Mütterlicher Trotzanfall, Blättergirlanden & Rübengeister

Nahezu jeden Tag, wenn ich mit dem Kleinen vom Wald nach Hause komme, fragt er die eine, auf Dauer auch die tapferste DIY-Mama erschöpfende Frage: „Was basteln wir jetzt?!?“ Meistens lasse ich ihn dann selber was entwickeln, stehe je nach Tagesform mal mehr, mal weniger enthusiastisch zur Seite.

Denn fast immer enden meine mütterlichen Bastelanregungen in einem äußerst desinteressierten Jungen und einem latent genervten Ich.

Aber in jedem von uns steckt ja ein kleines bisschen Wahnsinn verborgen, drum konnte ich es auch diesmal nicht lassen, eine herbstliche Kreatividee an den Sohnemann heran zu tragen…

Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Albert Einstein

Ich kam mir wirklich gut gewappnet vor: Genaues Beobachten der kindlichen Leidenschaften war meine Geheimwaffe auf meiner Muttermission.

Ich war mir zu 100 % sicher: Das Kind liebt aktuell Basteln mit Papier.

Es schneidet (mit rechts), malt (mit links), klebt (mit wechselnder Hand) und faltet (mit beiden Händen). Stundenlang, tagelang, wochenlang am Stück.

Also suchte ich zwei einfache Anleitungen heraus, bei denen Schneiden, Malen, Falten und Kleben zum Einsatz kommen sollten. Ich fühlte mich soooo sicher!

Aber leider, leider lief es dann nicht so richtig glatt. Mein liebevoll vorbereiteter Werktisch wurde nur kurz inspiziert und dann für völlig uninteressant befunden.

Irgendwie hatte G sich nämlich ausgerechnet an diesem Tag auf dem Heimweg schon seine eigenen Gedanken darüber gemacht, was er gleich basteln wollte: eine Eisenbahn. Und irgendwas mit Schmetterlingen.

Und was mache ich unflexible, verbohrte Mutter? Ich halte an der Sache mit den Blättern fest!!!! Die ganze Mühe einfach in die Tonne kloppen? Das widerstrebte mir in dem Augenblick zutiefst.

Also bastelte ich das Herbstlaub, ein Blatt nach dem anderen. Beide Techniken kamen zum Einsatz, so wie ich mir das vorgestellt hatte, während G sich in Ruhe seinem selbst gewählten Projekt zuwandte.

Eigentlich war das auch eine ganz schöne Erfahrung, so miteinander zu sein und nebeneinander her zu basteln. Irgendetwas pädagogisch Wertvolles hatte es am Ende sicherlich auch noch, dass ich mein Projekt durchgezogen habe, allen Widerständen zum Trotz und mit dem Tun auch immer entspannter und ruhiger wurde.

Am Ende hat G sogar ganz von sich aus noch Lust bekommen, zwei Blätter für die Girlande zu falten. Da konnte ich wenigstens sehen, dass ich den Schwierigkeitsgrad ganz richtig eingeschätzt hatte. Fünfjährigentauglich, jaja.

Sooo verkehrt war der Plan dann grundsätzlich vielleicht ja doch nicht … Und ich gebe zu, es läuft natürlich auch nicht IMMER so, wenn ich ihm was vorschlage. Aber in dem Moment, seufz, da kam es mir halt grade mal kurz so vor.

Am nächsten Tag lief alles viel besser. Ich hielt mich ab da erstmal wieder mit jeglichen Anregungen komplett zurück und hatte nur ausreichend Materialien parat. So half ich G gerne, ein Windlicht mit den von ihm gewünschten „Rübengeistern“ zu verzieren.

Eigentlich wollte er eine richtige Laterne basteln, aber da ich 1. keinen freien Stock dafür hatte, 2. wir noch zwei fertige Laternen aus der Kinderladenzeit hier herum stehen haben und 3. ganz bald das Laternenbasteln im neuen Kindergarten losgehen wird, war ich froh, dass der Teelichthalter als Alternative akzeptiert wurde.

Die Rübengeister kommen nämlich in unserem Lieblings-Seeräuber-Kinderroman vor und riefen jetzt im Oktober einfach nach einer Materialisierung mit Transparentpapier!

Ich glaube, es ist grundsätzlich das Beste für uns zwei, wenn G die Ideen hat und ich ihn dazu ermutige, diese selber auszuprobieren. Bei Bedarf helfe ich ihm dann bei der Umsetzung oder halte auch mal anfallenden Frust mit ihm aus, wenn etwas nicht so klappt, wie er sich das vorstellt. Das Gefühl kenne ich ja nur zu gut!

Denn dieser Stolz in den Kinderaugen, wenn ein Projekt aus seinem Kopf plötzlich Gestalt annimmt, den kann man einfach nicht mit einer künstlichen Anregung nachmachen. Das geht nur aus sich selbst heraus und darum geht es ja eigentlich auch beim kreativen Tun, oder?

Und wie ist das bei euch?  Macht ihr Bastelangebote und wenn ja: Werden diese Anregungen in der Regel gut angenommen oder haben eure Kinder auch so sehr ihren eigenen Kopf, wenn es ums Gestalten und Kreieren geht?

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