Verspäteter Neujahrsgruß und dazu passendes Jahresmotto

Es ist, wie es ist: Das Jahr ist bereits eine ganze Woche alt und auf meiner Titelseite räkelt sich immer noch der letzte Beitrag vom Adventskalenderendspurt. Mein Bericht über ein Weihnachtsfest mit viel mehr Konsum, als ich eigentlich wollte? – er wurde nie geschrieben. Die schöne Sylvesterparty im neuen Kollegenkreis meines Mannes? – sie wird wohl hier nicht als Erinnerung festgehalten werden. Unsere turbulente Stadtwoche in Berlin? – vielleicht schafft sie es doch noch auf den Blog.

Aber das Wesentliche dabei ist, dass diese Ruhe und das Nicht-Up-To-Date-Sein gerade voll und ganz mein diesjähriges Jahresmotto widerspiegelt:


Sei froh mit deinem Status Quo!

Oder anders gesagt – das, was ich tun möchte, ist folgendes:
Entschleunigen, Druck raus nehmen, tief Durchatmen.

In den letzten Jahren hatte ich kein so klares Motto, keine starke Ausrichtung. Zuletzt war das im Jahr 2016 mit dem Thema Rhythmus. Das war auch wirklich gut und hilfreich für mich. Danach fehlte eine klare Inspiration für einen neuen Jahrestenor. Aber diesmal ist es wieder anders und das kam so: Ich merkte nämlich im letzten Jahr verstärkt, dass die ununterbrochene Suche nach immer noch mehr Nachhaltigkeit und einem ethisch-moralisch noch besseren Lebenswandel mich Stück für Stück zermürbte, lähmte, hemmte, am Ende nahezu verbitterte.

Mein schlechtes Gewissen war irgendwann omnipräsent, es wuchs und wuchs. Wieso schaffte ich es trotz besseren Wissens nicht, sofort und sogleich alles umzusetzen, was ich umsetzen wollte? Warum hatte ich ständig das Gefühl, nicht genug zu tun und nur meinen Idealen hinterher zu rennen? Weshalb machte ich mir mein Leben, meinen Alltag so kompliziert und hatte trotzdem immer latent das Gefühl, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein zu sein?

Nein, so konnte es wirklich nicht mehr weiter gehen. Also besann ich mich darauf, was ich tatsächlich schon alles erreicht und verändert hatte. Und ich spürte ganz deutlich, dass ich dieses Jahr einfach mal eine Verschnaufpause von dem anstrengenen Weltverbesserer-Idealismus brauchte. Und so läute ich das Jahr 2019 nun mit einer großen Portion Toleranz und Liebe für mich selbst ein. Ich erlaube mir, ein bisschen am Wegesrand meiner großen Reise zu verweilen und entledige mich von der Last, unser Leben stets noch mehr, noch besser, noch grundlegender umzugestalten.

Anstatt immerzu daran zu verzweifeln, was mir nicht gelungen ist und welche Gewohnheiten ich noch nicht geknackt habe, will ich meine Aufmerksamkeit aus das Positive richten. Meine unten aufgeführte Liste an bisher Erreichtem soll mich dabei liebevoll tragen, mir zeigen, wohin ich bereits schon gekommen bin. Und wenn ich Lust und Motivation verspüre, sie zu erweitern, dann werde ich das tun. Aber dies ist nicht meine primäre Agenda für dieses kommende Jahr. Meine Agenda lautet vor allem: Selbstliebe nähren, Kreativität ausleben, Herzenswünsche zulassen, Lebendigkeit spüren.

