Unser Start in 2019 – so war Berlin!

Eigentlich hätte ich nichts dagegen gehabt, in diesem Jahr die ganze Feiertagsreiserei mal ausfallen zu lassen. Mir war so völlig nach Zuhausebleiben und Einkuscheln zumute. Aber das wollten wir unseren lieben Familien natürlich auch wieder nicht antun, also gab es doch jede Menge Fahrerei und viele neue Eindrücke für den Buben.

Nachdem wir beim letzten Mal wiederholt so schlechte Erfahrungen mit der Deutschen Bahn gesammelt hatten, wollten wir die Reise nach Nordrhein-Westfalen diesmal lieber mit dem Auto unternehmen und das war auch die richtige Entscheidung. Wir fuhren sowohl hin als auch zurück am frühen Abend los und kamen jeweils gegen 1 Uhr nachts an unserem Bestimmungsort an. Kein Stau, keine Kinderbespaßung, ruhiges Durchkommen par excellence.

Da mein Liebster aber kurz nach Weihnachten schon wieder Dienst hatte, konnten wir das Ganze für Berlin leider nicht wiederholen. Und so reisten G und ich alleine mit der Bahn in die Hauptstadt.

Die Zugfahrt

Zum Glück klappte auf der Hinfahrt alles wie am Schnürchen. Da wir von T zum Bahnhof gefahren wurden, mussten wir wirklich nur einmal umsteigen in München. So früh am Neujahrstag fuhren auch alle Züge mal noch gut nach Fahrplan.

Ich hatte genügend Sachen dabei, um uns die Zeit zu füllen. Von einem üppigen Proviantpaket, über ein Bilderbuch, einen Comic und unser Vorlesebuch „Der Drachenreiter“, bis zu Spielen und Bastelmöglichkeiten.

Außerdem spielten wir „Ich sehe was, was du nicht siehst“ bzw. die Bahnversion „Wer sieht zuerst ein/e/n XYZ am Fenster“.

Ein wenig erschreckend fand ich es zwar schon, dass kein anderes Kind im Vorschulalter zu finden war, welches nicht mit Kopfhörern vor seinem Screen geparkt wurde. Ich kann ja verstehen, dass diese Methode in manchen Fällen lebensrettend für Eltern sein kann, aber auf einer normalen Zugfahrt gibt es doch so viele andere Dinge, die man gemeinsam tun und erleben kann. Von der verhinderten Interaktion mit Gleichaltrigen im selben Abteil (!) mal ganz zu schweigen.

Später erkannte ich, dass dies nicht nur meine Beobachtung ist. Denn in Berlin sprach mich tatsächlich eine ältere Dame an. Sie sagte mir, wie schön sie es fände zu sehen, dass eine Mutter ihrem Kind in der S-Bahn ein Buch vorliest. Alles anderen Eltern würden doch immer nur auf ihre Handys starren.

Aber machen wir uns nichts vor: Das ist wohl einfach die Zeit, in der wir leben, da hilft auch kein Jammern meinerseits. Ich kann nur versuchen, es selbst anders zu machen, oder?

Unser Zuhause auf Zeit


In Berlin angekommen, wurden wir jedenfalls von unseren schnerzlich vermissten Freunden und in diesem Falle Gastgebern am S-Bahnhof abgeholt. Die Jungs knüpften in Sekundenschnelle miteinander an, als wären sie nie getrennt gewesen. Und die kleine Schwester war auch tüchtig damit beschäftigt, genug Aufmerksamkeit von den Großen zu kriegen.

Etwas außerhalb der Stadtmitte konnten wir hier in Ruhe unser Lager aufschlagen und hatten unser eigenes Gästezimmer zur Verfügung. Und dadurch, dass die Kinder so toll miteinander spielten, hatten wir Erwachsenen auch immer mal ein ruhiges Momentchen zum Austauschen und Anknüpfen an frühere Zeiten.

Station 1: Das Naturkundemuseum

Am ersten vollen Berlintag brachen wir nach einem ausgiebigen Familienfrühstück bei meinen Eltern zum Naturkundemuseum auf.

Ich dachte, wenn wir schon in die Hauptstadt fahren, dann soll G auch in den Genuss von ein wenig Kultur kommen, die es in unserer Kleinstadt so nicht hat. Die Dinosaurierausstellung war natürlich ein absoluter Magnet für den Lütten. Die anderen Exponate waren teilweise ganz schön schaurig, tote Tiere eben. Ausgestopft, aufgepflockt, eingelegt…. Naja, es gibt sicher erfrischendere Orte in der Stadt.

