Aufklärung: die ersten Fragen kommen auf

Neulich sahen wir zwei Feuerwanzen, die aneinander klebten. Sie saßen auf einer großen, gelben Plastikplane, auf der sich das Regenwasser in kleinen Pfützen gesammelt hatte. G wollte sie vorm Ertrinken retten, aber ich fand, die sahen nicht so aus, als müsste man sie retten. G nickte und sagte dann: Die machen jetzt Babies.

Ich war erstaunt, denn das letzte mal Feuerwanzen hatten wir vor fast einem Jahr in Berlin gesehen, da wimmelte es nur so von den roten Tierchen. Bestimmt habe ich damals sowas in der Art erwähnt, das mit dem Kindermachen. Aber dass er sich jetzt noch daran erinnern konnte. Erstaunlich.

Im Auto stellte er ein paar zögerliche, sehr nachdenkliche Fragen. Ich antwortete ihm so einfach und knapp wie möglich. Dass das Weibchen Eier legen wird. Dass die Eier erst befruchtet werden müssen, damit kleine Babywanzen darin wachsen können. Dass das auch Samen heißt wie bei Pflanzen. Ich ergänzte ungefragt, dass das bei Hühnereiern auch so ist. Dass nur Küken drin sind, wenn sie befruchtet wurden.

Damit war er erst mal zufrieden. Er wirkte auf jeden Fall recht überrascht und nachdenklich.

Zwei Tage später war er in der Badewanne. Er fragte mich, ob ich an meiner Vagine auch eine Eichel hätte? Einen Hodensack? Ich sagte, nein, ich hätte da eine Klitoris und Eierstöcke. Innen drin in meinem Bauch. Rundliche kleine Organe im Körper. Wenn ein Ei befruchtet wird, wächst ein Baby im Bauch.

Es folgte erstmal ein staunender Blick. Jaaa? Wirklich? Eierstöcke? Dann eine kurze Pause.

Er spielte ein wenig mit seinem Legomann im Wasser, daher kam die Frage, ob Menschen auch so zusammen hängen würden, etwas aus dem Nichts. Ich fragte nach, was er meint. Na, wie die Wanzen. Zum Befruchten.

Ja. So ähnlich. Sagte ich und lächelte. Damit war das Gespräch vorerst beendet.

Ich finde es total entzückend zu sehen, wie er langsam Interesse für diese Art Fragen entwickelt.

Seit er so ungefähr drei Jahre alt ist, erzähle ich ihm öfters seine Geburtsgeschichte, die hört er wirklich gern. Er kennt die wichtigsten Details, wie den Blasensprung, dass er sechs Wochen zu früh kam, dass alles sehr schnell ging und an welcher Stelle er heraus geschlüpft ist. Keine technischen, keine blutigen Details. Die groben Abläufe bloß, die drei Krankenhäuser, in denen wir waren, wo der Papa war. Sowas in der Art.

Seither begleitet uns sehr anhaltend das von ihm initiierte Bindungsspiel „Geburt spielen„. Dabei schlüpft er wieder und wieder aus meinem Bauch (Bettdecke) aus und ist dann mein kleines Baby. Über die Monate änderten sich das Motiv und die Regieanweisungen an mich geringfügig. Am Anfang war es sehr am Original seiner Geburt orientiert, dann wurde er zum Drachenbaby, zum Urmel, zu Weihnachten war er das Jesuskind und ganz aktuell ist er Foggie, der Nebelgeist aus einem unserer letzten Bücher.

Aber offensichtlich reicht ihm nun der simple Fakt, dass er aus meinem Bauch heraus gekommen ist, wohl nicht mehr, um seinen Wissensdurst zu befriedigen.

Ich habe Freude an diesen Gesprächen, aber ich verzichte auf lange theoretische Abhandlungen, um ihn nicht zu überfordern. Statt dessen beantworte ich seine konkreten Fragen so ehrlich und einfach wie möglich und warte ab, ob ihm das als Information erstmal reicht oder ob sich direkt die nächste Frage anschließt.

Diesen Umgang habe ich mir bei den Pädagog_*innen eines Familienbildungszentrums abgeschaut, bei denen ich im Rahmen meiner Arbeit als 2. Vorsitzende des Berliner Hebammenverbandes einige super tolle Fortbildungen zu kindlicher Sexualität und Sexualaufklärung in Kindergärten und Schulen besuchen durfte.

Ich habe das Gefühl, ich weiß so viel über Schwangerschaft, Geburt und Babyzeit, dass ich mich bewusst zurücknehmen und ihn dieses unbegreifliche Wunder in seinem eigenen Tempo entdecken lassen will.

Wann haben eure Kinder die ersten Fragen zu dem Thema gestellt?  Fällt euch der Umgang damit leicht oder nicht?  Gibt es lustige Anekdoten, die ihr teilen wollt?

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