Ein kritischer Blick auf meinen Medienkonsum

Eine Website, die ich häufig und gern besuche, heißt screenfreeparenting. Am meisten interessieren mich die vielen fundierten Berichte über aktuelle Studienergebnisse rund um den Medienkonsum von jungen Menschen.

Aber die Seite hat noch mehr zu bieten. Neben unzählig vielen Spielanregungen abseits von Fernsehen und Tablet findet man tolle Artikel über den praktischen Umgang mit Screens in der Familie.

Es geht darum, den Kindern die Möglichkeit zu geben, echte Medienkompetenzen zu erwerben, anstatt nur undifferenziert den Gebrauch der Geräte zu erlauben oder einzuschränken.

Auch wenn ich selber als Person ernsthaft versuche, mehr und mehr Zeit im Hier und Jetzt zu verbringen, anstatt mein Hirn ständig mit Informationen aus dem World Wide Web zu überfrachten oder mich stundenlang berieseln zu lassen, verstehe ich doch die Faszination, die gerade (aber sicher nicht nur!) für Kinder und Jugendliche von den modernen Medien und Netzwerken ausgeht.

Also auch wenn ich zum Beispiel kein gesteigertes Interesse an den mannigfaltigen virtuellen Plattformen (Gesichtsbuch, Zwitschern und Co) hege, möchte ich doch irgendwie halbwegs Up to date bleiben, um zu wissen, worüber ich mit meinem Kind da später denn reden muss.

Bevor ich aber bewusste Entscheidungen für mich und mein Kind treffen kann, brauche ich vor allem zwei grundlegende Dinge :

  • Eine ehrliche Reflexion meines eigenen Medienkonsums
  • Informationsquellen,  denen ich vertraue und die mir helfen, die sachlichen Argumente besser zu durchschauen

Wie ich schon angerissen habe, war mein Fernseh- und Spielkonsolenverhalten in meinen Kindertagen von der Sorte bodenlos. Nachdem die uralte Schwarz-Weiß-Möhre einem modernen Farbfernseher gewichen war, erlag ich dem Sog der Maschine.

Es lag ganz gewiss nicht daran, dass meine Eltern mir zu wenig Alternativen geboten hätten! Als ich kleiner war, gingen wir jeden Monat zur Bücherei und lasen unzählige Geschichten. Hörspiele waren auch sehr beliebt bei uns. Die Wohnung, in der wir wohnten, bot genug Platz und Möglichkeiten für Freispiel,  Bewegung,  Kreatives Gestalten und so vieles mehr. Wir waren in gutem Kontakt mit den Nachbarskindern aus unserem Mietsviertel und Klassenkamerad_*innen waren ebenfalls herzlich willkommen. All das weiß ich noch genau, aber trotzdem ist eine meiner dominantesten Kindheitserfahrungen meine enge Beziehung zum Fernsehgerät.

Ich weiß nicht, ob oder was meine Eltern hätten anders machen sollen. Die Technisierung des Alltags hatte ja gerade erst begonnen. Jedenfalls habe ich nicht den Eindruck,  dass der uneingeschränkte Zugang zu der Unterhaltungselektronik mein damaliges oder heutiges Konsumverhalten irgendwie positiv beeinflusst hat. Ich war des Glotzens eigentlich nie überdrüssig und könnte wohl auch heutzutage deutlich mehr im Bann der Flimmerkiste stehen, wenn mein Leben anders verlaufen wäre.

Damit meine ich, dass das Mutterwerden den besten Schutzfaktor überhaupt für mich darstellt, wenn es um das Thema Vorm-TV-Versacken geht.

Fernsehen im klassischen Sinne habe ich mittlerweile seit etwa fünf Jahren nicht mehr geschaut und bin sehr froh darüber. Wenn es nicht „da“ ist, vermisse ich es überhaupt nicht. Stattdessen haben mein Mann und ich damals, in unserer alten Komfortzone, kräftig Binch-Watching betrieben, uns also massenhaft Filme und Serien reingezogen, sobald der Kleine abends im Bett war.

Meine weitaus größte Problemzone ist allerdings mein Smartphone. Unterwegs im Camper hatte ich selten genug Empfang, um damit online zu gehen. Das war -neben kurzen Urlauben im Funkloch- bisher der einzige Punkt in meinem Leben, an dem ich wirklich über einen längeren Zeitraum losgekommen bin von dem kleinen Teufelsding.

Ich hadere sehr mit meiner fehlenden Willensstärke. Wenn das Handy Empfang hat, verspüre ich auch ständig den Drang, es auch zum Surfen, Chatten, Fotografieren usw. zur Hand zu nehmen. Und das schaut sich mein Junge selbstverständlich längst von mir ab.

Da beginnt nun mein eigentliches Dilemma. Meine eigene Sucht kommt mir in die Quere, wenn ich doch eigentlich ein gutes Vorbild sein und einen verantwortungsbewussten Umgang vorleben will.

Gleichzeitig lese ich immer wieder von den vielen Nachteilen und Risiken, die ein zu früher und natürlich zu exzessiver Gebrauch der digitalen Medien mit sich bringt und vieles davon leuchtet mir absolut ein. Dieses ungesunde Zuviel an screentime will ich für meinen kleinen Vertreter der Generation native user nicht noch zusätzlich voran treiben.

Was kann ich also tun, um mich selbst und mein Kind aktiv darin zu unterstützen, ein Maß an Konsum zu finden, das mit unseren Bedürfnissen konform geht?