Sehr lustig war in dem Museum allerdings, dass ich ein mir bislang unbekanntes Gestein hier entdeckte: Es handelt sich um Nickelin. Ist also quasi unser Familienstein, zumindest dem Namen nach.

Station 2: Das Museum für Verkehr und Technik

Deutlich länger hielt der Junge es dagegen im Technikmuseum aus. Auch wenn die Raumfahrtausstellung eher ein Reinfall war, fand G an jeder Ecke eine neue Sache, die sein Interesse weckte.

Mit den Großeltern verbrachte er insgesamt fast 3 Stunden in den Hallen, während ich zwischendurch meine langjährige Freundin und später auch Hebamme im Museumscafé traf. Dies war Balsam für meine Seele und zugleich merkte ich, wie sehr ich die Gespräche mit ihr vermisst hatte.

Am gleichen Tag fuhren wir dann noch weiter in unseren alten Kiez, besuchten den früheren Kinderladen und Nachbarn in unserem ehemaligen Wohnhaus. Unterwegs kam ich im Bioladen mit einem netten Herrn ins Gespräch, der spannenderweise auch auf der Suche nach Gemeinschaft ist und sein derzeitiges Zuhause in Stuttgart eigentlich verlassen möchte. Mal sehen, ob sich daraus etwas für unser Projekt ergibt…

Station 3: Das Berliner Aquarium

Am letzten Tag ging es für uns auch noch ins Aquarium. Mein Sohn liebt ja die ganze Meerestierwelt. Und Reptilien und Echsen faszinieren ihn auch weiterhin. So konnten wir Krokodile, Schlangen und Molche, ja sogar einen Skorpion von nahem bewundern. G bemerkte immer wieder, dass dieses oder jenes Tier auf ihn „gestresst“ wirke. Und wir sprachen mal wieder von den Bedingungen, in denen die Tiere hier in Gefangenschaft leben und wie es besser für sie wäre.

Meine allerliebste Freundin und Trauzeugin war mit von der Partie, also durfte ich auch noch eine ganze Menge Herzensenergie auftanken, bevor es am nächsten Morgen zurück gehen sollte.

Mobil mit der Welcome Card

Ich bin übrigens ziemlich froh, dass ich kurzfristig noch auf die Idee gekommen war, mir ein 4-Tage-Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel zu kaufen. Erstens musste ich mir dadurch nicht ständig Gedanken darum machen, wo ich jetzt eine Fahrkarte herbekomme und ob ich genug Kleingeld dabei habe. Außerdem sparten wir dadurch beim Fahrgeld schon kräftig und bekamen bei allen Eintrittsgeldern auch ordentlich Ermäßigungen. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt und ich würde es beim nächsten Besuch wieder so machen.

Die Rückfahrt und der Schnee

Leider hatten wir, völlig erschöpft wie wir zwei nach diesem Städte-Power-Trip waren, bei der Rückfahrt nicht so viel Glück wie bei der Hinfahrt. Am Tag der Reise gab es den ersten richtigen Schneefall in unserer Region und ab München ging gar nichts mehr. Unser Anschlusszug fiel ersatzlos aus, auf der alternativen Route ging irgendwo im Nirgendwo auch nichts mehr voran. Und schlussendlich wechselten wir in einen Zug, der uns 50 km von unserem Heimatort absetzte, von wo mein Liebster uns glücklicherweise mit dem Auto einsammeln konnte.

Alles in allem war es -trotz super anstrengender Rückreise- eine wirklich tolle Zeit, die wir in meiner alten Heimat verbracht haben. G hat erstaunlich gut mitgemacht (bis auf einen tüchtigen Schlafmangel-Überreiztheits-bedingten Nervenzusammenbruch am ersten Abend in Berlin) und ich war so stolz auf ihn, wie er gerade auf der turbulenten Rückreise durchgehalten und großartig mitgeholfen hat, wo er nur konnte.

Es war wirklich richtig schön, einige liebe Freunde und meine Familie in echt zu sehen und ich weiß, es werden sicher nicht noch einmal 1,5 Jahre verstreichen, bis wir uns alle wieder treffen werden. Das ist definitiv zu lange, finde ich.

Die zarten Freundschaftsbande, die ich inzwischen auch hier bei uns daheim aufbauen konnte, helfen mir jedoch, mich auch nicht zu allein und verloren zu fühlen in unserem neuen Leben im Allgäu. Denn eins muss ich schon sagen: Die Großstadt als solches vermisse ich echt nullkommanull. Ich weiß schon, warum es uns raus aufs Land gezogen hat, wieso wir Berlin verlassen haben und bin dankbar für jeden Tag, den ich hier an unserem super beschaulichen Örtchen mit meiner Familie verbringen darf.



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