Von Kinderküche, Selbständigkeit und Backexperimenten

Mittlerweile leben wir seit 3 Monaten in unserem neuen Zuhause und ich würde mal sagen, trotz so mancher Umzugskiste, die hier noch herumlungert, und einem mehr als chaotischen Arbeits-/Gästezimmer fühle ich mich hier jetzt schon ziemlich gut angekommen. Der Alltag hat uns umhüllt, im Positiven wie im Negativen, aber unterm Strich überwiegt sicherlich das Positive.

Nachdem die Eingewöhnung in den neuen Kindergarten so gut angelaufen war, überraschte unser Junge uns eines Sonntagmorgens im Oktober damit, dass er alleine aufstand, sich die Zähne putzte, passende Klamotten raussuchte, sich selber anzog und anschließend in der Küche anfing herum zu werkeln.

Spätestens da hielt es mich vor Neugier dann nicht mehr im Bett. Und in der Küche angekommen sah ich ihn dann, wie er die Zutaten für ein opulentes Frühstück aus dem Kühlschrank heraus holte und begann, unseren Esstisch zu decken. Ich freute mich sehr über diesen großen Entwicklungssprung und sah mein Bauchgefühl der letzten Zeit mehr als bestätigt, dass G wirklich reif genug gewesen war, an der Krise „Eingwöhnung“ zu wachsen, um nun davon gestärkt ein gutes Stück selbständiger im Leben zu stehen.

Diese Demonstration seiner neugewonnenen Unabhängigkeit gab mir dann den letzten Ruck dafür, die Küche endlich nochmal umzuräumen, was ich schon seit Einzug eigentlich vor mir her geschoben hatte. G sollte an die notwendigen Sachen bequem selber heran kommen können und damit auch hier ein Stück mehr Freiheit und Selbstwirksamkeit erleben können.

Gesagt, getan. Wie es manchmal so ist, dauert das Aufschieben (Prokrastinieren) viel länger, als es die eigentlich Aufgabe letztendlich dann tut. Innerhalb einer Stunde hatte ich die Küche soweit fertig, dass G nun sein eigenes Geschirr sowie alle Backutensilien und Besteck ohne fremde Hilfe erreichen konnte. Dies ist ein immenser Vorteil gegenüber unserer Zeit auf Reisen, wo ich es super schwierig fand, G diese Selbständigkeit zu ermöglichen.

Fast alle Schränke im Wohnmobil waren zu weit oben oder unter den Sitzpolstern und selbst seine „Spielzeugklappe“ war immer wieder verstellt von anderen Gegenständen. Aber das hat ja zum Glück alles ein Ende jetzt. Auch G´s eigenes Zimmer mit seinem Kleiderschränkchen und den gut erreichbaren Regalen erleichtern es ihm sicher, jetzt immer öfter nicht mehr auf unsere Hilfe angewiesen zu sein.


Im Alltag merke ich auch seit einiger Zeit, dass er jetzt langsam immer mehr Tätigkeiten selber machen möchte.

Der Liebste und ich versuchen ihn darin auch so oft wie möglich zu bestärken, und geben uns viel Mühe, dass G mit möglichst wenig Hilfe selber tätig werden kann.

Sei es das Selber-Kakao-Kochen-Wollen, bei dem ich staunte, dass er die Symbolik der Schalter schon mit der richtigen Herdplatte zusammen bringen konnte…

… oder der akute Wunsch, jetzt selbst einen Teig zu machen und daraus für uns alle einen Nachtisch zu kreieren.

Die Kornmühle übt auch gerade eine große Faszination auf ihn aus. Das sinnliche Be-greifen des Korns und später des Mehles ist einfach ganz wunderbar. Und auch die Zeit und Mühe zu erfahren, die man einsetzen muss, bis das Mehl auch wirklich fein genug und bereit zum Verarbeiten ist, finde ich äußerst wertvoll.

Diese ursprüngliche Verbundenheit zu dem Lebensmittel, das da durch die eigenen Hände geht und den Prozess mitzuerleben, den es braucht, bis aus dem Rohprodukt erst die verfeinerte Zutat werden kann, möchte ich meinem Kind gerne mit auf den Weg geben.

Ich backe eh schon viel mit Vollkornmehl, aber jetzt hat es auch für mich selber noch mal einen ganz neuen StellenWERT bekommen, damit zu arbeiten.

Bei dem Rezept lasse ich G erstmal von selber überlegen, was in den Teig kommen soll. Und wenn es dann um Mengen und das Feintuning geht, helfe ich am Ende ein bisschen mit, damit das Ergebnis auch ein Erfolg (gut essbar) wird und keine Lebensmittel verschwendet werden.

Manchmal kommen echt tolle Sachen dabei heraus. Gerade als G die Idee hatte, Tiefkühlobst mit einzubacken, waren wir alle von den fertigen Küchlein mehr als begeistert!

Ich erfreue mich einfach an G´s Schaffensdrang und greife wirklich so wenig wie möglich ein. Ich bin begleitend da, stehe mit Rat und Tat zur Seite, wenn er mich braucht, aber ansonsten lasse ich ihn erstmal sein Ding machen.

Ich glaube, auf diese Weise kann er ganz natürlich und ungezwungen zu einem guten Selbstwertgefühl finden, da er seinen Impulsen folgen, durch sein Tun viel lernen und begreifen kann und am Ende wir alle seine Kreationen verkosten dürfen. Darauf ist er jedesmal sehr stolz.

Wo unser Kleiner zur Zeit auch sehr aktiv ist, das sind Abwaschen und Putzen! Immer wieder zieht er mit seinem Lappen durch die ganze Wohnung und macht überall sauber. Ich versuche meist möglichst unauffällig, zu große Feuchtigkeitsschäden in Grenzen zu halten. Das wird aber auch immer besser, jetzt, wo er den Dreh mit dem Auswringen langsam raus hat.


Oder G schnappt sich einen Tritthocker und spült alles Geschirr und Besteck ab, was ich ihm in die Finger gebe. Da findet er auch nicht so leicht ein Ende. Vielleicht haben wir uns zu vorschnell eine neue Spülmaschine angeschafft?

Alles in allem beobachte ich jedenfalls, wie G hier in unserem neuen Heimatort noch mal mehr aufblüht und das Leben in einer richtigen Wohnung auf jeden Fall sehr genießt.
Die Sicherheit, die durch diese feste Basis und die klaren Strukturen nun wieder entstehen kann, und die Möglichkeiten, sich im Alltag seine eigenen Beschäftigungen zu suchen, sind doch eindeutig andere als noch während unseres Nomadentums.

Und wie sieht das bei euch Zuhause aus? Helfen die Kleinen bei euch auch kräftig auf ihre Weise mit und lasst ihr sie dabei gewähren? Und wo fördert ihr die Freiheit und Selbständigkeit eurer Kinder besonders?

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