Erfahrungsbericht: Zimmerbohne

Wer mich kennt, sollte es eigentlich wissen: Ich bin ohne grünen Daumen geboren. Wenn es den braunen Daumen gäbe, hätte ich wohl zwei davon.

Das einschneidendste Erlebnis diesbezüglich hatte ich im Jahr 2005. Ich sollte für meine Nachbarin im Hebammenwohnheim die Pflanzen gießen, solange sie im Urlaub war.

Die Zusage war schnell gemacht, ebenso schnell verschwand der Briefumschlag mit dem Zimmerschlüssel in der obersten Schreibtischschublade. Was soll ich sagen? Er lag dort, bis ich besagter Kollegin zwei Wochen später in die Arme lief und dies war auch der Moment, in dem mir wieder einfiel, dass ich ja eine Aufgabe übernommen hatte. Autsch.

Die Pflänzchen haben es tatsächlich allesamt nicht überlebt und dank der vorwurfsvollen Blicke meiner Kollegin, wurde ich auch regelmäßig an meinen Fehltritt erinnert.

Nach diesem Trauma und ein paar weiteren kläglichen Versuchen, die Zimmerpflanzen zu pflegen, die T in unsere Wohngemeinschaft eingebracht hatte, überließ ich das Gärtnern dann lieber für einige Jahre denjenigen, die es auch beherrschten. Man muss ja nicht alles können.

Und dann?

Dann kam G in unser Leben und als hochmotivierte Mutter fasste ich schnell die allerbesten pädagogischen Vorsätze, meinem Kind den Umgang mit Pflanzen und das Wunder des Lebens und Wachsens nahe zu bringen.

Komplett vergessen waren auf einmal all die Rückschläge und die unzähligen verdorrten oder völlig überwässerten Chlorophyll-Leichen meiner Vergangenheit.

Wie gerufen kam da das Geschenk meiner lieben Freundin S.

Es handelte sich um eine pflegeleichte, quasi ganz von allein empor sprießende Bohne. Auch für Laien und botanische Totalversager geeignet. Ich nahm die Herausforderung an und machte mich mit G ans Einpflanzen und Gießen nach Vorgabe. Alle drei Tage dürfte wohl zu schaffen sein.

bohne02

Da G das Bewässern mit seiner kleinen Gießkanne so viel Spaß machte, wurde die Bohne tendenziell etwas mehr bewässert als geplant, was dazu führte, dass die künstliche Erde (die Teil des Geschenks war) nach und nach durch die großen Poren des Blumentopfes sickerte (der dafür nicht vorgesehen war.) Ich versuchte mehrmals etwas unbeholfen, die Bohne einigermaßen mittig im Topf zu halten.

Nach gut einer Woche erschrak ich mich fast zu Tode, als ich bei diesem Prozess auf einmal einen bleistiftdicken, etwa 4 cm langen Trieb in der Hand hatte. Ohjeh, was war nun damit zu tun? War es Keimblatt oder Wurzel oder etwas völlig anderes?!

Ich entschied mich für Keimling und grub die Bohne nur noch zur Hälfte ein. Als zwei Tage später der „Keimling“ an der Luft trocken und runzlig geworden war, setzte ich kurzerhand doch lieber auf Wurzel, drehte das gute Stück wieder um und hoffte, dass es mir die 48 Stunden Kopfstand nicht allzu übel nehmen würde.

An diesem Punkt hatte T dann doch etwas Mitleid mit mir und topfte das Pflänzlein fachmännisch in echte Erde um. So blieb es von da an auf seinem Platz, unabhängig vom Grad der Überschwemmungen aus G´s Gießkanne.

Nur wenige Tage später konnten wir dann wirklich etwas sehen und danach schien die Bohnenpflanze beinahe stündlich zu wachsen. Ein faszinierendes Schauspiel.

Ungefähr drei Wochen stand der Topf bei uns in der Küche, dank G´s Enthusiasmus vergaß ich auch nicht, sie regelmäßig zu gießen (er holte immer seine Kanne aus dem Schrank und zeigte energisch auf den Wasserhahn).

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So ist es absolut tragisch, dass ich das Leben unserer grünen Mitbewohnerin letztendlich ganz unerwartet auf dem Gewissen hatte.

G war schon so routiniert beim Gießen geworden, dass ich mir einen kleinen Augenblick der Unachtsamkeit erlaubte. Nur wenige Minuten war ich abgelenkt mit banalen Haushaltsverrichtungen, doch als ich wieder auf Kind und Pflanze hinunter blickte, war es schon zu spät: Der Kleine hatte in seinem Entdeckerdrang die arme Pflanze aus der Erde gerissen; doch damit nicht genug: Das schöne, saftige Blatt lag in vielen kleinen Fetzen auf dem Boden verstreut, ebenso das Wurzelwerk. Der Schaden war irreversibel. Ich war traurig und von Schuldgefühlen geplagt.

Vor lauter Schreck vergaß ich Glatt das Desaster zu fotografieren. Also dürft ihr mit mir unser Experiment mit den schönen Bildern seiner Hochphase in Erinnerung behalten.

bohne03

Wie ist das bei Euch? Grüner oder brauner Daumen? Was war euer schlimmstes Ereignis in Bezug auf Blumen, Pflanzen oder Gärtnerei?

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