Montepikdorf reloaded

Wie bereits angekündigt, habe ich mich jetzt mal daran gemacht, unseren immerwährenden Kalender unserem momentanen Lebensgefühl etwas mehr anzupassen. Ursprünglich hatte ich die Idee auf dem Blog einer Amerikanerin entdeckt, die ihr Kind nach der Montessori-Pädagogik aufwächsen lässt. Mittlerweile fühle ich mich aber mehr von der Anthroposophie angesprochen und dem Ergebnis sieht man das auch an: hier kommt unser Montessori-meets-Waldorf-Kalender-2.0

montepikdorf02

Unser Jahresmotto lautet ja Rhythmus, ich habe hier und hier schon begonnen, davon zu berichten.
Und da unser Tagesrhythmus sich inzwischen recht gut eingependelt hat, ist der nächste Schritt, einen sinnvollen Wochenrhythmus für uns zu etablieren.

montepikdorf06

Damit es G leichter fällt, die Woche als wiederkehrende Größe zu begreifen, habe ich den Hintergrund des Kalenders jetzt statisch in den Farben gestaltet, die nach Rudolf Steiner den jeweiligen Wochentagen zugeordnet werden können.
(Montag: Violett, Dienstag: Rot, Mittwoch: Gelb, Donnerstag: Orange, Freitag: Grün, Samstag: Blau, Sonntag: Weiß)

montepikdorf03

Außerdem gibt es für ihn in Griffhöhe nur noch eine Woche, die mit einem Tagessymbol gekennzeichnet wird. Zusätzlich zu den Mond- und Wetterkarten habe ich jetzt noch Ereignisanhänger gebastelt. Die häufigsten Ereignisse, wie z.B. Großelternbesuch, Bauerngarten oder Putzdienst, können wir dann am jeweiligen Tag dazu hängen. Mal sehen, wie sich das praktisch umsetzen lässt.

montepikdorf05

Der neue Kalender gefällt mir nicht nur optisch besser als das Vorgängermodell. Auch die Annäherung an das Erlernen von Tagen und Zeitabständen erscheint mir nun viel kindgerechter, da die Sinne und konkrete Ereignisse vordergründig angesprochen werden, anstelle von Zahlen und Fakten.

montepikdorf01

Denn hier bin ich gerade an der Weggabel der montessorischen Ideologie -besonders was die Förderung des kognitiven Verstehens und Denkens im Vorschulalter anbetrifft- abgebogen und orientiere mich doch lieber an der Philosophie des dreigliedrigen Menschen (Körper, Seele und Geist) im anthroposophischen Sinne. Daher unterstütze ich die Ausbildung der jeweiligen Fähigkeiten zur rechten Zeit, eingebunden in die ganzheitliche Betrachtungsweise der menschlichen Entwicklung in Jahrsiebten.

Das heißt für mich, dass ich im ersten Lebensjahrsiebt versuche, ein Zuviel an Anregungen zu vermeiden, die den Geist, das kognitive Denken des Kindes, in Anspruch nehmen.
(Und das ist so viel leichter gesagt als getan! Ich ertappe mich täglich dabei, ihm die Welt „erklären“ zu wollen und beiße mir buchstäblich immer wieder auf die Zunge, damit er selbst ungestört durch das Fühlen, Sehen, Hören, Spüren, Riechen seine Erfahrungen sammeln kann.)

Das tue ich nicht, weil ein Drei- oder Vierjähriger nicht imstande wäre, zum Beispiel Buchstaben oder Zahlen zu erlernen oder theoretische Zusammenhänge auswendig zu lernen.
Aber durch diese Art des Kontakts mit der Welt (anstelle von Sinneserfahrungen, Beobachten, Nachahmen etc.), wird die Energie, die das Kind in dieser Zeit noch so dringend für die Eroberung des eigenen Körpers und eine gesunde Anlage seiner Organfunktionen für das ganze weitere Leben benötigt, zu stark in die Geisteskräfte abgezogen. Oder anders ausgedrückt:

Es gehört zu den zentralen Erkenntnissen der anthroposophischen Menschenkunde, dass die Lebenskräfte, die unseren Körper durchwirken, dieselben Kräfte sind, mit denen wir uns etwas vorstellen, erinnern, denken – nur in verwandelter Wirkung. Und in dem Maße, in dem diese Denkkräfte bereits im Kindergartenalter beansprucht werden, in dem Maße fehlen sie bei der Durchgestaltung des Organismus in Atmung, Durchblutung und Ernährung […]. Ob Lebensprozesse sich gesund im Körper des Kindes einprägen, hängt nicht nur von rhythmischem Tagesablauf, von Wollpullovern und Bio-Essen ab, sondern in entscheidendem Maße vom Vermeiden intellektueller Überforderung.

montepikdorf04

Da ich es aber durchaus praktisch finde, den Wochentag und das Datum auf einen Blick sehen zu können, bleibt der obere Teil in etwas abgewandelter Form dann schon erhalten. Auch die Jahreszeitenkarten finde ich weiterhin total sinnvoll, insofern habe ich eine ganz gute Fusion hingekriegt, glaube ich.

Und das Schöne an all den unterschiedlichen pädagogischen Ansätzen ist für mich, dass ich das für uns Passende heraus ziehen kann und Dinge, mit denen ich mich einfach nicht identifizieren kann, zur Seite packe. Manchmal werden solche zunächst unpassend wirkenden Methoden zu einem späteren Zeitpunkt nochmal in einem anderen Licht betrachtet und adaptiert. Manches bleibt aber auch einfach in der Schublade „Nichtmeins“ und darf gerne von anderen Geistern gewälzt und verwendet werden, wenn es für sie stimmig erscheint.

Am Ende wollen wir alle doch nur eins: unseren Kindern die aus unserer (durch die eigenen Erfahrungen geprägte) Sicht bestmögliche Umgebung schaffen, so dass sie ihr volles Potential entfalten und sich ungestört weiter entwickeln können – was auch immer dieses „weiter“ dann im Einzelfall auch bedeuten mag.

Links:
Erziehungskunst
Anthroposophie lebensnah

Schreibe einen Kommentar

*