Meine eigene Problemzone angehen

Konkret heißt das in meiner jetzigen Situation, dass ich versuche (hört ihr’s? Da spricht schon wieder die Sucht!), das Smartphone den ganzen Tag über in der Schublade zu lassen, und zwar am besten so lange, bis Sohnemann am Abend eingeschlafen ist.

Das hat allerdings zwei Fallstricke: Einerseits konkurriert mein Suchtdruck dann mit der einzigen Exklusivzeit mit meinem Mann – damit muss ich erst noch umgehen lernen.

Und andererseits ist die Nutzung abends im Bett vor dem Einschlafen wohl die ungesündeste Uhrzeit überhaupt, um mir das Klicken zu erlauben. Der negative Einfluss auf meine Schlafqualität und Schlafdauer ist offenkundig zu spüren.

Eine andere Idee habe ich aber gerade noch nicht (außer komplett kaltem Entzug, vor dem ich mich noch zu sehr scheue).

Mein Kind beobachten und begleiten

G hat in den Monaten hier, in denen er meinen Mann und mich andauernd am Handy sieht, verständlicherweise auch ein größeres Interesse daran entwickelt.

Allerdings zeigt er schon nach kurzen,  begleiteten Phasen des Handygebrauchs – er darf ab und zu auf meinem Telefon Bilder zu Themen, mit denen er sich beschäftigt, per Sprachfunktion suchen oder selber fotografieren / filmen – eine geringe Frustrationstoleranz, wenn er es wieder ausmachen soll und das beunruhigt mich insofern, als dass ich den Gebrauch erstmal nicht ausweiten oder verlängern würde.

Zum Glück gibt es momentan nur die Versuchung, die wir selbst auslösen. Noch ist kein Peergroup -Druck oder dergleichen vorhanden. Deswegen habe ich die Möglichkeit, mir die genauen Regeln für unseren Umgang mit Laptop, Smartphone und so weiter noch in Ruhe zu überlegen.

Dafür bin ich gerade noch am recherchieren und im Dialog mit meinem Liebsten. Denn ich wünsche mir da schon eine gemeinsame Linie für dieses Thema. Feste Regeln, an die wir alle uns halten. Das wäre mein Ideal. Zum Beispiel keine Elektronik beim gemeinsamen Essen oder andere bildschirmfreie Inseln im Alltag.

Dann kann ich vielleicht die positiven Seiten der modernen Technik, die Möglichkeiten für Lernen, Kreativität, Unterhaltung oder Sozialleben auch wieder mehr wertschätzen als in einer ständigen Angst vor negativen Auswirkungen zu verharren.

Ich glaube, es wird kein einfacher Weg, meine eigenen Gewohnheiten zu verändern und ein gutes, altersgerechtes Maß für unseren Lütten zu finden. Aber das ändert nichts daran, dass ich längst schon unterwegs bin und es auch kein zurück gibt.

Wie macht ihr das? Seid ihr zufrieden mit eurem eigenen Medienkonsum? Was lebt ihr euren Kindern vor? Wieviel reguliert ihr und warum?

Links

Is it Screen-Time or a Screen Addiction?

How does respectful parenting fit with screenfree parenting?

How to introduce Screens as an educational Tool

What happens when Parents limit Screens

Screen-free parenting Lifestyles of the Rich and Famous

2 Kommentare bei „Ein kritischer Blick auf meinen Medienkonsum“

  1. Hallo 🙂 Unser Kind ist jetzt ein halbes Jahr alt, und seit seiner Geburt haben wir auch kaum ferngesehen. Auch die Zeit vor dem Laptop hat deutlich abgenommen – dafür ist aber die Handynutzung gestiegen, was aber auch glaube ich normal ist bei einem kleinen Baby das man eben oft auf dem Schoß hat oder das gestillt wird. Suchtpotential hat Internet wie Fernsehen definitiv beides für uns. Der Fernseher lief früher sehr viel, auch nur so im Hintergrund.
    Wesentlicher für den Umgang mit Medien finde ich allerdings weniger die reine Bildschirmzeit (auch in der Vorbildfunktion), sondern andere Faktoren, z.B. wie schnell bin ich für mein quengelndes Kind in der realen Welt ansprechbar, wenn ich eigentlich gerade am Handy klebe? Kann ich mich auch von einem fesselnden Artikel zeitnah lösen und ihn auf später verschieben? Wobei ich überzeugt bin, reine Vorbildfunktion reicht zum erlernen von Selbstregulation sicher nicht aus. Aber auch keine Begrenzung von außen, denn dann reguliert das Kind ja eben nicht selbst. Für den Start in den Umgang mit Medien ist es aber sicherlich sinnvoll, denn es ist für ein kleines Kind sauschwierig sich von dem Sog von Fernsehen und Co zu lösen.
    Langfristig denke ich, dass Medienkompetenz aber natürlich weitaus mehr ist als nur eine Kontrolle der Nutzungsdauer. „Das NUF“ hat eine tolle Serie über digitale Medien und Kinder geschrieben unter dem Titel „Let’s talk“, das finde ich sehr lesenwert.
    Liebe Grüße, ich lese dich übrigens sehr gerne!

  2. Liebe Manuka, hab Dank für deine anregenden Gedanken und den Tipp mit dem NUF, da schau ich unbedingt mal rein. VLG Jitka

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