Ein Leben nach der Fremdbetreuung

Mittlerweile ist die fünfte Woche rum, seitdem wir G vom Kinderladen abgemeldet haben. Und ja, ich lebe noch. Das Leben als Mehr-oder-Minder-Vollzeitmama läuft eigentlich ganz gut. Alles eine Frage der Einstellung Leidensfähigkeit würde ich sagen.

Und JA!, mir fehlt die Zeit für mich, das richtige Durchatmen, wenn man das Kind für mehrere Stunden in guten anderen Händen weiß. Aber auch wenn T wieder voll und ganz im Lernmodus ist, kann er sich doch immer wieder mit um G kümmern und mich an dieser Stelle etwas entlasten.

Als ich letzte Woche richtig krank war, mit Nasen-Nebenhöhlen-Entzündung, kamen zusätzlich meine lieben Eltern zur Unterstützung vorbei. Das war eine wahnsinnig tolle Entlastung- und ich seufze innerlich schwer, wenn ich darüber nachdenke, dass diese Art von Hilfe in näherer Zukunft so nicht mehr vorhanden sein wird…

Ich habe -von den Krankheitstagen abgesehen – unseren neuen Tagesrhythmus inzwischen gut etabliert. In aller Regel gehen wir zweimal am Tag raus, entweder weil wir etwas vorhaben (Freunde Treffen, Musik, Sport…) oder zum Park, Einkaufen, Laufradfahren im Kiez. Solange ich da meinen inneren Schweinehund im Griff habe, folgt das Kindlein auch meist ohne Probleme.

So und was macht unser Junge jetzt den ganzen Tag? So ganz ohne die gewohnte vierstündige Kindergarten-Auslastung? Ehrlich gesagt, entwickelt sich G gerade ganz toll. Er lebt richtig auf, taucht in seine Kreativität ein, malt, knetet, bastelt und erfindet Spiele, Lieder und Geschichten. Keine Spur davon, dass ihm irgendetwas Essentielles fehlen würde.

Ich war überrascht, wie sehr sich G´s Sozialverhalten, welches in den letzten Monaten immer wieder eine ganz schöne Herausforderung für mich dargestellt hat, ins Positive verändert hat. Die Kontakte, die wir gerade pflegen oder auch wieder neu beleben, fördern definitiv die Seiten bei G, die ich als sozial verträglicher bezeichnen würde. Ich muss gestehen, es tut mir als Mutter gerade einfach gut: zu beobachten und zu sehen, dass G völlig entspannt und friedlich mit anderen Kindern spielen kann ohne wegen jeder Kleinigkeit in recht destruktiven Streit zu geraten. Das war in den letzten Wochen und Monaten, in denen er noch in den Kinderladen gegangen ist oft anders. (Gefühlt jedenfalls, objektiv betrachtet war es wahrscheinlich nur halb so wild).

Woran es nun genau liegt, lässt sich natürlich nur mutmaßen, aber ich habe schon das Gefühl, dass die gesamte Gruppenkonstellation, die Charaktere der einzelnen Kinder und die problematische Betreuungssituation zumindest teilweise mit reingespielt haben. Insofern bin ich in dieser Hinsicht gerade ganz froh, etwas Abstand vom Kinderladen zu gewinnen.

Der Plan, die Erfüllung der Bedürfnisse nach Struktur und Rhythmus mehr selbst in die Hand zu nehmen, ist erfreulichweise gut aufgegangen. So viel Mühe das auch kostet, merke ich es einfach sofort, was es für einen Unterschied bei meinem Kinde macht, ob ich die Fäden in der Hand habe oder selbst unsicher und unkoordiniert durchs Leben stolpere.

Einen wirklich unerfreulichen Übergangstag haben wir nach meiner Genesung gebraucht, an dem ich zwar den Willen aber noch nicht die richtige Kraft hatte, die Führung wieder zu übernehmen. Dazu kamen wahrscheinlich aufgestaute kindliche Gefühle der Frustration und Sorge, weil ich die Tage vorher nicht richtig verfügbar gewesen war. (Weder als sicherer Hafen für das Abreagieren der negativen Emotionen, noch mit der üblichen positiven Aufmerksamkeit und Hingabe).
Mit dem Resultat, das diese kindlichen Emotionen dann ein Ablass-Ventil brauchten und auch fanden: samt einer großen Überschwemmung in der Küche, einem zerdepperten Aufstrichglas und der teilweisen Verwüstung meines Notizbuches – um die „Highlights“ dieses Nachmittages mal zu benennen.

Also, mein erstes vorsichtiges Zwischenfazit: Dem Kind tut das neue Lebensgefühl sehr gut. Ich bin total dankbar, dass das Wetter nun endlich auch etwas frühlingshafter wird, so dass das Rausgehen mir nicht mehr so schwer fällt. Die me-time kommt gerade komplett zu kurz, ebenso die Partnerzeit. Das darf sicher kein Dauerzustand bleiben, aber für ein paar Wochen mehr oder weniger halten wir das sicher auch durch.

Ich hätte den Verlust an sozialer Anbindung für mein Kind größer eingeschätzt. Mit dem Pflegen von Freundschaften und dem Besuch einiger offenen Familientreffen kommen wir momentan sehr schön zurecht.

Und natürlich darf Bewegung nicht fehlen. Das Laufrad ist für unterwegs ein echter Segen. G wird immer mutiger und übt sich im Abwärtsfahren – ich schätze, bald wird es Zeit für seinen ersten Helm!

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