Nachhaltigkeitstagebuch im März

Am vergangenen Wochenende nahmen wir zum zweiten Mal an der Ackerbegehung des Bauerngartens teil. Im Gegensatz zum letzten Jahr fühlten wir uns schon recht vertraut mit der Location und den Leuten und G stand ganz gebannt mit im Kreis der Zuhörenden und brauchte kaum extra Aufmerksamkeit. Ich sehe der Ackersaison mit großer Vorfreude entgegen, denn sie ist für mich Lernfeld und Bindeglied für unser neues Leben als Selbstversorger.

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Ebenfalls froh stimmt mich der heutige Eintrag in mein Nachhaltigkeitstagebuch. Denn in den vergangenen Wochen habe ich ein paar kleinere und größere Etappenziele erreicht. Es fing damit an, dass ich endlich die Zeit fand, unsere Familie mit selbst genähten Stofftaschentüchern auszustatten. Und ich bin noch immer hellauf begeistert von dieser Innovation.

Ein Nebenprodukt dieses Nähabenteuers waren diese hübschen, doppelwandigen Tücher zum Einlegen in unser Brotkörbchen.

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Das spart uns in Zukunft eine ganze Menge an Müll von Servietten oder Küchenrollenpapier.

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T hat sich schon im Februar in die Herstellung unserer zweiten Runde Seife gestürzt und eifrig an Düften geschnuppert und mit Mischungsverhältnissen experimentiert.

Wir hoffen, dass diese Charge nicht mehr so weich bleibt, sondern sich genau so wie unsere Schampooseife schnell und dauerhaft verfestigt.

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Ich habe erwähnt, dass ich auf dem Stoffmarkt war. Die Versuchung war einfach zu groß. Zwar wanderten fast nur Ökostoffe in meinen Einkaufsbeutel (von den Restposten für die Taschentücher mal abgesehen), aber ein bißchen schlechtes Gewissen bleibt ja doch, wenn man neue Rohstoffe mit heim trägt. Ich bin mir dessen bewusst, versuche aber, meine Schuldgefühle nicht die Oberhand gewinnen zu lassen.

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Für G habe ich diese flauschige Übergangshose genäht. Sie hat die perfekte Passform für meinen Jungen und die Beine sind extra lang, damit er sie eine ganze Weile tragen kann.

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Und da er einen neuen Schlafanzug brauchte und ich bei Nacht- und Unterwäsche tatsächlich lieber Neuware als Second Hand kaufe, gab es auch noch einen solchen aus weichem, grünen Frotteestoff. Alles 100% Baumwolle (bis auf die Bündchen).

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Für mich selbst standen erst mal ein paar Ausbesserungen an: Angefangen bei den Einkaufstüten…

…die ja inzwischen immer dabei sind und entsprechend gelitten haben…

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…über meine eigene Winterjacke…

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…die schon seit gefühlten Ewigkeiten zwei ausgerissene Stellen aufweist…

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…um die ich mich endlich mal kümmern musste.

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Bis hin zu meiner einzigen Hose, die ich besitze. Seit über zwei Jahren habe ich nur diese eine Jeans für die kühlere Jahreszeit. Und nun fängt sie verständlicherweise an, sich an viel beanspruchten Stellen aufzulösen.

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Jetzt wurde nicht mehr lange gefackelt, sondern auf beide Knie wurden kurzerhand Selfmade-Flicken drauf geknallt. Bam!

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In Sachen Kochen gab es auch einige konstantere Veränderungen: Brot und Backwaren sowie Pizzateig werden hier ja schon seit einigen Monaten in erster Linie selbst gemacht.

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Nun kam auch noch die Nudelmaschine ins Haus. Und für G war das mindestens genau so aufregend wie für uns, die ersten selbst gewalzten Spaghetti zu essen.

Mein persönlicher Kraftakt ist nach wie vor das Loslösen vom Konsum tierischer Lebensmittel. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich mittlerweile Kuh-Joghurt und Kuh-Milch komplett ersetzt habe. Dies sorgt momentan zwar noch nicht wirklich zu einer positiven Entwicklung bei der Müllvermeidung, aber meine innere Nachhaltigkeit (Seelenhygiene) profitiert von jedem Schritt in Richtung Veganismus. Die vielen Alltagsentscheidungen empfinde ich nach wie vor als großen Irrgarten – Ökologischer Landbau oder Regionalität, Müllvermeidung oder Fairtrade, Mikrobielles Lab oder Plastikverpackung – all diese Faktoren scheinen sich im Supermarkt immer wieder zu widersprechen.

Ich beschwöre das Bild eines großen, kühlen Lagerraums herauf. Getreide- und Mehlsäcke aus Leinen gibt es dort und warten nur darauf in all die feinen Lebensmittel verwandelt zu werden, die wir tagtäglich essen. Daneben sehe ich lange Regalreihen mit eingemachten Leckereien: Tomatensoße, Marmeladen, Trockenobst und vieles mehr. Anstatt sich bei jedem Supermarktbesuch zu fragen, ob man es verantworten kann, heute eine Miniportion an Küchenkräutern oder frischen Beeren in Plastikschalen vom anderen Ende der Welt zu kaufen -was in 90% der Fälle mit einem NEIN beantwortet wird-, werden wir (fast) das ganze Jahr über auf unseren eigenen Garten zurück greifen können.

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Ob er wahr wird, dieser Traum vom Selbstversorgen? Was wird uns auf dem Weg dorthin noch so alles begegnen? Welche Steine werden wir weg räumen, welche Verbindungen eingehen, an welchem Ort Wurzeln schlagen?

2 Kommentare bei „Nachhaltigkeitstagebuch im März“

  1. Hallo Jitka,
    Ein Tipp von mir zum Flicken von Hosen:
    Bei mir sind bei beanspruchten Jeans die Flicken relativ schnell weiter ausgerissen. Nun mache ich es anders, was auch den Vorteil hat dass es viel dezenter aussieht: Ich lege den großzügigen Flicken (gerne aus gebrauchten Jersey -T-Shirt etc.) auf die Innenseite der Jeans, fixiere ihn am Rand mit Stecknadeln und nähe dann mit geradstich immer hin und her im Kritzelkratzel. Über das ganze Loch und noch etwas weiter bis das Gewebe nicht mehr dünn ist. Dann schneide ich den überflüssigen Jersey weg und trage meine Hose weiter. Manchmal mach ich die Nähte auch mit Kontrastfarbigen Garn, manchmal senkrecht zusätzlich, oft auch mit anderen Farben.
    Bei mir klappt das gut, besser als die Flicken obendrauf.
    Grüße,

    Lisa

    1. Hallo Lisa, ich danke dir für den tollen Tipp und die Beschreibung! Das werde ich beim nächsten Kleidungsstück, das geflickt weden muss, auf jeden Fall versuchen. Viele liebe Grüße, Jitka

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