Vom Hühnerstall und Osterhäslein

Noch mal Ostergeschreibsel??? Reicht es nicht bald mal mit diesem unseligen Fest? Im Grunde ja. Also jein. Denn entgegen all meiner Bemühungen um einen tierleidfreieren Lebenswandel gab es diesmal doch tatsächlich echte Hühnereier auf unseren Tellern. Und das kam so:

Ist es nun Zufall oder Schicksal gewesen, dass wir an Weihnachten -als sich unser Junge nichts sehnlicher wünschte als ein Holzgewehr wie Michel aus Lönneberga – in einem spanischen Bergdorf verweilten, in dem es einen begnadeten, traditionellen Holzschnitzer gab? Und ist es nicht bemerkenswert, dass wir zu Ostern an einem Platz gelandet sind, wo es richtig echte Hühner zum Füttern und Anfassen und Eier einsammeln (WWOOFer-Aufgabe) gibt?

Hier wohnen die acht hübschen Damen mit ihrem prächtigen Hahn. Ach nein, es sind nur noch sieben, seit der Husky-Welpe eins in die Fänge gekriegt hat.

Durch diesen Familien-Neuzuwachs ist den Vögeln zu ihrer eigenen Sicherheit leider der Bewegungsradius ganz schön gestutzt worden. Aber sie machten auf uns trotzdem einen recht fidelen Eindruck.

Ich alte Stadtpflanze habe hier also erstmalig Eier eingesammelt und G war mega interessiert an dem ganzen Prozess. Zwar kann ich mir selber nicht vorstellen, Zucht-Hühner anzuschaffen und zur Eierproduktion zu halten, da das ganze Geschäft mit den Tieren ja grundsätzlich auch voller Qual und Tod für diese Lebewesen steckt.

Aber wie mein Kleiner so treffend feststellte, geht es diesen Hühnern hier ja nun so weit ganz gut und dann dürfen wir auch ein paar Eier wegnehmen, wenn da doch eh keine Küken drin sind und sie sonst schlecht werden?

Da war es mit meinen Argumenten pro veganem Konsum an Ostern irgendwie vorbei. Klar haben wir die sechs formschönen Eier von unseren Gastgebern angenommen und sie hochösterlich behandelt!

Auf gut deutsch: Wir haben sie geputzt und von den letzten Daunen befreit. Unsere heutigen von selbst aufgeploppten Gesprächsthemen waren dann auch passenderweise Kloaken, Tierfabriken und zerbrechliche Materialien und Dinge. G musste dann hinterher auch unbedingt noch ein paar Tests durchführen. Er hat die leeren Eierschalen maximal vorsichtig auf die Matratze bzw. aus geringem Abstand und mit viiiiiiieeel Fingerspitzengefühl ins Schälchen zu den übrigen Eiern fallen lassen. Es ist nichts zerbrochen, da war ich doch froh. Schon lustig, wie wertvoll einem so eine Ansammlung von Calciumkarbonat sein kann?

Der Hauptgrund dafür ist natürlich meine Wertschätzung gegenüber den Tieren, die wir da zu unserem Zwecke benutzen.  Aber auch mein vom Auspusten verspannter Kiefer trug nicht gerade dazu bei, die Osterei-Rohlinge für wildere Experimente frei zu geben.

Leider konnte ich keinen frischen Rotkohl bekommen. Mit dem wollte ich eigentlich nochmal einen natürlichen Färbeversuch starten. So wurde es also nur und nochmal Kurkuma für unsere Ostereier.

Diesmal gaben wir den Eiern ein Vorbad in Essiglösung, da ich gelesen hatte, dies würde die Färbung intensivieren.

Ohne Kochen oder langwierige Einweichprozeduren wurden sie tatsächlich ziemlich schön gelb gefärbt.

Da wir die Aktion an einem etwas verregneten Nachmittag durchgeführt haben, ging sie nahtlos in weiteres Malen und Kneten über.

