Nachhaltigkeitstagebuch im Februar

Es ist schon eine Weile her, dass ich darüber resümiert habe, welche Dinge ich in meinem Alltag verändert habe, um ein nachhaltigeres Leben zu führen. Die Weihnachtszeit und der Lernstress haben mich sicherlich ein wenig von dieser Aufgabe abgelenkt, teilweise habe ich auch völlig versagt (Beispiel Sylvesterfest – das war tragischerweise eine wahre Schlacht aus Plastikverpackungen…Asche auf mein Haupt…) aber nun habe ich endlich wieder Kapazitäten frei, um genauer hin zu schauen.

Tatsächlich waren die letzten Wochen geprägt von relativ hohem Materialismus, wenn man so will. Ich habe zwar versucht, die meisten Dinge in Form von Second-Hand-Anzeigen und mithilfe von DIY-Projekten anzuschaffen bzw. Upcycling betrieben, aber ich hatte das Gefühl, ständig etwas Neues herzustellen oder anzuschaffen. Zum Beispiel verbrachte ich einige Zeit mit der Anfertigung von G´s Faschingskostüm und der Dekoration für den Kinderladen.

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Außerdem habe ich meine Wollvorräte gesichtet und nahezu alle vorhandenen Knäuel zu einem Poncho, einem Rock und zwei Paar Stulpen verstrickt. Das war wirklich Balsam für meine Seele in diesen aufreibenden Wochen. Wenn meine Hände beschäftigt sind, kann mein Geist wenigstens ansatzweise zur Ruhe finden. Aus den Wollresten entstanden dann auch noch süße Neu-Kreationen für die Kleinsten. Denkt dran, die Verlosung endet am 14.02.!

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Im vergangenen Jahr habe ich schon einiges Neues ausprobiert, wie ihr hier sehen könnt. Mit dem Kartoffelspüli und dem selbst angesetzten Essig bin ich bisher noch nicht wirklich zufrieden gewesen. Aber einiges wurde hier konsequent beibehalten, etwa die Verwendung unseres eigenes (Voll-)Waschmittels und Weichspülers (Tafelessig). Hinzu gekommen ist in der Küche noch das eigene Spülmaschinenpulver.

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Auch die Nutzung von Stoffbeuteln für Obst- und Gemüse-Einkäufe sowie der Umstieg auf Hanfschwamm und Baumwoll-Küchenputzlappen blieb von Dauer. Letztere brauchten nur eine kleine Optimierung in der Farbe.

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Weiße Lappen sehen nach einigen Monaten intensiven Gebrauchs ganz einfach unappetitlich aus. Da wurde kurzerhand eine ganze Ladung Weißwäsche in ein warmes Brombeer verwandelt. G´s Wickelunterlagen wanderten zum großen Teil auch gleich mit in die Maschine.

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Ich würde übrigens sagen, dass das Badezimmer der Ort ist, an dem wir bisher die meisten alltagstauglichen Veränderungen vornehmen konnten. Wir kaufen immer weniger Artikel aus der Drogerieabteilung und das ist ein wahrlich beglückendes Gefühl. T ist hier der Hauptprotagonist. Er hat Seife für Körper und Haare hergestellt und nachdem wir feststellten, dass die Seifen auf den Ablagen zu feucht und damit zu matschig blieben, haben wir umgestellt auf Magnete zum Anhängen in der Duschkabine.

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Deo machen wir inzwischen zwar auch schon selbst, aber da haben wir das Optimum noch nicht gefunden und T ist noch wild am Recherchieren und Experimentieren.

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Mit meinem Rasierhobel bin ich extrem zufrieden und nutze schon über ein halbes Jahr ein und dieselbe Rasierklinge, und die ist immer noch scharf. Auch die Plastikfrei-Variante bezüglich meiner Monatshygiene überzeugte und ist nun ein fester Bestandteil meiner Badausstattung.

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Nach einem ersten Fehlversuch war das Ergebnis der zweiten Charge Zahnpasta dann zumindest für mich akzeptabel. Allerdings bekam T nach einiger Zeit Schmerzen und Probleme an den Zahnhälsen. Ich weiß nicht, ob es vielleicht daran liegt, dass er eine elektrische Zahnbürste verwendet. Bei mir sind bislang keine unerwünschten Nebenwirkungen aufgetreten, ich hoffe, das bleibt auch so. G hat seinem Papa jedenfalls bei der Produktion genau zu geschaut und durfte auch ein bißchen mithelfen. Da konnte ich mich mal einen Augenblick entspannt zurück lehnen und diesen süßen Vater-Sohn-Moment genießen.

Vielleicht nicht das Notwendigste, dafür aber eines der spannendsten Dinge für den Jungen, war das Popcorn-Selber-Machen. Ist ja super easy!

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Ein wenig Maiskeimöl, ein paar Löffel Maiskörner und der Spaß beginnt. Popp. Popp. Mit Glasdeckel ein noch herrlicheres Vergnügen, kann ich nur berichten.

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So, und zum Schluss sei noch erwähnt, dass ich auch weiterhin an meiner inneren Nachhaltigkeit arbeite. Mit einer halben Stunde Gymnastik bzw. Innenschau am Vormittag löst sich langsam ein wenig der Anspannung in mir. Mein Ziel, wenigstens dreimal in der Woche meinem Körper etwas Gutes zu tun, halte ich bis jetzt noch gut durch. Aber ich merke, dass ich mich dazu schon sehr motivieren muss und mich nicht in zu vielen anderen Alltagstätigkeiten verlieren darf. Ich spüre, dass der neue Lebensabschnitt, das Jahr unserer Auswanderung, meine volle Energie beansprucht. Ich darf und muss gerade vieles loslassen, was in der Vergangenheit passiert ist und versuche, mich dem Abenteuer und dem Unplanbaren weiter zu öffnen. Da ich ein absoluter Kopfmensch bin, neige ich dazu, immer und für alles Mögliche Listen und Pläne zu verfassen. Oft hilft mir das auch, mich zu sortieren und der Alltag geht dann leichter von der Hand. Aber es scheint mir, als wäre jetzt gerade eine Zeit, in der dies nicht der richtige Weg ist. Gerade muss ich einfach Ja-Sagen zum Leben, zum Augenblick.

Ich spüre, ich will das Leben genießen und Freude teilen, will die Verletzungen der Vergangenheit heilen lassen. Ich möchte meine Kreativität fließen lassen, möchte träumen und lachen und feiern. Dann sehe ich die kleinen Krokusknospen auf unserem täglichen Weg zum Kinderladen und spüre Tränen der Rührung in mir aufsteigen. Dann fließt mein Herz über und ich staune über das Wunder des Lebens und der Erneuerung.

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