Räume für Spiel und Kreativität schaffen

Wie kürzlich schon hier und da angedeutet, haben wir uns in unserem neuen Zuhause ja schon ganz gut eingelebt. Unser Junge hat jetzt mit seinen fünf Jahren auch endlich mal ein richtiges Kinderzimmer bekommen und dazu noch einen kleinen Kreativ- und Spielbereich in unserem offenen Wohn-Ess-Zimmer.

Worauf ich bei der Raumgestaltung für unseren Sohn Wert legte und welche Sachen und Materialien ich für G bereit gestellt habe, will ich euch heute mal vorstellen.

Im Zusammenhang mit der Reggio Pädagogik stieß ich vor einiger Zeit auf die Beschreibung, dass es grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Räumlichkeiten für das Kind gibt, und zwar sind das:

1. Die sprechende Umgebung

Es gibt eine Art von Umfeld, welches das Kind in seiner Individualität einbezieht und es als eine aktive, produktive Persönlichkeit widerspiegelt.

Diese (an)sprechende Umgebung lädt ein Kind dazu ein, sich hier gerne und lange aufzuhalten und sich ausdauernd und konzentriert mit den vorhandenen Materialien zu beschäftigen.

2. Die schweigende Umgebung

Andererseits gibt es aber auch die Art von Einrichtung, die sozusagen still ist und schweigt, die also kaum reflektiert, was für eine Person hier wirklich wohnt und spielt.

So ein schweigender Raum kann das Interesse des Kindes nicht lange halten und wird schnell wieder verlassen, ohne wirklich von ihm genutzt worden zu sein.

Fragen, die hilfreich dabei sind, einen passenden Bereich für das eigene Kind zu gestalten, könnten sein:

  • Wie fühlt sich der vorhandene Spielbereich für mich an?
  • Kann mein Kind sich hier wohlfühlen?
  • Ermöglicht die Einrichtung es meinem Kind, ganz es selbst zu sein und seinem Wesen nach aktiv zu werden?
  • Ermuntert der Platz mein Kind, sich frei und selbständig zu beschäftigen, kann mein Kind gut an alles heran kommen und ist auch das Aufräumen hinterher einfach alleine zu schaffen?
  • Braucht mein Kind eher eine gemütliche Leseecke mit ansprechender Buchauswahl, eine Höhle zum Verstecken, Bewegungselemente, einen bequemen Sitzplatz zum Malen und Schreiben, einen Spiegel mit Verkleidungskiste für phantasievolle Rollenspiele oder vor allem eine geräumige Fläche zum Ausbreiten für Bauten und Spielwelten? (Oder eine geschickte Kombination aus mehreren Punkten?)

Wenn ihr noch unsicher seid, welche Komponenten euer Kind am besten zum Spielen inspirieren, versucht doch in der nächsten Zeit mal, es ein bisschen intensiver beim freien Spiel zu beobachten. Erste kleinere Anpassungen in der Einrichtung zeigen euch dann sicherlich bald, ob ihr auf der richtigen Fährte seid.

Das wichtigste ist und bleibt, dass der Spielbereich die Persönlichkeit eures Kindes und seine Art zu Spielen reflektiert, um an Qualität für es dazu zu gewinnen.

In unserem Falle war klar, dass wir für G zusätzlich zu seinem eigentlichen Kinderzimmer auch noch in unserer Nähe, also im Wohnzimmer einen Platz zum tätig werden schaffen wollten. Da er zur Zeit sehr viel kreativ arbeitet und fast täglich etwas Neues gestalten möchte, kam hierfür gleich der Bastelbereich in Frage.

Ausreichend Platz zum Malen, Basteln und Gestalten in einer Ecke des Wohnzimmers.

Dort kann er nun bei uns sein und trotzdem sehr selbständig vor sich hin werkeln. Manchmal setzt er sich dazu an den Tisch, manchmal auf den Boden oder an den Couchtisch – der Raum lässt ja mehrere Möglichkeiten offen.

Auf dem Bastelwagen gibt es reichlich Farben, Scheren, Kleber und anderes Bastelzubehör.

Seine Utensilien sind gut erreichbar auf dem Wagen und im Bastelschrank verstaut. Tendenziell habe ich wahrscheinlich noch immer etwas zu viel darauf. In der nächsten Zeit möchte ich noch mal genauer schauen, was er gerade wirklich benutzt und weniger zur gleichen Zeit anbieten. Mit regelmäßiger Rotation kann ich dann jederzeit für Abwechslung sorgen.

Sein Kinderzimmer liebt G auch sehr, aber er hält sich vor allem dann zum Spielen länger darin auf, wenn er ein Besuchskind da hat. Alleine im Kinderzimmer bleibt er tatsächlich noch ungern und sucht bald wieder unsere Nähe.

Das extrabreite (1,40 m) Hochbett mit der darunter integrierten Spielhöhle nutzt den eher schmalen Schnitt des Zimmers recht gut aus. Das Schaukelbrett gibt zusätzlich zum Klettern am Bett die Möglichkeit zur Bewegung. An den Haken könnte man auch irgendwann nochmal etwas anderes dran hängen.

Die „aktiven“ (= in Benutzung befindlichen) Spielsachen liegen in zwei verschiedenen Regalsystemen bereit und die gesammelten Bücher und CDs haben ihren Platz vor der Heizung gefunden. Unsere ehemalige Wickelmatte dient dort jetzt als Sitzgelegenheit am Boden.

Soweit bin ich schon recht zufrieden mit der Einrichtung, allerdings sind zur Zeit die meisten Spielsachen extrem uninteressant für G. Wahrscheinlich könnte ich da noch mal mehr reduzieren, was das Angebot betrifft,  aber irgendwo muss das ganze Zeug ja nun mal auch hin. Und in den geschlossenen Schubladen bzw. ordentlich in Körbchen und auf Tabletts arrangiert stört es die Ruhe des Raumes nicht, finde ich.

Mal sehen, wie unser Kind in der nächsten Zeit so auf das Angebot reagiert und wie ich das mit dem Reduzieren von Spielsachen und Materialien noch optimieren kann.

Und wie sieht bei euch der Spielbereich aus? Befindet er sich separat oder mitten im Wohnbereich? Welche Vorlieben und Eigenarten eurer Kinder spiegeln sich bei euch in der Einrichtung wieder?

Schreibe einen Kommentar

*