Nachhaltig nachhaltig # 2 – In der Küche

Einen großen Anteil meiner Arbeitszeit als „Hausfrau und Mutter“ verbringe ich in der Küche. Oder bei der Beschaffung von Lebensmitteln. Es fällt mir an manchen Stellen sehr leicht, nachhaltigere Gewohnheiten zu etablieren. Aber insbesondere die Nahrungsbeschaffung und Müllreduktion bereitet mir immer noch großes Kopfzerbrechen.

Einkauf und Beschaffung von Lebensmitteln

Erste Versuche in Richtung Selbstversorgung haben wir auch in unserer zweiten Saison beim Bauerngarten starten können. Im Gegensatz zum Vorjahr hatten wir diesmal großes Glück mit unserem Parzellenstandort und haben reichlich frisches Bio-Gemüse ernten können.

Aber das reicht natürlich bei weitem nicht aus, uns unabhängig von der Nahrungsmittelindustrie zu machen. Ein Ziel, welches wir wahrscheinlich niemals in Gänze erreichen werden. Also heißt es auch weiterhin, Essen einkaufen im Supermarkt, Bioladen oder auf dem Wochenmarkt. Hier versuche ich nicht unter zu gehen, wenn ich mich wieder frage, ob Bio in Plastik aus Übersee besser für unseren Planeten sein kann als unverpackt, unbio vom regionalen Bauern? Und warum zum Teufel gibt es eigentlich keine Sojamilch, keinen Sojajoghurt, keine Sojasahne in Glasbehältern???

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Aber zurück zu dem, WAS ich beeinflussen und was ich selber tun kann:

Feste Gewohnheit ist auch weiterhin, möglichst gar keine Plastiktüten mehr zu benutzen, sondern Gemüsebeutel für lose Lebensmittel und wiederverwendbare Tüten zum Tragen der Einkäufe.

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Wenn ich die Wahl habe zwischen unverpackt oder in Glas/Papier/Karton im Gegensatz zu einer Plastikverpackung, entscheide ich mich in 99% der Fälle gegen das Plastik.

Das gelingt meist gut für Obst, Gemüse und Brot und diverse Getreideprodukte. Alle anderen Lebensmittel für eine ausgewogene, vegane Ernährung scheinen nur im Plastikgewand für mich erreichbar zu sein und das ist jede Woche ein innerlicher Kampf mit mir selbst.

Letztendlich landen nämlich für mein Gefühl immer noch jede Woche haufenweise unerwünschte Verpackungen in meinem Einkaufswagen und damit auch wieder in unserem Mülleimer. Wie kann ich aus dieser Spirale aussteigen, frage ich mich immer wieder.

Küchenutensilien

Ich bin mir der vielen negativen Auswirkungen von Plastikgeräten auf meine Gesundheit ansatzweise bewusst. Dennoch bringe ich es nicht übers Herz, die vielen Gebrauchsgegenstände in unserer Küche auszusortieren oder gar wegzuwerfen (auf dass sie dann im Ozean nicht-verotten). Deshalb benutzen wir noch viele Werkzeuge, die zumindest teilweise aus Plastik bestehen und ich würde dies mal meinen blinden Fleck in der Küche nennen. Wenn tatsächlich mal ein Teil kaputt geht oder irgendwie neu angeschafft werden muss, achte ich auf Alternativen im Material und suche immer zuerst in den Kleinanzeigen.

Herstellung von Grundnahrungsmitteln

Hier ist vielleicht die größte Chance, Plastikverpackungen zu reduzieren oder gar zu vermeiden. In der Tat backe ich sehr viel selbst (Brot, Kuchen, Kekse…) und übe mich je nach Kapazitäten auch in der Herstellung eigener Aufstriche, Süßigkeiten, Knabberzeugs usw. Hier gibt es sicherlich noch Luft nach oben, aber ich will mich selbst nicht überfordern oder zu sehr unter Druck setzen, weshalb ich natürlich auch immer wieder zu vorgefertigten Produkten greife.

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Lagerung

Genau wie bei den Küchenwerkzeugen, ist auch bei den Aufbewahrungsbehältern noch viel Plastik dabei. Wegwerfen kommt auch hier nicht in Frage, also arbeite ich mit dem, was wir haben, erstmal weiter.

Allerdings verzichte ich beim Einfrieren fast kompett auf Gefrierbeutel und habe immer eine große Auswahl gefüllter Gläser im Tiefkühler (Suppen etc.). Nur die Frischhaltetücher aus Carnaubawachs haben leider keine wirkliche Alternative für mich dargestellt. Ich kam mit den Dingern einfach nicht klar und ganz besonders beim Verpacken von größeren Tellern für Mitbringbuffets bin ich schnell an meine Carnauba-Grenzen gestoßen. Soll heißen, Frischhaltefolie und Alufolie sind noch nicht aus unserer Küchenschublade verschwunden.

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Küchenrolle & Co

Anders dagegen erging es Plastikschwämmen und Küchenrolle. Der gesamte Küchenbetrieb kommt bei uns inzwischen mit wieder verwendbaren Lappen aus Baumwolle aus. Alte Spucktücher oder Moltons eignen sich hervorragend für diesen Zweck.

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Eigenes Spülmittel und Geschirrspülreiniger ist uns noch nicht zufriedend stellend gelungen. Hier greifen wir bislang aus Zeitmangel (für Chemie-Experimente) auf herkömmliche (Bio-)Reinigungsmittel im Küchenbereich zurück.

Unterwegs

Auch wenn ich für flüssige und feuchte Lebensmittel noch Tuppadosen benutze, wenn ich unterwegs bin, gibt es doch auch schon viele Momente, wo mir unsere Edelstahldosen völlig ausreichen. Sie halten zwar nicht perfekt dicht, aber kleinere Snacks und Energiespender lassen sich einwandfrei damit transportieren.

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Vegane Lebensweise

Last but not least möchte ich erwähnen, dass wir mittlerweile seit über einem halben Jahr zuhause komplett vegan leben. In Gesellschaft und auf Reisen, gelingt es mal mehr, mal weniger konsequent. Das stört mich zwar, aber erfreulicherweise finden wir immer mehr Verständnis und Unterstützung in unserem Umfeld und so reduzieren sich meine ovo-lacto-Ausrutscher auf sehr wenige Gelegenheiten.

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Bei all der moralischen Selbstzerfleischung, die ich hier wegen jedem vollen gelben Sack verspüre, hilft es mir doch ein wenig zu wissen, dass ich wenigstens an dieser Stelle einen wichtigen Beitrag für unseren Planeten leiste.

Ihr seht, Veränderung ist möglich. Kleine Schritte, einer nach dem anderen gegangen, festigen sich immer mehr zu unserem neuen Lebenweg. Wir sind noch lange nicht perfekt, ja sicher auch nicht mal nahe dran. Aber ich versuche mich stetig weiter zu entwickeln, nicht stehen zu bleiben und weiter an mir zu arbeiten. Raus aus der Comfortzone, rein in den Weltverbesserermodus. Knips. Und los geht´s!

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