Lebensgarten Steyerberg Teil 1

Ein wenig ist es schon wieder her, dass wir unsere erste richtige Station im Lebensgarten verlassen haben, deshalb muss ich mich auch echt konzentrieren, um meine Eindrücke halbwegs sortiert wieder zu geben. Auf Reisen zu sein heißt nämlich unter anderem, ständig mit so vielen neuen Reizen und Ideen konfrontiert zu sein, dass die Erinnerung nur allzu schnell verblasst.

Aber nun erstmal der Reihe nach. Unser erstes Ziel hieß Lebensgarten Steyerberg und nach einem kurzen Telefonat mit zwei verschiedenen Ansprechpartnerinnen vor Ort war recht schnell klar, dass wir kommen können und ein Stellplatz für das WoMo vorhanden ist.

Die Gemeinschaft selbst besteht aus ca. 100-120 erwachsenen (Vereins-)Mitgliedern und 30-40 Kindern. Allerdings bekamen wir von mehreren Seiten mit, dass dieser strukturelle Vereins-Rahmen im Alltag eigentlich nur wenig mit dem Gemeinschaftsleben zu tun hat. Tatsächlich fanden wir gar keine große, tragende Vision vor, die alle Mitglieder miteinander teilen oder die sie zusammen schweißen würde.

Statt dessen erschien uns viel Raum für kleinere Gemeinschaftserfahrungen und Projekte entgegen zu kommen. Da jede/*/r komplett freiwillig an den Veranstaltungen teilnimmt, gibt es keinen „Gruppenzwang“ im Sinne einer politischen Kommune oder strikten Vereinbarungen über das Zusammenleben.

Jedes Mitglied ist für sich selbst verantwortlich, sowohl finanziell/materiell als auch in allen anderen Belangen. Dies ließ uns den Eindruck gewinnnen, dass es sich beim Lebensgarten irgendwie um ein Abbild der großen Gesellschaft /Wirtschaft handelt, in dem jede/*/r seinen individuellen Platz einnimmt und den Beitrag für die Gemeinschaft leistet, den er gerade geben kann und möchte.

Die Wohnungen befinden sich überwiegend in Zweifamilienhäusern, einst erbaut als Munitionsfabrik und während des zweiten Weltkriegs genutzt als Arbeitslager für weibliche Kriegsgefangene. Teilweise sind die Gebäude im Besitz des Vereins, ein anderer Teil gehört Privatleuten, die dann i.d.R. auch selbst darin wohnen. Dadurch hat man ebenfalls die klassische Spaltung zwischen Besitzer_*innen und Mieter_*innen, was nach unserem kurzen Eindruck die Menschen in ihrer Selbstwahrnehmung und Lebensführung eher trennt als verbindet. Doch die meisten scheinen das auch völlig in Ordnung zu finden und nach dem gegenseitigen Probejahr ziehen sicherlich auch in erster Linie die Menschen hierher, für die dieses Konstrukt dann auch passt und stimmig ist.

Viele Mitglieder haben eine Existenz im Lebensgarten oder ganz in der Nähe aufgebaut, so dass Wohnen, Leben und Arbeiten in unmittelbarer Nähe beisammen statt findet. Waldkindergarten und freie Schule machen den Ort für junge Familien zusätzlich sehr attraktiv.

Im Gemeinschaftszentrum findet sich ein Bioladen, der von allen Interessierten der Gemeinschaft zusammen geführt und unterhalten wird. Was ich hier nur sehr bedauerlich fand, ist die Tatsache, dass das Gemüse des angeschlossenen Biogärtners nicht hauptsächlich von den Menschen des Lebensgartens abgenommen wird. Das meiste verkauft er im Hofverkauf an Kund_*innen von extern. Dadurch werden natürlich die Synergie-Effekte und die Nachhaltigkeit dieses Projekts geschwächt und ich würde mir für meinen zukünftigen Lebensort wünschen, dass Anbau und Verarbeitung der Lebensmittel innerhalb der bestehenden Gemeinschaft passiert.

Die Umgebung ist wirklich herrlich, die Gemeinschaftsgebäude geben die Möglichkeit für gemeinsame Feiern und Veranstaltungen und auf dem „Heiligen Hain“ findet jedes Jahr im Sommer ein großes Sommercamp statt.

Unterm Strich hatten wir im Lebensgarten eine unglaublich bereichernde Zeit (2 Wochen). Die Kontakte zu einigen Menschen waren wirklich richtig wertvoll und auch teilweise richtungsweisend. Ich wurde zu mehr Achtsamtkeit inspiriert und habe ein neues Tool für eine extrem spannende Art der Selbsterkenntnis entdecken dürfen (Human Design).

Das Geben und Nehmen, die liebevollen Begegnungen, das achtsame Miteinander, das wir in der kurzen Zeit im Kleinen miterleben durften, hat uns sehr berührt und wir fuhren mit einem Gefühl von dort fort, dass wir jederzeit auch wieder willkommen wären.

Wie wir uns dort unseren „Lebensunterhalt“ verdient haben, davon schreibe ich beim nächsten Mal!

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