IELTS – I´m done!

Hui, ich sage Euch, die letzte Woche war mehr als turbulent! Die Nerven lagen bei mir blank, angesichts des bevorstehenden Sprachtests am Samstag und zu allem Überfluss mussten sowohl der Sohn als auch der Mann einen heftigen Magen-Darm-Infekt durchstehen. Zum Glück haben wir das nun hinter uns und ich kann ein wenig runter fahren und meine Gedanken sortieren.

AundO

Aber eins nach dem anderen. Der IELTS fand also am Samstag statt und der Knüller war die Location: Eigentlich hatte ich erwartet, in die Filiale des British Council am Alexanderplatz fahren zu müssen, aber eine Woche vor dem Testtermin bekam ich eine Mail, in der dieses Hostel als Location benannt wurde. Ich war total von den Socken, denn genau in diesem Hostel habe ich vor gut drei Jahren eine Verabredung mit dem Gründer eines fantastischen Ecovillages aus Neuseeland gehabt. Der war nämlich „zufällig“ gerade in Europa unterwegs mit seiner Familie und auch noch genau bei uns damals um die Ecke in diesem Hotel untergekommen, so dass ich schon wenige Tage nach meiner Mailanfrage dort mit ihm persönlich zusammen sitzen konnte. Das Ecovillage heißt Atamai und war die ganze Zeit über mein Favorit, auch wenn wir uns dann ja erstmal gegen ein direktes Auswandern entschieden hatten. Wie dem auch sei, ich dachte sofort „New Zealand is calling“ und nahm es als gutes Omen hin.

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Nach zwei unruhigen Nächten wegen kranker Familienbande musste ich dann auch noch die Kinderbetreuung für die Testzeit umplanen und bei Schneeregen und Glatteis durch die ganze Stadt kurven, um Söhnchen bei meinen Eltern abzuladen. Dann ging es auch direkt weiter nach Mitte und hinein in mein persönliches IELTS Abenteuer.
Alles in allem war es eine sehr angenehme Atmosphäre dort, die Teilnehmer_*innen waren fast alle sehr aufgeschlossen und ich kam schnell ins Gespräch – das war schon mal eine gute Vorübung für den mündlichen Part.

Die Briten sind ja echt ziemlich streng alles in allem. Nicht mal den eigenen Bleistift oder Radiergummi durfte man mit reinnehmen. Ansonsten waren aber die Prüfer_*innen wirklich bemüht, uns die Anspannung zu erleichtern und ich startete mit einem guten Bauchgefühl in den schriftlichen Teil.
Was ich etwas fies fand, ist die Tatsache, dass es keine Pause gibt für die ersten drei Abschnitte (Lesen, Hören, Schreiben) man also real Zeit verliert, wenn man in den drei Stunden mal auf Toilette muss. Und wer sich schon mit den Bedingungen für den IELTS auseinander gesetzt hat, weiß, dass ZEIT nicht gerade das ist, wovon man in den Aufgaben übermäßig viel hat.

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Der zweite Schock war für mich, dass ich während der Vorbereitung die Lese-Aufgaben immer auf ein separates Blatt gedruckt hatte und die Fragen dazu bequem daneben liegen konnten. Unter den Real-Test-Bedingungen hatte ich nie geübt und, ehrlich gesagt, überhaupt nicht darüber nachgedacht. Als dann das Booklet mit sämtlichen Texten und Fragen ausgeteilt wurden, geriet ich für ca 82 Sekunden lang in absolute Panik und sah mich schon komplett an dieser Aufgabe scheitern. Aber es half ja nichts, also riss ich mich doch soweit zusammen, dass ich anfangen konnte und zum Glück kam ich nach ein paar Minuten dann auch besser rein als befürchtet. Der Teil für das Leseverständnis war damit zwar definitiv die größte Herausforderung an diesem Tag, aber selbst hier hatte ich hinterher ein ganz optimistisches Gefühl.

Ein Riesenglück hatte ich mit dem Aufsatzthema: eine Argumentation darüber, ob Kinder lieber in der Schule oder von ihren Eltern gesunde Ernährung erlernen sollten. Da hatte ich wirklich schon mit schlimmeren Themen gerechnet (Weltraumforschung, Klimawandel, Multinationale Konzerne oder was weiß ich…) Also falls ich da nicht die gewünschten Punkte hole, dann lag es jedenfalls nicht am Thema.

