwas aufzustücken, auf jeden Fall was Schuhe, Socken und Unterwäsche anbelangt, sieht es echt nicht so rosig aus mit meinen Besitztümern. Da gibt es aktuell nämlich so gut wie kein Stück, welches komplett intakt und heile zu nennen wäre, muss ich gestehen.

Da dies dann allerdings wohl in Deutschland der Fall sein wird, kann ich wenigstens wieder auf die Ebay-Kleinanzeigen und gut sortierte Second-Hand-Läden zurück greifen -mein Silberstrahl am Nachhaltigkeitshorizont.

Und wie geht es euch, die ihr euren Kleiderschrank schon stark reduziert habt? Merkt ihr auch, dass die einzelnen Teile nicht mehr so langlebig erscheinen oder liegt es an der schlechten Pflege meinerseits und den Faktoren des Nomadentums?

2 Kommentare bei „Minimalistische Garderobe“

  1. Hallo Jitka – mir geht es mit meinem überschaubaren Kleiderschrankinhalt genauso wie dir. Ich stelle das auch fest, dass sich die Teile viel schneller abnutzen und eher kaputt gehen. Ich bin allerdings noch recht gut bestückt und dürfte noch eine Zeitlang damit auskommen. Danke dir für deinen Beitrag, interessant zu lesen! Liebe Grüsse, Barbara

  2. Liebe Barbara, hab Dank für dein Feedback! Das entspannt mich etwas, dass ich mit diesem Problem nicht alleine bin 🙄
    Bald hat mein Leben aus dem Kleiderkoffer ein Ende, mal sehen, wie es dann weiter geht.
    LG von Jitka

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