Kann man Pantoffeln auch ohne Filzwolle stricken? (Mit Tutorial)

Mein Fazit: Nein, kann man leider nicht. Aber erst nochmal von vorne. Ich liebe Stricken. Es ist pure Freude und eine wahre Leidenschaft für mich. Lange, lange habe ich aber nichts mehr gestrickt. Warum? Weil ich 1. nur noch dann etwas stricken will, wenn ich es wirklich gebrauchen kann. Und 2. die Sache mit der Ressource Schafswolle mindestens so dilemmatös ist wie die mit der Baumwolle. Und ich weigere mich natürlich standhaft, jegliches Plastik zu verstricken. Das ist ja noch schlimmer als alles zusammen, oder etwa nicht?

Tja und plötzlich, nach einigen Monaten des Verzichtens, kamen zwei überaus strickfreundliche Umstände zueinander: Zu meinem Geburtstag bekam ich Wolle geschenkt. Einfach so. Von lieben Menschen, die um meinen inneren Konflikt in Sachen Veganismus und allgemeiner Nachhaltigkeit nicht so genau Bescheid wussten. Und diese schöne Wolle lag da nun also einige Monate im Oberschrank und wartete darauf, dass mir etwas einfallen würde, was ich sinnvollerweise daraus machen könnte.


Und dann ist auch noch das mit meinen Schlappen passiert.

Dass die schon ziemlich runtergefranst waren, habe ich hier ja bereits erläutert. Nichtsdestotrotz hätte ich auch mit durchsickernder Feuchtigkeit und nervig vielen Kieselsteinen den Rest der Reise mit ihnen bestritten.


Wenn Maja nicht gewesen wäre. Maja ist der 6 Monate alte Husky, der hier auf dem Gelände lebt. Und wie es bei jungen Hunden im Allgemeinen und bei Huskies wohl im Besonderen so üblich ist, schnappen die sich gerne mal den ein oder anderen Schuh, den ein unaufmerksamer Zweibeiner irgendwo hat stehen lassen.

Bei mir wurde das Ding von unserer Camper-Vortreppe weg gemopst. Dort lagen meine Schlappen an dem Tag, an dem bei mir die Grippe so richtig durchschlug, wohl ein Sekündchen zu lange rum. Tja, als ich sie reinholen wollte, war jedenfalls nur noch eine da. Die andere ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Aber langer Rede, kurzer Sinn: In diesem Falle konnte ich es mit meinem Nachhaltigkeitsgewissen einigermaßen vereinbaren, mir ein Paar Filzpantoffeln aus der geschenkten Wolle zu stricken. Juhuu! Das wollte ich schon lange machen, aber notwendig war es bislang eigentlich nicht.

Ich war erst aber etwas verunsichert, weil ich keine Anleitung für das Verfilzen mit „normaler“ Schurwolle finden konnte. Es war immer von Filzwolle die Rede bzw. Schreibe. Doch schließlich habe ich selbst schon einige Male in meinem Leben ein Wollkleidungsstück zu heiß gewaschen und meinte, dass eigentlich auch klassische Schafswolle auf hohe Temperaturen mit kräftigem Einlaufen und Verfilzen reagieren müsste.

Letztlich habe ich eine Anleitung bei Drops Design gefunden, da stimmte zumindest die Wollstärke einigermaßen mit meiner überein und auch die Maschenanzahl erschien mir recht passend. Also habe ich mit meiner vorhandenen Wolle losgelegt und mir für meine zwei Füße zwei passende Schlappen gestrickt. Den linken in Größe 36 und den rechten in Größe 39. Endlich mal ein Paar Schuhe, bei dem es keine unnötige Materialvergeudung gibt! Einfach ideal für meine Bedürfnisse, dachte ich mir.

Ich gebe euch die Anleitung von Drops Design für Filzpantoffeln aus Lima Wolle hier wieder und bebildere sie mit meinen Arbeitsschritten, denn das fehlt mir bei der kostenlosen Anleitung immer. Am Ende löse ich natürlich noch auf, was bei mir dann schief lief.

