Wir bauen ein Kompost-Trennklo: Teil 6

Tatataaaa! Es ist soweit, hier kommt der sechste und letzte Teil meiner kleinen Serie „Wir bauen ein Kompost-Trennklo“. Heute zeige ich euch unser vorläufiges Endergebnis. Kaum zu glauben, dass wir endlich eine funktionierende Toilette im Garten haben. In etwa genauso unglaublich, wie die Tatsache, dass wir immer noch hier sind.

Nachdem die 8 einzelnen Dachpanele vorbereitet waren, ging es mit der Fertigstellung des Daches zügig voran. Mit einigem Gefummel und einer Menge unbequemer Über-Kopf-Binderei war es schließlich vollbracht.

So diente das Dach schon mal exzellent zum Schattenspenden, wenn es auch nicht total regendicht war. (In der Mitte sieht man das Loch ganz gut.) Ende November schien die Sonne auch noch mit ordentlicher Kraft.

Bis Mitte Dezember gab es genau einen Tag, an dem es minimal nieselte, so war das Loch überhaupt kein Problem. Auch danach blieben wir vom Regen weitesgehend verschont,  so dass die Arbeit gut voran ging.

Für die Öffnung selbst tüftelten wir ein Weilchen an einer kreativen Lösung herum. Wir haben letztlich das Dachkonstrukt nochmal im Miniformat nachgebaut und anschließend ebenfalls mit Vorzeltstoff bespannt.

Ob das optisch jetzt wirklich ideal ist, will ich lieber nicht beurteilen. (Ich fürchte, schön ist es nicht direkt geworden) Aber jedenfalls ist das Dach nun wirklich ein Dach, das hoffentlich Regen und Wind stand hält.

Weiter ging es danach bzw. parallel mit den Wänden. Da wir zwischendurch nicht genau wussten, wie viele Arbeitsschritte wir noch schaffen würden, hatten wir dem Dach oberste Priorität gegeben. Allerdings waren die Wände demnach noch lange nicht fertig gewesen.

Damit uns das ganze Ding beim nächsten kräftigen Wind nicht einfach abhebt und davon saust, brachten wir also lieber mal die Lehmverputzung der unteren Wandabschnitte voran.

Also hieß es wieder: stundenlang vorbereiten. Lehm sieben im Zwei-Kisten-System, Gras von Hand ranschaffen und klein schnippeln und natürlich immer wieder den lieben Bambus bearbeiten. Hierbei kam es dann auch zu T’s erstem von zwei Schneide-Unfällen.

Ein bisschen schade finde ich es übrigens schon, dass man hinterher das herrliche Bambus“gewebe“ unter der Lehmschicht gar nicht mehr sehen kann. Die viele Zeit und Mühe, die das Bambusvorbereiten gekostet hat (von Blut und Nerven ganz zu schweigen!).

Das Webwerk allein wär zwar ein optischer Knaller, aber leider nicht standfest genug gewesen. Und davon hätte am Ende ja auch keiner was.

Unsere ursprüngliche Idee, diese Art der Wandgestaltung (gewebte Bambusstränge) komplett bis oben hin durchzuziehen, ist schlussendlich leider daran gescheitert, dass wir zu zweit einfach nicht genug Zeit dafür hatten, so viel Material vorzubereiten.
Mit einer Gruppe von 6 oder 8 Leuten wäre sowas echt ein Kinderspiel!

Wir dachten kurzzeitig darüber nach, Teile der Zeltplane für die oberen Wandabschnitte zu benutzen, um dem Ganzen einen schnellen Abschluss zu verpassen.

Jedoch fanden wir das zu häßlich (das Auge scheißt schließlich mit!?) und besorgten ein bisschen Stoff im Second-Hand-Laden. Ein altes Bettlaken und eine ausgediente Tischdecke erschienen uns geradezu perfekt für diesen Zweck. Unser Gastgeber sagte nämlich, er hätte für mich eine Nähmaschine, mit der ich die Teile bearbeiten könnte. Also nahm ich Maß,  schnitt die Stoffbahnen zurecht und heftete schon mal die Ränder als Vorbereitung fürs Säumen.

