Frühjahrs-Upcycling: Hochbeete

Etwas besonders Wertvolles, das ich in der Zeit hier in El-Drac lernen darf, ist, das vorhandene Material optimal auszunutzen, um daraus etwas Neues entstehen zu lassen. Ich habe großen Respekt davor, wie hier an diesem Ort viele Projekte jahrelang auf ihre Vollendung warten, um unnötige Kosten zu vermeiden. Ich weiß nicht, ob ich diese Geduld aufbringen könnte.

Ein Beispiel dafür ist der gerade auf Hochtouren laufende Bau der neuen Hochbeete. Unser Gastgeber trägt diese Idee wohl schon lange mit sich herum, aber erst jetzt kamen Zeit, Material und die für ihn akzeptable Unterstützung in einer Art und Weise zusammen, so dass das Projekt auch wirklich begonnen wurde.

Die Paletten bekamen wir übrigens von der gleichen Obstkistenfirma, von der wir bereits im Dezember säckeweise Feuerholz geschenkt gekriegt hatten. Außerdem konnten die großen IBC-Kanister günstig dazu gekauft und zu Wasserspeichertanks umfunktioniert werden. Alles brauchbare Ressourcen, die für die Firma wertlos waren und ihren Daseinszweck sonst auf dem Müllhof beendet hätten.

Die Männer schufteten hier tagelang in unterschiedlicher Besetzung an den Paletten herum und zerschnitten die Container für die Auskleidung der Hochbeete. Als Feuchtigkeits- und Termitenschutz bekamen die Kästen einen Steinsockel.

Da ich in dieses Projekt selber nicht involviert war, habe ich die genauen Arbeitsschritte leider nicht mitverfolgt. Aber ich war einfach nur baff, wie sich der Platz vor dem Wohnwagen innerhalb nur einer Woche so arg verändert hatte.

Die Beete werden jetzt erstmal mit Salat und Zwiebeln bepflanzt. Die Bewässerung über die großen Tanks soll als Modell dienen, da im Frühjahr voraussichtlich ein Uni-Projekt der Universtität Halle hier starten soll. Dabei geht es um das Konzept Aquaponics, bei dem Gemüse und Fische unter hoch effizienten Bedingungen gezüchtet werden und sich gegenseitig beim Wachsen und Gedeihen unterstützen.

Als Möchtegern-Veganerin halte ich natürlich nichts von der Vorstellung, hier bald planmäßig Fische für den Verzehr zu töten, aber das System selbst finde ich schon durchaus sehr interessant. Zumal es ohne Erde auskommen soll.

Und wer weiß, vielleicht kann mir das Wissen, das ich hier mitnehmen darf, ja doch eines Tages nützlich sein. Möglicherweise gibt es auch einen Ansatz, bei dem die Fische überleben oder nach einer bestimmten Zeit in freie Gewässer gebracht werden können und das Gemüse wird gegessen oder so was in der Art?

Im Januar in der Sonne zu stehen und mit den Jungpflanzen zu hantieren, macht mir wieder total Lust auf ein Leben im wärmeren Klima und auf Selbstversorgung, so weit es möglich ist. Seufz.

Jedenfalls genießen wir den herrlichen Vorfrühling und sind überwiegend im Garten. Jetzt, wo es hier auch ein Klo gibt, geht’s mir sogar noch besser auf dem Grundstück!

Außerdem wird hier auch an anderen Dingen fleißig gewerkelt. So entsteht gerade eine neue Natursteintreppe…

… und ein schon lange still gelegtes Auto wird wieder zum Leben erweckt. Bei der ersten Probefahrt durfte G auf dem Beifahrersitz mitfahren. Seitdem hat der Gast mit dem Mechanikertalent einen kleinen Fan, der ihm ständig hinterher läuft.

Überhaupt freut sich mein Junge merklich, endlich wieder eine größere Gruppe um sich herum zu haben, in der er sich sicher und gut aufgehoben fühlt. Es geht mir so viel besser,  wenn mein Kind mehrere Personen um sich hat, zu denen er eine Beziehung aufbauen kann. Balsam auf mein Mamaherz.

Mir tut die neue Dynamik selbst auch richtig gut. Mal sehen, wie es nun weiter geht. Das Wohnmobil hat jetzt auch noch einen geschrotteten 4. und 1. Gang. Die Schwungscheibe soll Schuld sein. Außerdem kam der berechtigte Verdacht auf, dass wir damals vom ersten Getriebe-Instandsetzer ein Austauschgetriebe zurück gekriegt haben, welches gar nicht für Fahrzeuge über 2 Tonnen geeignet ist und nochmal komplett ersetzt werden muss.

Insofern ist die Abwechslung durch die neuen Besucher_*innen hier gerade genau das Richtige für uns! Und wenn das Wetter weiter so gut bleibt, gibt es auch wahrhaftig keinen Grund zum Jammern.

In 10 Jahren kräht hoffentlich kein Hahn mehr nach unserem Wohnmobilschaden. Oder zumindest können wir dann noch besser darüber lachen als jetzt auch schon.

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