Mein Status Quo

  • Beutel/Tragetaschen zum Einkaufen
  • Obst, Gemüse und Backwaren unverpackt (Netze, Beutelchen)
  • Überwiegend vegane Ernährung Zuhause, Ausnahme: Schnittkäse
  • Stofftaschentücher
  • Stoffküchenlappen
  • Stoffservietten
  • Beim Nähen Upcycling, wo möglich
  • Stoffbinden und Mondtasse
  • Seife für die Körperpflege
  • Shampoo ohne Mikroplastik
  • Rasierhobel aus Edelstahl
  • Behältnisse für müllfreies Essen und Trinken unterwegs
  • Leitungswasser ist mein Durstlöscher
  • Strohhalme aus Edelstahl
  • Wenn möglich Second Hand vor Neukauf
  • Kaum noch Lebensmittelverschwendung, dank Resteküche
  • Kein 2. Auto, mein Alltag funktioniert zu Fuß oder mit dem Bus (selten Rad)
  • Wurmkomposter (noch nicht optimal)
  • Stricken nicht mehr zum Selbstzweck
  • Reparieren und Flicken unser aller Kleidung
  • Verzicht auf neue Kleidung für mich selbst, es sei denn, ich brauche sie wirklich und sie ist fair produziert
  • Kein gekauftes Geschenkpapier mehr, immer Upcycling oder alternative Verpackungen
  • Ökostromanbieter
  • Konto bei ethischer Bank

Ja, ich schätze, das muss fürs erste mal reichen. All diese Gewohnheiten / Veränderungen habe ich bzw. haben wir als Familie bereits gut etabliert. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Und wie gesagt, alles, was leicht fällt, spielerisch geschehen kann, ohne Druck und Zwang, werde ich natürlich nicht abwehren. Aber dieses Jahr, darf ich mich einfach wieder mal anderen Themen und Interessen widmen, ohne schlechtes Gewissen. Und wer weiß? Vielleicht ist der kleine Passagier, der mich gerade erneut „guter Hoffnung“ sein lässt, dazu bestimmt, mir genau diese notwendige Entschleunigung zu verschaffen?

Und wie geht es Euch zur Zeit? Steht bei euch auch irgendeine Veränderung ins Haus oder verfolgt ihr weiter eure Ziele aus 2018?

10 Kommentare bei „Verspäteter Neujahrsgruß und dazu passendes Jahresmotto“

  1. Ich finde, du hast so recht. Ab und zu muss man einfach mal inne halten und schauen, was man bisher schon erreicht hat. Und darf auch einfach mal Pause machen!

    Dann geht es mit neuer Energie und vielleicht auch neuen Ideen weiter 🙂

    Alles Gute für dich und deine (wachsende) Familie im neuen Jahr 🙂

    Liebe Grüße,
    EsistJuli

    1. Danke dir! Wann ist es denn eigentlich bei euch so weit mit dem Zuwachs?! ?

      1. Am 04.04. habe ich Termin. Aber ich merke jetzt schon, dass ich auch einfach öfter mal Pause machen muss. Eigentlich hab ich mir ja sooo viel vorgenommen.

        Aber du hast mich jetzt inspiriert, mich einfach mal zurück zu lehnen und alles auf mich zukommen zu lassen. Ich bin zwar insgesamt schon ein entspannter Mensch, aber grade dieser Schritt macht einen ja doch nervös (grade wenn jeder im Umfeld noch 1000 fragen hat :D). Oberste Prämisse ist daher bei mir: „Für alles offen“.

        Wann ist es bei euch so weit? Du hast es bestimmt irgendwo geschrieben, aber ich bin momentan so vergesslich, ich weiß es einfach nicht mehr ??

        Liebe Grüße,
        EsistJuli

        1. Nein, diesmal ist deine Vergesslichkeit nicht Schuld. Es ist noch mega frisch bei uns, ich bin erst in der 6. Woche 😉 aber um eine Chance auf eine Hausgeburtshebamme zu haben, muss frau sich ja mit positivem Test melden. Und das macht alles plötzlich doch sehr schnell sehr real bei mir 😮

          1. Oh dann herzlichen Glückwunsch!! 🙂
            Es ist insgesamt so schwer eine Hebamme zu finden. Ich hab in der 8. Woche (!) angerufen und grade noch so einen Platz bei meiner Wunschhebamme bekommen. Sie war schon fast voll. Finde das wirklich traurig.

