Kinderladenpause – ein Rückblick

Da bin ich wieder! Nach fast einem Monat Betreuungspause, geht mein Sohnemann nun wieder vormittags in den Kinderladen. Die Entscheidung, ihn für drei Wochen raus zu nehmen, fiel uns nicht leicht, aber zuletzt ging es wirklich nicht mehr weiter.

Bereits seit Anfang Mai war G mehrmals „Opfer“ eines anderen Jungen in seiner Gruppe geworden, welcher seinen Stress -oder was auch immer die Ursache genau sein mag- durch Kratzen und Haare ziehen an den anderen Kindern ausagierte. G´s Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit und Sicherheit wurde jede Woche aufs Neue nicht erfüllt. Und auch andere Kinder wurden vor G´s Augen verletzt, was ihn ebenfalls stark mitnahm.

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Während unseres gemeinsamen Kurzurlaubs konnte ich mich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass G tatsächlich sehr unter den „Angriffen“ des anderen Kindes litt. Zwar machte er in dieser Zeit auch große Fortschritte, sich selbst abzugrenzen und dem anderen Kind laut und deutlich seine Abwehr mitzuteilen – aber leider führte das allein noch nicht zum gewünschten Ergebnis (ein Aufhören der Angriffe) und G brauchte immer auch die Hilfe eines Erwachsenen um sich aus seiner misslichen Lage zu befreien.

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Die ersten Wochen änderte sich sein Verhalten noch nicht, aber als die Gruppensituation auch nach einem guten Monat nicht in friedlichere Bahnen gelenkt war, begann er einerseits, seine Angst vor dem Kind zu verbalisieren und nicht in den Kinderladen gehen zu wollen. Andererseits zeigte auch er häufiger in meiner Gegenwart aggressive Züge in Form von Haareziehen und Schubsen, wenn er selbst müde oder frustriert war.

Ich sprach mit den Erzieherinnen und drückte meine Sorge um G´s Wohlbefinden aus. Außer einiger beschwichtigender Worte, dass es sich noch um ein normales Verhalten bei Zweijährigen handle, bekam ich kein weiteres Feedback mehr.

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Vier Wochen später war es dann so weit. G jammerte zum ersten Mal schon abends im Bett, dass er nicht in den Kinderladen gehen wollte. Was mich zusätzlich beunruhigte, war die Tatsache, dass er nur im Kinderladen regelmäßig in die Hose machte, obwohl er schon seit einem guten Monat komplett sauber war. Ich sage nicht, dass das Verhalten des anderen Jungens allein dafür verantwortlich ist. Aber für mich als Mutter fühlte es sich an wie ein Alarmsignal, dass mein Kind sich -warum auch immer- eben nicht wirklich wohl und gut aufgehoben fühlte.

Also traf ich die einzig richtige Entscheidung und hörte auf mein Bauchgefühl: Mein Kind brauchte unbedingt eine Weile Abstand von der Gruppe und den verstörenden Eindrücken dort. Ich fand es wirklich schade, dass es den Erzieherinnen auch über einen recht langen Zeitraum nicht gelingen wollte, adäquat auf das Kind einzugehen, welches doch so offensichtlich andere Bedrüfnisse zu haben schien, als manch andere Kinder in der Gruppe. Retrospektiv habe ich mich leider sehr allein gelassen gefühlt, meine Sorgen wurden nicht wirklich ernst genommen.

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Jetzt haben wir August, die Kindergruppe ist durch die Urlaubszeit auf die Hälfte zusammen geschrumpft und zwei der drei einschneidenden Abschiedsmomente dieses Sommers sind vorüber (eine Erzieherin und ein Schulkind sind jetzt weg). Gestern starteten wir also mit frischem Wind noch mal neu. G hatte erfreulicherweise auch schon seit etwa einer Woche von selbst erklärt, dass er wieder in den Kinderladen gehen wolle. Ich glaube, er vermisste seine Freunde und das Spielen dort schon so langsam.

Den ersten Tag habe ich komplett mit dort verbracht, eine Mini-Eingewöhnung sozusagen. Aber da das Kind, um welches es geht, ebenfalls im Urlaub ist, fühlte ich mich doch recht schnell überflüssig. Tatsächlich habe ich immer den Eindruck, G bei seiner Interaktion und seinem Spiel durch meine Anwesenheit zu stören. Als wenn er dann ständig hin und her gerissen ist, zwischen seinem Streben nach Autonomie und der Suche nach meiner Aufmerksamkeit.

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Also ließ ich mich heute wie gewohnt „Rausschubsen“ und bin gespannt, ob der Wiedereinstieg jetzt gut gelingt und G wieder sicher in der Gruppe ankommen kann.

Wenn alles gut klappt, habe ich in Zukunft hoffentlich wieder mehr Zeit hier zu schreiben. Zum Beispiel will ich unbedingt von unseren neuesten veganen Entdeckungen berichten, von der Ernte unserer Ackerfrüchte, von meinen Second-Hand-Super-Geburtstagsschnäppchen für G´s dritten Jahrestag. Oder davon, wie ich nach einer schrecklich anstrengenden ersten Woche mit G zuhause wieder in einen guten Rhythmus und klare elterliche Führung zurück gefunden habe, wodurch sich der Rest der betreuungsfreien Zeit unglaublich schön, eng verbunden und wunderbar leicht angefühlt hat.

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