E2C2 klingt einfach cooler als GÖBÖ

Nachdem T und sein Paps in der zweiten Junihälfte das Wohnmobil stromunabhängig gemacht hatten, sind wir Anfang Juli dann endlich losgestartet auf unsere große Suche. Einerseits war uns beiden klar, dass den richtigen Ort zu finden keine Kopfsache sein kann.

Ein paar erste Anhaltspunkte, wohin wir uns begeben könnten, hält das Internet zwar bereit, doch wie die Tour dann tatsächlich verläuft, wie die einzelnen Orte und Menschen auf uns wirken, wenn wir sie in echt erleben und wo wir uns ein Leben vorstellen können, wird in großen Teilen eine Bauchentscheidung sein müssen.

Aber wer mich kennt, der weiß: mein Verstand will natürlich trotzdem irgendwie beschäftigt sein, sonst wäre es nicht mein Verstand.

So versuche ich während der Reise eine Art Tabelle zu führen, in der ich meine/unsere Erfahrungen und Eindrücke der einzelnen Kommunen und Gemeinschaften festhalten und später auch ein wenig miteinander vergleichen kann. Dies hat den Vorteil, dass ich hier auch ein paar rationale Fakten über die besuchten Kommunen teilen kann und nicht nur unser rein subjektives Bauchgefühl beschreibe, welches für jemand anderen ja ein völlig anderes sein würde.

Die Grundlage meiner „Tabelle“ bilden die 4 Quadranten nach K. Litfin, die sie in ihrem Buch ecovillages beschreibt. Anhand dieser Überbegriffe zeigt Litfin, welche Qualitäten die „erfolgreichen“ (langjährig bestehenden / gut etablierten) Ökodörfer verbindet, wo sie doch sonst so unterschiedlich und facettenreich wie die Menschen selbst sein können.

Es handelt sich dabei um die 4 Bereiche

Ökologie (ecology)
Ökonomie (ecology)
Gemeinschaft (community)
Bewusstsein (consciousness)

Im Englischen kurz e2 c2 genannt. Im Deutschen könnten wir immerhin noch sowas Gelungenes wie BÖGÖ, BÖÖG oder GÖBÖ draus machen, wenn´s denn eine Abkürzung braucht.

Ich gebe zu, mein Rucksack ist bis oben hin voll mit Idealismus und Utopiegedanken. Mit weniger als einem ganzheitlich ausgerichteten Projekt mit Bezug zu all diesen wichtigen Ebenen will ich mich zur Zeit nicht zufrieden geben. I want it all.

Das heißt absolut nicht, dass es alle Bereiche schon perfekt ausgearbeitet geben muss – im Gegenteil, ich glaube nicht, dass das überhaupt realistisch ist. Die Transformation ist ja erst jetzt in vollem Gange, wie es scheint. Und es machen sich überall auf der Welt so viele tolle Menschen auf den Weg und tun sich zusammen um dann gemeinsam etwas wirklich Tolles, Neuartiges zu formen.

Der Nachhaltigkeitsaspekt zum Besispiel sollte eine wichtige Rolle im gemeinschaftlichen Wirken spielen, dafür gibt es in einer größeren Gemeinschaft ja diverse Möglichkeiten – von der Nahrungsversorgung, über die Lösungen für Wasser, Abfall, Transport, materielle Besitztümer und bewussterer Umgang mit Konsum jeder Art um nur ein paar Schlagwörter zu nennen.

Das soziale Miteinander und das Anerkennen der Einzigartigkeit jedes einzelnen braucht Zeit und Raum und sicherlich die Offenheit jedes einzelnen, sich der Gemeinschaft in seiner Einzigartigkeit zu zeigen, sich selbst zu reflektieren, seinen inneren Zwiespalt zwischen Individualinteressen und Gemeinschaftssinn anzugehen. Ich glaube nur so kann und wird jeder_*r einzelne seinen/*/ihren Platz in der Gemeinschaft einnehmen können und zufrieden mit den vielen anderen Menschen und deren Bedürfnissen umgehen und leben können.

Achtsamkeit spielt da natürlich ebenfalls eine sehr große Rolle. Die Achtsamtkeit für sich und die eigenen Bedürfnisse und Potentiale, die Achtsamkeit für das jeweilige Gegenüber und für unseren Lebensraum. Und ein echt wichtiger Faktor ist für uns auf jeden Fall auch noch die wachsende Unabhängigkeit vom großen globalen Kapitalismus durch gemeinsames Wirtschaften und durch die Stärkung der regionalen Vernetzung. Und last but not least der Umgang mit unserem Nachwuchs, also welche Gedanken gibt es zu einem artgerechten Umgang mit Betreuung der Kinder, ihr Lernen und ihre Bildung sowie die Thematik, was Jugendliche und junge Erwachsene brauchen, um innerhalb der Gemeinschaft ein zufriedenes Dasein zu finden.

Was ich mir also grundsätzlich für den Ort, an dem wir Wurzeln schlagen könnten, wünsche, ist eine gemeinsame Vision der Beteiligten: zumindest ein vergleichbar starker Idealismus, die eigenen Fähigkeiten und Kräfte dafür einzusetzen, eine großartige, gemeinsame Zukunft zu gestalten.
Die perfekte Gemeinschaft gibt es nicht und braucht es auch nicht zu geben, aber das Potential für eine Entwicklung in diese ganzheitliche Form muss wenigstens im Ansatz zu spüren sein. Wenn wir das finden würden, wäre es schon ein riesengroßes Geschenk … aber wo fängt man da denn nur an?

Wie ich schon im letzten Artikel verraten habe, begann unsere Tour nach ersten Anlaufschwierigkeiten beim Schloss Tempelhof dann also im Lebensgarten Steyerberg. Was wir dort gefunden und was wir dort nicht gefunden haben, bekommt ihr natürlich so schnell wie möglich berichtet.

Jetzt gerade machen wir nach 5 Tagen im Lebensbogen bei Zierenberg einen kurzen Zwischenstopp bei lieben Freunden und fahren dann hoffentlich Ende dieser Woche zu unserem nächsten Ziel. Ob das klappt, wissen wir hoffentlich morgen und wohin es geht, verrate ich auch beizeiten, es wird hier auf jeden Fall nicht langweilig!

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