Die Salzteigeier bekamen niedliche Verzierungen vom weltbesten Osterhasenhelfer. Und am Ende…

… kam eine herrliche No-Waste-Oster-Deko dabei heraus.

Der Osterhase selbst hätte eigentlich zu gern frische roh-vegane Energiebällchen in Eierform mitgebracht. Aber leider bekam er die Zutaten zunächst beim besten Willen nicht zusammen. Er schien hier in der spanischen Pampa auch keine besseren Beziehungen zu haben als wir.

So deckte er sich stattdessen mit einem tüchtig schlechten Nachhaltigkeitsgewissen mit industriell gefertigten Erdnüssen in Schokoummantelung ein (Weil die so toll bunt sind! Seufz). Und weil er uns wohl in der letzten Zeit so oft beim Mühle-Spielen und Mensch-ärgere-dich-nicht beobachtet hat, gab es noch zwei kleine Holzschachteln – eine mit Mikadostäbchen und eine mit Dominosteinen.

Spanische Handarbeit?  Hmm, leider nicht. Aber wenigstens aus Holz und komplett ohne Umverpackung.

Am letzten Tag vor der Osterschließung hörte man dann aber doch noch ein kleines gemümmeltes „Heureka!“. Das war beim Einkaufen im Lidl, wo Osterhasi und seine fleißigen Helferlein tatsächlich Datteln und verschiedene Nüsse im Regal entdeckten.

Ich weiß jetzt nicht so recht, was am Ende für die Umwelt und den Planeten besser ist: In Plastik verpackte exotische Zutaten zu kaufen oder die fertigen Schokodingsdas? Vorteile am selber machen sind für mich allerdings:

Vegan rules!

Wo immer es mir möglich ist, eine vegane Alternative zu nehmen, mach ich das.

Gesundheit geht vor!

Dass ich kein Freund von zu viel Industriezucker bin, wisst ihr ja. Aber auch die anderen Inhaltsstoffe sind doch in natürlichen Produkten ganz klar denen aus der Retorte vorzuziehen.

Konditionierung auf Industriefraß, Stop!

Es ist ja nun hinlänglich bekannt, denke ich, wie wir von klein auf an den Geschmack des massenproduzierten Einheitsbreis gewöhnt werden. Dieser gesteuerten Prägung des kindlichen Gaumens auf künstliche Aromen und Geschmacksverstärker will ich wenigstens im Rahmen meiner Möglichkeiten etwas entgegen setzen. Frisch zu kochen und zu backen, so oft ich kann, ist da natürlich Strategie Nummer Eins.

Gefühlsentscheidung

Und zu guter Letzt fühlt es sich für mich als Mama einfach besser an, besonders an den Festen, aber auch sonst im Alltag,  regelmäßig etwas für mein Kind selbst zu machen, anstatt schnell was zu kaufen. Klar, das geht nicht immer und bevor ich mich (und dadurch automatisch auch mein Kind / meine Beziehung) in Stress versetze, gibt es auch lieber die einfache Variante.

Ein weiterer Punkt ist aber auch noch meine gefühlte größere Unabhängigkeit vom System, wenn ich aus einfachen Nahrungsmitteln selbst etwas Tolles zaubern kann. Nicht angewiesen zu sein auf die Großfabriken oder fremde Produzenten und gleichzeitig gut und lustvoll leben zu können – dieses Ziel treibt mich auch immer an.

So gab es also im Vorfeld durch die Gegebenheiten hier vor Ort zwar so manche leichte Kauf-Verirrungen, aber schlussendlich war ich doch mit der Gestaltung des österlichen Gabenangebotes recht versöhnt. Und auch unsere selbst gebackenen Hefebunnies waren natürlich vegan und sogar vorwiegend Bio.

Die kleinen Schritte, ich sag’s euch! Man darf die kleinen Schritte nicht übersehen und auch der Wille ist bei mir immer, immer vorhanden, nach enkeltauglicheren Alternativen zum Mainstream zu suchen.

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