Der Eingewöhnung zweiter Teil

Inzwischen hat sich unser aller Aufgeregtheit ein wenig gelegt und der Besuch des Kindergartens wird hier immer mehr zum Alltag. Ich bin wirklich froh, gleich zu Anfang mit den Erzieherinnen gesprochen und ihnen vertraut zu haben, denn unsere zweite und dritte Woche liefen insgesamt sehr gut, kann ich berichten.

Nachdem wir in der ersten Woche ja die Abholzeit auf 10:30 Uhr festgesetzt hatten, wagten wir am folgenden Montag doch wieder die Steigerung bis mittags, also ca. 12:30 Uhr. Da endet die Waldzeit und die meisten Kinder werden dann auch schon von ihren Eltern abgeholt.

Die ersten beiden Tage waren zwar morgens immer noch von Abschiedstränen begleitet, die aber auch wieder schnell getrocknet waren. Doch insgesamt schien unser Junge schon deutlich zuversichtlicher zu werden. Dafür pustete ich ihm schließlich jeden Morgen einen kräftigen Vorrat „Kindergartenmut“ in alle wichtigen Körperteile, ein Ritual, das spontan entstanden ist und hier seeeehr gut angenommen wurde!

Die verlängerte Aufenthaltsdauer brachte jedenfalls keinerlei Rückschläge und G kam jedes mal zufrieden und gut gelaunt aus dem Wald zurück.

Der Mittwoch war ja ein Feiertag, den wir als Familie sehr genossen und ganz ruhig angehen ließen. Ein wenig Sorge hatte ich doch, dass uns diese Pause von der Routine irgendwie zurück werfen könnte, aber diese Sorge war tatsächlich völlig unbegründet. Am Donnerstag ging ich mit einem sehr entspannten, vorfreudigen Jungen los. Der Hauptgrund dafür war, dass wir für zwei Kinder aus seiner Gruppe Einladungen gebastelt hatten, die er ihnen ins Postfach legen wollte.

Die Idee, ein bisschen soziale Kontakte auch außerhalb der Kindergartenzeit zu knüpfen, entstand am Vortag. G hatte mir erzählt, dass der eine Junge, mit dem er eigentlich befreundet sei, nun sein „Feind“ wäre und nicht mehr mit ihm spielen würde. Und da dieser anscheinend eine recht zentrale Rolle in der Jungsgruppe („Bande“) hat, meinte G, er würde jetzt gar keine Freunde finden können.

Wie real oder subjektiv diese kindliche Erfahrung nun auch gewesen sein mag, kann ich nicht genau beurteilen. Das muss ich auch gar nicht, denn für meinen Sohn fühlte es sich irgendwie so an, dass er nicht gut in die eingeschweißte „Bande“ hinein kam. So als „Neuer“ in eine Gemeinschaft zu finden, ist ja vielleicht auch eine besondere Herausforderung, das hatte ich vorher noch gar nicht bedacht. Weil G so extrem kontaktfreudig ist und eigentlich keinerlei Probleme hat, mit anderen Kindern anzubändeln.

Deshalb erschien mir aber eine Einladung für ein Spiel-Date mit nur ein oder zwei Jungs als ein ganz guter Rahmen, nochmal auf etwas andere Weise zusammen zu kommen als in der festen Gruppenkonstellation. Der Rest bleibt dann den Kindern überlassen, das kann und will ich ihnen natürlich nicht abnehmen. Genau diese Themen – Freundschaften schließen, seinen Platz in einer (bestehenden) Gruppe finden, soziale Kompetenzen schulen usw. – sind jetzt einfach zweifellos für unseren Lütten dran. Und ich bin doch sehr froh, dass er vor seiner Einschulung noch mal die Möglichkeit erhält, viele dieser wichtigen Erfahrungen in einer wohl behüteten Kindergartengruppe zu machen.

Aber zurück zu unserem Donnerstag, offiziell Tag 9 der Eingewöhnung: G radelte also mit deutlich weniger Widerstand als sonst zur Kita hin und unser Ankommen verlief so entspannt wie bis dahin noch nie. Er redete gleich mit seiner Erzieherin A, wir suchten die Postfächer der Kinder, dann war G auch schon wieder ins Gespräch mit A vertieft. Mein Tschüß-Sagen nahm er mit mäßig viel Interesse zur Kenntnis und raus war ich schon.

Ich war so erleichtert! Mein Gefühl war also richtig, dass bei G bereits eine Veränderung in Gang gekommen war, die nun tatsächlich auch weiter ihren Lauf nahm.

Am Freitag kam uns leider ein super fies verzerrter Halsmuskel in die Quere. Mein Junge wollte sich gerade zu mir in die Garderobe begeben, als er plötzlich vor Schmerz anfing zu heulen und zu schreien und sich auf den Boden legte. Ich wusste erst gar nicht, was los war. Aber nach ein paar Minuten dämmerte mir die wahrscheinlichste Diagnose und als nach 30 Minuten Kirschkernkissenwärme und Schmerzölmassage keine Besserung eintrat, sagte ich dem Kindergarten ab.

Wie gut, dass wir unseren Kinderarzt hier direkt gegenüber gefunden haben. Ich mag mit seinen Ansichten und seinem Umgang mit dem Impfthema vielleicht nicht völlig konform gehen, aber ansonsten habe ich nun, nach diesem fulminanten Morgen, seine Qualitäten und auch seine Nähe zu schätzen gelernt!

Wieder hatte ich die Befürchtung, dass die lange Wochenendunterbrechung den Prozess der Eingewöhnung irgendwie negativ beeinflussen könnte. Aber im Gegenteil: Am Montag früh gab es fast durchgängig gute Stimmung bei unserem Ablauf. Und auch diesmal kappte das Verabschieden entspannt und tränenfrei. Der Rest der Woche verlief recht ähnlich: G weinte beim Abgeben gar nicht mehr, war zu Hause bis auf wenige kurze Ausnahmen sehr ausgeglichen und schien seine Angst vor der Trennung wirklich Stück für Stück zu bewältigen.

Einer der beiden Jungen, die G inzwischen als Freunde auserkoren hatte, war seinerseits wohl ebenfalls ganz angetan von dem Neuzugang in seiner Gruppe. Und so wurde auch bereits für Mitte der Woche das erste Treffen von uns Müttern arrangiert. Und auch mit dem anderen Kind steht jetzt bald unsere erste private Verabredung an.

Es scheint mir, wir sind wirklich auf einem guten Weg. Ich bin echt froh darüber, dass ich mich von den Erzieherinnen auf diesem unsicheren Terrain leiten lassen konnte, denn so wie es jetzt aussieht, kommt G von Tag zu Tag noch besser in seiner neuen Gruppe an. Und das mit den Freundschaften klappt dann hoffentlich auch noch (fast) von allein!

Ein zusätzlicher Grund zur Freude ist außerdem, dass ich diese Woche ein sehr gutes Gespräch mit der örtlichen Grundschulleitung hatte. Und so wie es aussieht, steht einer Rückstellung für die Einschulung nun auch nichts mehr im Wege. G darf also ein weiteres Jahr wirklich „Kind sein“ und sich noch mehr in diesem, unserem neuen Lebensrhythmus einfinden, anstatt schon im kommenden Jahr die nächste riesengroße Umwälzung vor sich zu haben. Ich bin so froh!

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