Wohin mit meinem Drachen?

Eigentlich sollte letzten Dienstag die Faschingsfeier im Kinderladen statt finden. Die Kinder wurden schon seit Anfang Januar auf das diesjährige Motto eingestimmt: Märchenwelt. Es wurden viele Märchenbücher gelesen, nach und nach wurden die Räume immer weiter umdekoriert und natürlich sollte das eigentliche Faschingsfest Ende Februar nicht fehlen.

Aber leider ließ die weiterhin bestehende Unterbesetzung mit wechselnden Aushilfskräften eine rechtzeitige Vorbereitung nicht zu. So erfuhren wir am Montag Morgen, dass das Fest auf Mitte März verschoben wäre.

Ein wenig enttäuschend, da G sich wirklich darauf gefreut hatte und ich ihm nach all den Rückschlägen der letzten Wochen noch mal ein schönes Miteinander mit den Kindern dort gewünscht hätte. Aber was nicht geht, geht halt nicht. Und nun habe ich hier einen kleinen Drachenliebhaber, der sich nach anfänglicher Enttäuschung darüber, dass das Fliegen und Feuerspucken doch nicht echt funktioniert, nun eifrig im Flattern und Fauchen übt. „Guck mal, Mama, eben sah es ein bisschen so aus, als wär ich geschwebt!“

Ich kann die Nähanleitung nur wärmstens weiter empfehlen (ist allerdings auf Englisch), da sich das gekaufte Schnittmuster für viele Jahre für diverse unterschiedliche Westen anwenden lässt.

Ohren und Flügel sind aus einem alten Pullover von mir entstanden, den restlichen grünen Stoff habe ich allerdings neu gekauft. (Nachdem ich bei den Kleinanzeigen und in der Fundgrube leider nicht fündig geworden bin).
Der Schwanz ist mit Klettverschluss angebracht, die Weste kann also später auch noch alltagstauglich gemacht und unterwegs getragen werden.

Jetzt bin ich einfach froh, dass G auch ohne offfiziellen Anlass gerne als Drachen herumhüpft und flattert. Ob im Spielraum, beim Kinderturnen oder zur Musikstunde, das Drachenkostüm muss zur Zeit überall mit hin genommen werden. Und mal sehen – im März habe ich zwar noch nie Fasching gefeiert – aber wenn wir Ostern vorziehen, könnten wir ja vielleicht so ´ne Art Mottoparty mit vollintegrierter Eiersuche starten?

Was mich aber an die Grenzen meiner Antworte-Kompetenzen führt, sind die ganzen Warum-Fragen nach Gut und Böse und Tod und Töten und Aufgefressen-Werden. Find ich mega schwierig damit gut umzugehen, mich kindgerecht auszudrücken, keinen unauthentischen Quatsch zu verzapfen, aber auch nicht zu traumatisieren (Die Idee von Reinkarnation kann seeeeehr beängstigend für einen Dreijährigen sein, ebenso die Vorstellung beerdigt zu werden – aber das mal nur so am Rande). Wir waren hier eigentlich noch voll auf dem Stand vom Kleinen Zwerg, da sind immer alle total lieb zueinander und teilen alles und freuen sich immerfort und über einfach alles. Aber inzwischen muss ich -zig mal „Hänsel und Gretel“ mit den Kuscheltieren nachstellen und erklären, WARUM die Hexe den Hänsel jetzt eigentlich essen wollte?!?!?! AAAARGh. Wer braucht denn bitteschön Märchen?! (Ich weiß: angeblich die Kinder.)

Es passt aber dazu, dass G sich immer intensiver mit unserem Veganismus auseinander setzt. Zum Beispiel mit Fragen aus dem vermeintlichen Nichts heraus wie „Gehen die Menschen, die Fleisch essen, jetzt auch ins Bett?“ und „Fahren die Menschen, die Fleisch essen, auch Rolltreppe?“ oder der allseits beliebten Warum-essen-die-Fleisch / Warum-töten-die-Tiere-Dauerschleife. Oder wenn er wütend ist und mich vom Kochen / Essen abhalten möchte: „Das kannst du nicht essen, da ist Fleisch drin!“

Ich merke, ich muss über meine vegane Elternschaft nochmal ein bißchen tiefer reflektieren, wenn ich wieder etwas mehr Zeit habe und aus dem Durchhalte-Modus einen Gang runter schalten kann… Drückt jetzt alle fein für T die Daumen, am Samstag ist es soweit – I E L T S ! ! ! ! ! !

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