Als Mutter in Gemeinschaft leben

In einer Gemeinschaft zu leben, sich ständig mit anderen Menschen verbinden und austauschen zu können, das ist für mich wohltuend und etwas anstrengend zugleich. Aber wie ist das für meinen Vierjährigen und welchen Herausforderungen muss ich mich als Mutter in dieser Art des Zusammenlebens stellen?

Einerseits ist es, glaube ich, für meinen Jungen wirklich ganz großartig hier. Er erlebt jeden Tag so viele unterschiedliche Dinge. Langeweile kommt nicht so leicht auf. Er kann sich entscheiden, wo und mit wem er gerade Zeit verbringen möchte und lernt ständig Neues kennen.

Ich beobachte, wie G seine Erfahrungen mit den Erwachsenen und den Kindern sammelt. Und dass er besonders bei den Großen schon gut spürt, wer ihm zugewandt und herzlich begegnet und von wem er keine wirklichen Angebote zum Beziehungsaufbau erhält.

Für mich gibt es regelmäßig Momente, in denen ich auch richtig Entlastung vom Mamasein bekomme, weil G Zeit mit jemand anders verbringt.

Andererseits kann das viele Gewusel aber auch schon mal zu Überfrachtung mit zu vielen Eindrücken und Reizen führen, so dass ich als sicherer Hafen doch noch ziemlich beansprucht werde. Und da muss ich noch ein wenig an meiner eigenen Achtsamkeit für ihn arbeiten. Denn durch den vielen Input bin ich selbst halt auch oft etwas abgelenkt oder will meine Aufmerksamkeit einem anderen Menschen schenken und merke manchmal zu spät, dass mein Kind jetzt gerade wirklich meine volle Aufmerksamkeit braucht.

Zusätzlich leidet die Erfüllung des Bedürfnisses nach Sicherheit sowieso schon kräftig während unserer Tour. Routine und Regelmäßigkeit kann ich nur notdürftig aufrecht erhalten und jeder Tag hält neue Überraschungen für uns bereit. Selbst an ein- und demselben Tag springe ich oft von Aktivität zu Aktivität und fließe mit dem spontanen Flow, der hier herrscht. Für ein Kleinkind ist das natürlich eine zusätzliche Belastung und sollte nicht übersehen werden.

Ich lerne hier auf jeden Fall noch so einige wesentliche Dinge.

Loslassen:

Das Gefühl loslassen, dass ich mit meinem Mann allein für G verantwortlich bin. Dass es ok ist, ihn in der Obhut anderer zu lassen und diese sich schon bemerkbar machen werden, wenn es ihnen gerade zu viel ist.

Den Drang loslassen, sofort einzugreifen, wenn G von einem anderen Erwachsenen eine Grenze gesetzt bekommt und er diese nicht sofort akzeptiert. Ich neige noch immer dazu, G extra nochmal auf die Grenzen anderer aufmerksam zu machen, damit diese gewahrt werden.

Zu eigenen Werten stehen:

In einer Gemeinschaft von Menschen bleibt es nicht aus, dass mein Handeln immer wieder (auch gern ungefragt) kommentiert wird. Ich lerne besser darauf zu achten, was davon für mich wirklich hilfreich und nützlich ist und was ich einfach abprallen lassen sollte.

Da ich sehr genau weiß, welche Werte für mich in Bezug auf Bindungs – und Bedürfnisorientierten Umgang mit meinem Kinde wichtig sind, lasse ich mein Kind auch nicht willkürlich von anderen Menschen betreuen, die entweder offensichtlich eine völlig andere Sicht auf die kindliche Entwicklung haben als wir oder bei denen ich keine Herzenszugewandtheit zu G spüren kann.

Zu meinem Kind stehen:

Vor kurzem gab es eine Situation, in der ein Gruppenmitglied mein Kind im Affekt heftig angeschrien hat, was ich in dem Moment wirklich als unangemessenes und gewalttätiges Verhalten empfunden habe. In so einem Fall stehe ich natürlich sofort meinem Kind zur Seite und nehme es aus der Schusslinie.

Die Person habe ich hinterher darauf angesprochen, was mit ihr los war so laut zu werden. Ich werde sicher in Zukunft genauer darauf achten, dass G nicht noch einmal in eine solche Situation gerät. Je besser ich die einzelnen Gruppenmitglieder kennen lerne, umso besser kann ich sie auch einschätzen und für mich entscheiden, ob ich – wie oben beschrieben – die Interaktion nicht störe oder als backup in der Nähe bleibe, um bei Bedarf eingreifen zu können.

Insgesamt fühlt sich das Zusammenleben hier sehr gut an. Seit eine dritte Familie mit einem dreijährigen Jungen dazu gestoßen ist, hat G auch noch mehr Spaß am Spielen.

Er braucht einfach andere Kinder, besonders in seinem Alter. Das habe ich während unserer Reise schon mehrfach gemerkt. Ein Faktor, der bei der Wahl des richtigen Ortes für uns drei sicher ins Gewicht fallen wird.

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