Selbstexperiment: Woche 1

Die erste Minimalismus-Woche ist schon fast um – Zeit für ein Zwischenfazit, wie ich finde. Erkenntnis Nummer eins: Das Nicht-Konsumieren funktionierte nach meinem anfänglichen Fehltritt bis jetzt hervorragend. Auch wenn ich mich hin und wieder dabei ertappe, etwas bestellen oder kaufen zu wollen, ist das Sein-Lassen deutlich einfacher als erwartet.

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Zu den Dingen in meiner Kiste gesellten sich in den folgenden Tagen noch viele andere mehr. Spannend fand ich zu beobachten, wie Besitztümer von Tag zu Tag unwichtiger zu werden schienen. Beispiel: Aerobic-DVDs. Am ersten Aussortiertag hatte ich noch die vage Vorstellung, dass ich die „guten“ *hüstel* bestimmt noch mal benutzen würde und sie deshalb lieber behalten sollte. Also kamen nur zwei der unbeliebteren Videos in die Kiste. Bereits zwei Tage später dachte ich das Ganze etwas genauer zu Ende: Seit mindestens drei Jahren habe ich die Dinger nicht angerührt. Dass ich in dieser Wohnung nochmal den DVD Player anschließe und die Dinger einlege ist eher unwahrscheinlich. Dass ich dasselbe in den ersten Monaten des Ankommens in Neuseeland tue: hundertprozentig unwahrscheinlich. Dass ich es nach einem weiteren Umzug innerhalb Neuseelands in unserem Traumhaus tun werde? Na, ratet mal! Also kamen die DvDs weg. Alle.

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Ähnlich erging es einer Handvoll Kochbüchern und Strickratgebern. Nach ein bis zwei Tagen Nachdenken konnte ich mich von ihnen lösen ohne ein Gefühl des Unbehagens. Jugendromane kamen genauso leicht in die Kiste wie staubbedeckte (buchstäblich) Gesellschaftsspiele. Auch hier wieder die Frage: wie wahrscheinlich ist es, dass ich diese ungeliebten Staubfänger in Neuseeland nochmal zum Leben erwecke? Es gibt sicher Spannenderes als ein deutsches Activity-Spiel zu erleben im Land unserer Träume.

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Einen Teil der Bücher legte ich direkt in unsere Bücher-Box. Das wollte ich sowieso schon längst gemacht haben, seit wir hier in Spandau wohnen! Der Rest der Sachen ging größtenteils zur Fundgrube. Besondere Dinge, die hier gebraucht werden, werde ich dann morgen oder am Freitag samt gebrauchtem Kinderwagen abgeben gehen.

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Bereits am dritten Tag des Experiments hörte ich auf zu zählen. Ich war im Fluss. Es kam nicht auf die genaue Anzahl an Dingen an, sondern auf den Akt als solches. Heute zum Beispiel war ein kompletter Entrümpelungstag. Viele, viele Sachen wanderten heute dann doch in die Mülltonne. Entweder war es unnötiger Schrott oder schon sehr defektes Zeugs. Vielleicht hätte ich das eine oder andere noch reparieren und dann verschenken / verkaufen können. Aber meine Stimmung heute war RAUS! RAUS! RAUS! damit.

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Ein netter Nebeneffekt: das Aufräumen und Entrümpeln macht auch vor G´s Arbeitsbereichen nicht halt. So schön leer und minimalistisch wünschte ich mir gerade unsere ganze Wohnung. Aber erstens gehört ein großer Teil der Sachen meinem Mann (der noch nicht so auf den Entsorgungszug aufgesprungen ist) und zweitens werde ich sicher auch niemals eine 100-Teile-Minimalistin werden. Im Gegenteil: eine voll ausgestattete Küche für die Selbstversorgung oder ein gut bestückter Nähplatz müssen schon sein. Diese Dinge sind dann aber auch wirklich in Gebrauch und stellen keinen unnützen Ballast für mich dar.

Es geht also weiter mit meinem Experiment. Und so wie im Äußeren gerade vieles weicht und Platz geschaffen wird, so geschieht dasselbe in meinem Inneren um so mehr. Mal wieder will ich so vieles auf einmal tun und erreichen. Doch im selben Augenblick bremse ich mich aus. Gehe auf die Yogamatte. Zwinge mich trotz rasendem Gedankenkarussell zu atmen, zu dehnen, zur Ruhe zu kommen. Irgendwo las ich kürzlich „Das Leben ist keine To-Do-Liste“. Daran muss ich mich von Zeit zu Zeit wieder erinnern, wenn ich zu ungeduldig werde und mir selbst zu viel aufbürde. Aber ich lerne und wachse an meinen Herausforderungen. Jeden Tag ein Stück. Insofern trifft das hier zur Zeit beliebte Kinderlied Wir werden immer größer hoffentlich auch auf mich zu.

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