            Ja wir haben grade Krankenhäuser besichtigt, da wurde mir schon ein bisschen mulmig. Muss noch 3 Wochen arbeiten, dann hab ich erst Urlaub und dann Mutterschutz und dann ist es auch schon fast vorbei 😀

            Die Zeit rast und obwohl meine Schwangerschaft etwas beschwerlich ist (Übelkeit und Erbrechen sind immer noch tägliche Begleiter, dazu der immer dicker werdende Bauch), denke ich ständig „du hast doch gestern erst getestet“. Total verrückt!

            Liebe Grüße,
            EsistJuli

          2. Super, dass du noch eine Hebamme deines Vertrauens gefunden hast. Hier scheint das auch nicht so selbstverständlich. Bei mir ist ja zum Glück nicht so viel Beratung notwendig, aber ein bisschen Beistand und Backup wäre doch ganz nett. Und falls ich noch einen Platz für Hausgeburt ergattere, ist mein Glück perfekt. Allerdings habe ich beim ersten Kind die geplante Hausgeburt nicht erlebt und bin auch aus einer turbulenten Klinikgeburt halbwegs unbeschadet heraus gegangen, sag ich mal ;o) Falls das Hausgeburtsteam nichts mehr frei hat (warte seit Montag auf die Antwort), muss ich mich wahrscheinlich auch zügig dahinter klemmen, um noch eine für das Wochenbett zu finden. Mal sehen, vielleicht hab ich Kolleginnenbonus oder so… 😮
            Halte gut durch, bis deine Mutterschutzphase anfängt, gerade mit Übelkeit / Erbrechen zeigt der Körper ja oft, dass er mehr Ruhe und Entspannung braucht. Pass schön auf euch beide auf ;o)

  2. Liebe Jitka, du schreibst mir aus der Seele! Ich habe direkt mal in Gedanken meine Positivliste erstellt und mich gefreut und gelächelt. Danke dafür!

    Und natürlich alles Gute für deine neue Hoffnung!

    Liebe Grüße Anne

    1. Liebe Anne, wie schön, dass ich nicht allein bin mit meinen Gedanken. Und danke für die guten Wünsche, ich werte meine einsetzende Übelkeit mal als gutes Zeichen und begrüße sie, so gut ich kann 😉

  3. Hi Jitka
    Jetzt bin ich endlich mal auf deinem Blog gelandet.
    Ja ganz nett, für mich ist das zu viel Zeit-verschwendet, weil mich interessiert einfach zu viel verschiedenes Zeug und am Ende fühle ich mich dann leer .

    Freue mich auf unser baldiges Treffen, und wie du bemerkt haben magst, bin ich gerade sehr energie-geladen, auch was unser Projekt angeht.
    Und ich hoffe euch mit meinen Überschiessendem nicht zu erschlagen…. du kennst das ja auch, drum hoffe ich auf dein Verständniss ;))
    Soll ich Gonzo eine viel zu grosse Sicherheitsbrille mitbringen ? Gedacht als Forscher-Ausrüstung ?
    LG Marion

    1. Ach meine Liebe, keine Sorge! Ich mag deine überschießende Energie, kenne es ja wirklich von mir selbst, wenn es sprudelt und fließt. Forscherbrille klingt super ;o))) Ich freu mich schon richtig arg auf unser Wiedersehen. Jetzt gerade bin ich etwas planlos noch, aber bisher hat jeder Kontakt mit euch mich eigentlich wieder inspiriert und mir eine Richtung gezeigt, wie ich meine Energien weiter einsetzen kann. Darauf baue ich einfach auch diesmal! Das Gästebett wartet bereits auf dich. Sei lieb umärmelt! J.

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