Nach dem schriftlichen Part hatte ich etwa 3 Stunden Pause und unterhielt mich mit einem sehr netten Pärchen, das nach Kanada auswandern und den Selbstversorgertraum dort wahr machen möchte. Hach, es tut so gut zu sehen, dass wir nicht die einzigen sind, die solch verwegene Pläne schmieden. Diese zwei haben tatsächlich schon ein Grundstück angezahlt und werden so schnell wie möglich umsiedeln. Seufz, davon sind wir ja noch ein paar große Meilensteine weit entfernt, aber eines Tages wird es sicher so weit sein und wahrscheinlich kommt dieser Tag schneller, als wir jetzt noch vermuten.

Aber zurück zum Text: Die mündliche Prüfung war ebenfalls sehr angenehm, ich hatte eine total sympathische Prüferin, Heidi, und mit der Themenwahl noch mal so richtig Schwein: das meiste drehte sich um Familie und die Pflege älterer Menschen in der Gesellschaft. Auch bei den Kurzfragen zu Museen und Büchern schlug ich mich ganz wacker, glaube ich. Allerdings wäre ich da ohne Vorbereitung ganz sicher sehr ins Straucheln gekommen. Mein ultimativer Tip für den Speaking-Test ist tatsächlich sich „Themenkomplexe“ zu sammeln, für welche man dann nur ein paar wenige Details vorbereiten muss. So hatte ich zum Beispiel eine gute Vorstellung, was ich für ein spannendes Event gewählt hätte und dieses taugte gleichzeitig für Reise, Kurztrip, Markt und in meinem Fall als Ausweichthema in Sachen Museen und Historie. Ein anderes Sammelthema ist zum Beispiel Buch, Film, Sportevent gewesen, jedesmal hätte ich von Didi Hallervorden´s „Sein letztes Rennen“ erzählt. Das gab mir vorneweg die nötige Sicherheit und ich fand das Gespräch eigentlich ganz nett, fast ein bißchen kurz *hihi*

Zwei Wochen muss ich nun auf das Ergebnis warten und mein Anspruch lautet mindestens 7.0 Punkte in allen Teilen und einen Durchschnitt von 7.5 Punkten. Denn damit hätte ich die Option, zumindest bezüglich der Englischanforderungen, meine Hebammenanerkennung zu beantragen. Momentan sieht es zwar eigentlich nicht danach aus, dass ich in diesem Beruf wieder arbeiten werde, sondern vielmehr die Aufgaben der Selbstversorgung anpacken möchte. Aber es ist schließlich auch eine finanzielle Frage und falls ich keinen anderen Job finde, der genug Geld einbringt, hätte ich damit immerhin ein solides Standbein, auf das ich zurück greifen könnte. Aber T muss ebenfalls ein solches Ergebnis erzielen für seine Arztzulassung und da wäre es doch gemein, wenn ich mich auf einem niedrigeren Ergebnis ausruhen würde, oder?

Puuuh, ich merke, wie die Anspannung buchstäblich von mir abfällt. Heute morgen habe ich mir schon meine erste Yogaeinheit seit Monaten (!) gegönnt und habe fest vor, dies zu meinem Morgenritual werden zu lassen, solange ich die Möglichkeit dazu habe.

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Natürlich habe ich schon zig Dinge im Kopf, die ich als nächstes angehen will, in erster Linie setze ich mich gerade mit den bindungspädagogischen Impulsen von Brigitte Hannig auseinander und darüber möchte ich so viel wie möglich reflektieren und in Austausch kommen. Aber auch die gesunde Ernährung, der entspannte und zugleich strukturgebende Tagesrhythmus und einige Handarbeitsprojekte rattern auf meiner inneren To-Do-Liste vor sich hin. Das Schöne ist, ich habe jetzt keinen Termindruck mehr und kann wirklich eins nach dem anderen angehen, so wie es sich gerade gut anfühlt. Ich weiß, das ist ein absoluter Luxus und ohne meinen Mann wäre es ein Ding der Unmöglichkeit, dieses Leben gerade so zu führen. Ich hoffe, er weiß, wie dankbar ich ihm dafür bin und dass ich versuche ihm auch viel zurück zu geben, indem ich Kind und Haus und Herd versorge UND die Auswandermanagerin unserer Familie bin.

2016 – Ich bin da, voll da und jetzt kann es weiter gehen, denn der erste Meilenstein ist geschafft, juhuuuh!

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