Zwischen den Jahren

Heute lade ich euch ein, einen Eindruck davon zu bekommen, womit wir uns in den letzten Wochen des Jahres in der Casa Del Dragon beschäftigt haben. Denn nachdem der Hausherr Anfang Dezember von seiner Deutschlandreise zurück gekehrt war, gab es für uns außer dem Klohäuschenbau noch einiges an Aufgaben zu erledigen.

Tatsächlich kam das Kloprojekt um Weihnachten ganz kräftig ins Stocken. Nachdem ich mich für eine Patchwork-artige Stoffbespannung entschieden hatte, die Nähmaschine dann aber leider nicht funktionstüchtig war, kam ich über das Zuschneiden und Heften der einzelnen Stoffteile nicht hinaus.

Ich genoss den Vormittag am „Nähtisch“ trotzdem sehr. Nicht zuletzt, weil ich sturmfreie Bude hatte und mir meinen Lieblingsfilm anschauen konnte, ohne mir doofe y-chromosomale Kommentare anhören zu müssen.

Dazu kam, dass wir um Mithilfe bei einem anderen großen Projekt gebeten wurden. Was zunächst recht unspektakulär klang, stellte sich als eine sehr umfangreiche Aktion heraus, nämlich…

…Nummerierungssteine am Flussbett zu sammeln und zu bemalen.

Diese brauchten wir für die Dokumentation des Baumbestandes auf dem Gelände.

Die Steine mussten wir dann den Bäumen zuordnen und eine Tabelle dafür anlegen. Wir bereiteten 190 rosa und 150 blaue Steine vor und waren am Ende sehr stolz auf das Ergebnis.

Da die Temperaturen -vor allem drinnen im Haus- ziemlich winterlich blieben, hatten wir schon bald eine Menge unseres Holzvorrats aufgebraucht.

Bei einer Erledigungstour in Morella hatten wir Glück und durften mehrere Säcke voll Feuerholz umsonst abholen. Dieses war verschnitt einer Firma, die Obst-und Gemüsekisten baut und das Holz landet sonst in der Müllverbrennungsanlage!

Der viele Weißdorn lud auch noch zum Ernten ein. Wir versuchten uns an unserem ersten Weißdorngelee.

Dann konnte mein Liebster außerdem noch beim Einbau eines Ofens in einen Wohnwagen mit Hand anlegen. T war die Herangehensweise aber mal wieder zu schnellschnell. Er hätte das Ganze wohl gründlicher planen wollen, aber da war es dann schon zu spät und der Ofen drin.

Dass der jetzt nicht voll beheizt werden kann und er stündlich gecheckt bzw. Holz nachgelegt werden muss, da die Isolierung nicht ausreicht und eine Reinigung des Bodens drumherum durch den Teppich schier unmöglich ist, wäre für unsereins jedenfalls kein zufrieden stellendes Ergebnis.

G suchte sich währenddessen allerlei eigenständige Beschäftigungen und widmete sich rund um die Weihnachtstage herum seinem eigenen Lehmkerzenprojekt.

Im Garten hatte er sich Stunden um Stunden mit Lehmkneten beschäftigt, während T oder ich an den Lehmwänden zu tun hatten. Es entstanden so zig Schalen, Kugeln, Ufos, Zeppeline und Heißluftballons aus dem Naturmaterial.

Einen Teil der kleinen Tongefäße wollte G dann zu Petroleum-Kerzen verarbeiten. Da hatte ich aber meine mütterlichen Einwände und schlug eine etwas weniger leicht entflammbare Alternative vor. Gesagt, getan ließen wir etwas Wachs auf dem Ofen schmelzen und klauten uns einen Docht aus einem Teelicht.

Daraus wurde ein hübsches, kleines Adventslicht Marke Eigenbau und G war sehr stolz auf seine Arbeit.

Das Material Wachs faszinierte ihn zusehends und so bereicherten dann auch
manche Wachsexperimente unsere kommenden Tage. Wachs auf Papier, Wachs auf Wasser, Wachsschmelzen auf dem Ofen, Wachskneten.

Ihr seht, Langeweile kommt bei uns wirklich nicht auf. Aber ich merke trotz aller Ablenkung durch die diversen Projekte, wie mein Fernweh quasi täglich zunimmt. Ich habe phasenweise gar keine richtige Freude mehr an meinem Hiersein und sehne mir unseren baldigen Aufbruch herbei.

Ich will einfach in Gemeinschaft kommen, will unter Gleichgesinnte, will wieder mehr Miteinander und Lebensfreude spüren und an einen Ort, wo auch mehr Kinder sind und diese ganz selbstverständlich dazu gehören und Anteil nehmen können.

Wie schon im Sommer ist auch diese Verzögerung wieder eine mega Geduldsprobe für mich. Dieses ungewollte Festsitzen, die unfreiwillige Abhängigkeit, das gefühlte Überstrapazieren der dargebotenen Gastfreundschaft – alles Dinge, die mich an meine eigenen Grenzen stoßen lassen und viel innere Arbeit an meiner Balance mit sich bringen.

Wofür auch immer das gut sein soll, ich hoffe, es ist eine Erfahrung, die uns am Ende bei unseren weiteren Lebensentscheidungen weiter hilft!

Unser Getriebe wird nun nach einer gefühlten Ewigkeit endlich abschließend (?) bearbeitet.

Ein zarter Hoffnungsschimmer macht sich bei mir bemerkbar, dass unser Wagen vielleicht doch nicht für immer dazu verdammt ist, unsere Im-Mobilie in Spanien zu bleiben.

Ein Jahreswechsel auf Tour scheint zum Greifen nah…

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