Aus dem Vernähen wurde vorerst aber nichts. Denn die vorhandenen Nähmaschinen waren leider allesamt nicht funktionstüchtig. Und es gab keine Möglichkeit, sie zum Laufen zu bringen.

So blieben die Stoffbahnen also eine Zeit lang unvernäht liegen, während als Sichtschutz ein paar provisorische Textilien dienten. Dies schaffte vorläufig wenigstens halbwegs das Gefühl von Privatsphäre.

Also stellten wir die Klobox schon mal an ihren Platz und kümmerten uns um deren Abschluss samt Innenleben.

Die Klobrille haben wir mit Schrauben und einem Rundum-Silikonabschluss befestigt. So läuft nichts Unerfreuliches zwischen Brille und Holz.

Erst mit Trennabscheide-Vorrichtung kommt das gesamte Potential zum Tragen samt Geruchsminimierung, Urindüngertonne und Terra-preta-Rohmaterial. Bei uns wurde die Umsetzung eine interessante Mischung aus DIY und Upcycling.

Dafür benötigten wir ein bisschen Draht, ein paar Schrauben und Winkel und zwei unterschiedlich große Plastikflaschen.

Das hat auch ganz gut hingehauen. Den Schlauch mussten wir noch mit Hilfe einer kleinen Kette und zwei Schrauben an der richtigen Stelle fixieren.

Und wenn das Material verschleißen sollte, kann man diese Trichterkonstruktion ganz einfach raus holen und mit neuen Flaschenteilen ersetzen.

So schaut das ganze dann von oben aus. Das Gitter soll verirrtes Nicht-Pipi daran hindern, in den engen Schlauch zu gelangen.

Das zweite Loch in der Box dient beim Einsatz des Klohauses als Halterung für einen Eimer Abdeckmaterial. Dafür könnte man zum Beispiel Holzspäne, Erde oder Torf, hier Lehmerde gemischt mit Asche nehmen.

Dann hatte ich aber doch noch die glorreiche Idee, eine Freundin hier zu fragen, ob sie nicht eine Nähmaschine hat. Und in der Tat: in dem Haus, das sie bewohnt, gab es eine alte Privileg.

Die wollte zwar auch erst nicht so wie ich wollte, aber am nächsten Tag kam ein neuer Gast ins Haus und der konnte gemeinsam mit meinem Mann den Fehler beheben.

So gab es doch noch ein happy end für die Stoffbespannung.

Eingeweiht wurde das Klo standesgemäß direkt nach der Fertigstellung der Trennabscheide-Vorrichtung.

Uns fiel dabei auf, dass es noch ein Fußpodest braucht, das haben wir dann mithilfe einiger Keramikfliesen nachträglich noch rasch zusammengemörtelt. Und die Kiste selbst auch noch rundum verputzt, damit sie einigermaßen dicht und unattraktiv für kleine Mitbewohner bleibt.

Für einen optimalen Geruchsschutz und weitere Abdichtung haben wir noch den Klodeckel und die Klappe des Holzkastens mit einer Bahn Schaumstoff unterlagert.

Aber der lag jetzt nicht einfach so herum und musste extra gekauft werden.

So brauchte es dann nur noch eine laminierte Schautafel samt ausgeklügeltem Flussdiagramm zur Benutzung des Klos durch begabte Autodidakt_*innen.

Für alle anderen planen wir schon mal einige Tage ein, um die etwa anderthalbstündige Einweisung pro Nutzer_*in zu koordinieren.

#ichwilldochbloßkacken

Wir sind richtig froh, dass wir so weit gekommen sind mit dem Bauwerk. Es war eine interessante, lehrreiche Erfahrung und meine Liebe zum Bambus wurde geweckt.

Auch das Mörteln mit dem Lehm-Gras-Gemisch hat richtig Spaß gemacht. Auch wenn ich am Anfang etwas Überwindung brauchte, am Ende war es megageil bis zu den Ellbogen in der kalten Matsche zu stecken.

Mission completed, würde ich sagen!

Hier geht’s zu den kompletten Bauerfahrungen

Und hier geht’s zu einer übersichtlicheren Zusammenfassung des Projekts.

Schreibe einen Kommentar

*