Und jetzt geht’s los:

Die Zahlen für Schuhgröße 35-37 ist die Orientierungsgröße, in Klammern dahinter steht die Zahl für Schuhgröße 38-40

Benötigtes Material: 100g FILZBARE Schurwolle, in meinem Fall Lauflänge 80m / 50g, im Tutorial ist von 100m / 50g die Rede.

29* Maschen anschlagen und auf ein Nadelspiel der Stärke 4 oder 4,5 verteilen.

* In der Anleitung steht 28 Maschen anschlagen, aber ich nehme immer eine Masche mehr auf und nutze diesen Trick, um die Runde einfacher zu schließen!

1. Runde rechts stricken, dabei einen Maschenmarkierer an der 1. und an der 15. Masche setzen. Es wird weiterhin glatt rechts in Runden gestrickt.

Ab der nächsten Runde in jeder 2. Runde eine Masche per Umschlag jeweils VOR und NACH der markierten Masche zunehmen und beim Abstricken rechts verschränkt stricken, damit kein Loch entsteht.
Das Ganze macht ihr 4 (5) Mal, bis ihr insgesamt 44 (48) Maschen auf dem Spiel habt.

Für Größe 38-40 abschließend noch eine Runde stricken, in der jeweils 1 Masche VOR dem Markierer zugenommen wird. Das ergibt insgesamt 50 Maschen. Dann wird bei allen beiden Größen glatt rechts rundgestrickt.

Wenn die Arbeit 13 (15,5) cm lang ist, werden zwei Krausrippen rundgestrickt und ein Markierer nach der 11. (13.) Masche gesetzt.

Nach der zweiten Krausrippe schneidet man vor dem Markierer den Strickfaden ab und setzt ihn bei der nächsten Masche dahinter neu an. Denn ab jetzt werden die Runden nicht mehr geschlossen, sondern hin und zurück gestrickt, immer rechte Maschen. So entsteht das Kraus-Rechts-Muster für diesen Teil der Pantoffeln.

Wenn das Strickstück 26 (31,5) cm lang ist, werden alle Maschen schön locker abgekettet.

Das Stricken ist hiermit fertig, nun werden alle Fäden vernäht und die vordere und hintere Kante im Matratzenstich zusammen genäht.

Den letzten Arbeitsschritt beschreiben sie bei Drops so:

Die Hausschuhe mit einem Waschmittel ohne Enzyme und ohne optische Aufheller in die Waschmaschine legen. Bei 40 Grad mit normalem Schleudergang ohne Vorwäsche waschen. Danach die Hausschuhe noch feucht über den Fuß ziehen und auf das richtige Maß zurechtziehen. Wieder ausziehen und trocknen lassen. Später die Hausschuhe wie ein normales Wollkleidungsstück waschen.

Das habe ich dann mal gemacht. Leider funktionierte das bei mir Null Komma Null.

Also habe ich die Waschtemperatur auf 95 Grad erhöht und siehe da: Wieder Null Komma Null! Ich war höchst enttäuscht und dachte, das geht doch nicht mit rechten Dingen zu?!?! Wolle kann man doch nicht bei 95 Grad waschen, das geht!doch!nicht!

Naja, scheinbar aber schon. Jedenfalls Merino Superwash, welche ich verwendet habe. Ich konnte es nicht glauben. Hätte ich mal nicht auf mein Bauchgefühl gehört, sondern lieber gründlich vorher recherchiert. Dann hätte ich das kostbare Material sicher für was anderes verwendet.

So sah das Endergebnis meines Filzversuches dann übrigens aus:

Alles umsonst? Echt jetzt ? Wie furchtbar!

Ähm, nicht ganz: Wenigstens kann Teddy jetzt zelten gehen. Das ist ein kleiner Trost. Und vielleicht finden wir demnächst ja noch ein kleineres Persönchen, das auch einen eigenen Schlafsack aus wunderbar waschfester Merinowolle gebrauchen kann…

Ein Kommentar bei „Kann man Pantoffeln auch ohne Filzwolle stricken? (Mit Tutorial)“

  1. Oops… von so einer Wolle hab ich auch noch nie was gehört…

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