Ich will zelten wollen!!!

Heute offenbare ich einen dunklen Abgrund meiner Persönlichkeit – zugegeben, für meine Freunde ist es ein offenes Geheimnis, aber wer neu hier ist, könnte schnell den Eindruck gewinnen, dass ich eine total taffe Outdoor-Braut mit grünem Daumen und allzeit gepacktem Biwak im Kofferraum bin. Dem ist leider (noch) überhaupt nicht so, aber genau darum geht es ja schließlich: um Entwicklung und Wachstum.

campen06

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich bin ein totales Stadtkind. Ein Indoor-Püppi mit Putzneurose und Spinnenphobie. Zelten war bis dato ein leuchtend rotes Tuch für meine Nervenenden. Der arme T, seines Zeichens Pfadfinder und Naturfreund, musste schon einiges mitmachen. Seit Jahren versuchte er bereits, mich für Urlaubsreisen zu begeistern, die mit Campen verbunden waren. Die erste Tour (2010) mit Wohnmobil ging nach Kroatien. Ich habe von den geplanten dreieinhalb Wochen nur knappe zwei durchgehalten, dann wollte ich heim, heim, heim. Mein Bett, mein Bad, mein Klo wieder haben. Kleintierbesetzte Gemeinschaftsduschen, die manuell zu leerende Chemietoilette und Ohrenkneifer im Teebecher habe ich damals nicht verkraftet.

campen07

Zwei Jahre später lief es schon etwas besser. Ich wusste zumindest, worauf ich mich einlasse und ich hatte den Ehrgeiz, mich auf unserer Neuseeland-Erkundungstour weiter ans Outdoor-Leben zu gewöhnen. Aufgrund der großen Entfernung und der hohen Reisekosten, hatte ich innerlich ein One-Way-Ticket für die Camping-Geschichte gebucht. Abbrechen war diesmal definitiv keine Option.

campen08

Und ich gab mein Bestes, diese Art des Reisens voll und ganz zu begrüßen und mich daran zu erfreuen. Ich kann sagen, dass ich – solange wir nicht im regnerischen Süden unterwegs waren- auch einigermaßen auf dieser Route geblieben bin. (Anmerkung der Autorin: dies ist eine subjektive, durch Abstand leicht verklärte Feststellung. Eine realistische Beschreibung meines Gemütszustandes könnte sicherlich mein Gatte abgeben, wenn er denn gefragt würde.)

campen09

Nun ist es so, dass -wie oben erwähnt- mein gesamter Freundeskreis um mein Camping-Problem weiß. Somit auch niemand auf die tollkühne Idee käme, uns zu einem Zeltevent einzuladen. Wie gut, dass man im Leben immer wieder auch mal neue Leute kennen lernt. Und von diesen neuen Bekannten wurden wir zu einem spontanen Zelt-Wochenende auf den Naturcampingplatz am Springsee eingeladen. Und glaubt man es denn? Ich habe die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und zugesagt. Kurz bekam ich noch kalte Füße und wollte T überreden, doch last minute ein Wohnmobil zu chartern, aber er blieb eisern und suchte mit mir gemeinsam das Zelt und die Schlafsäcke aus dem Keller.

campen01

Wie es das Universum wollte, kam ich Stunden vor allen anderen mit G auf dem Zeltplatz an. So gerne wollte ich T und unsere neuen Freunde mit einem aufgebauten Zelt überraschen. Youtube und Co konnten mir nur bedingt weiter helfen (weshalb ich für alle, denen es ähnlich ergeht ein Aufbau-Tutorial für das Zelt Korfu #3 von TrekKing in Planung habe).

campen02

Nachdem ich also mithilfe meines Kleinen etwa eine halbe Stunde lang damit beschäftigt gewesen war, das Zelt auf die erdenklichst falsche Weise im Boden zu verankern (glücklicherweise ist kein allzu großer Schaden dabei entstanden), kam ein hilfsbereite Camperin auf mich zu und bot mir ihre Unterstützung an. Das klappte dann deutlich besser und kurze Zeit später hatte ich mein persönliches Etappenziel erreicht: Das Zelt stand. (Unglücklicherweise hatte ich mich im falschen Bereich des Platzes nieder gelassen und musste später alles nochmal ab- und auch wieder aufbauen, aber das hat meine Kompetenzen in Sachen Zeltbau nur vergrößert.)

campen03

Trotz aggressiver Feuerameisen und durstiger Mückentiere blieb meine Laune ziemlich weit oben. Und das Begrüßen und gemeinsame Ankommen hier am Springsee war ganz wunderschön.

campen04

Auch G konnte viel gucken und erforschen, doch leider waren nicht alle Tiere so harmlos wie dieser schöne Käfer hier. Unser Junge wurde mehrmals von Mücken attackiert und hatte zwei ganz besonders große Stiche, die ihm in der Nacht furchtbar zusetzten. An Schlafen war nicht zu denken und wir hatten nur die antroposophische Mückensalbe dabei, hier hätten wir aber wohl eine etwas wirksamere Chemie-Variante gebraucht. So kam es, wie es kommen musste: T und ich fuhren nachts um zwei Uhr zurück nach Berlin, um wenigstens ein bißchen Schlaf zu bekommen. Tatsächlich schlief G auch nach einer halben Stunde Fahrt im Auto ein und zuhause dann auch recht schnell nochmal weiter, so dass wir gegen 7 Uhr leicht gerädert aufstanden und uns für die Rückfahrt nach Storkow fertig machten.

campen05

Zum Glück kamen wir gut durch und konnten den Samstag noch komplett am See verbringen. Inklusive Regenschauer (den ich mittelentspannt verkraftet habe) und experimentellem Abendessen vom Camping-Kocher. Trotz Stress und Anstrengung hat es sich gelohnt. Und erstens haben wir unsere Spontaneität, Flexibilität und unser Durchhaltevermögen mal wieder austesten können (braucht man alles fürs Auswandern) und außerdem meine Outdoor-Tauglichkeit um einige Prozentpünktchen erhöht.
Wir sind dann allerdings nicht noch eine weitere Nacht geblieben, das Risiko war uns zu hoch, das wir uns erneut völlig übermüdet auf Reisen begeben müssen. Dafür muss ich mir jetzt wohl noch eine Weile anhören, dass wir immerhin schonmal eine halbe Nacht gezeltet haben!

Schreibe einen Kommentar

*