Jurtenwochenende

Sonne, Regen, Stockbrot, Glühwürmchen, Singen, Walderdbeeren, Schneckenrennen… so war unser Gemeinschaftstreffen über Fronleichnam!

Schon seit Wochen hatten wir auf dieses Wochenende hingefiebert – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die 14 Tage vor dem Treffen waren wir allesamt total krank hier. Bronchitis, Sinusitis, Otitis und beim Lütten auch tüchtig Fieber hatten uns hartnäckig im Griff. Was für ein Glück, dass wir gerade noch rechtzeitig wieder halbwegs auf dem Damm waren.

Von unserer derzeit etwa 20-Personen-starken Gründungsgruppe (nur die Erwachsenen gezählt) schafften es immerhin 9 zu unserem gemeinsamen Jurtenwochenende in der Nähe von Augsburg. Und so hatten wir nach unseren bisherigen sehr kopflastigen, konzentrierten Arbeitstreffen hier in unserem Heimatort endlich mal die Gelegenheit, uns auch in einem deutlich entspannteren Setting zu erleben und miteinander zu leben.

Da alle anderen in ihren Autos oder Zelten schliefen, hatten wir den Luxus, die Jurte allein bewohnen zu dürfen. Aber natürlich war sie tagsüber – vor allem in den Regenphasen – ein zentraler Versammlungsort für unsere Gruppe.

Wir haben versucht, inhaltlich einiges zu erarbeiten. Jedoch gestaltete sich das durch den hohen Lärmpegel in der Jurte (Regengeprassel), die eingeschränkten Lichtverhältnisse und die anwesenden Kinderlein als sehr anstrengend. Immerhin ein paar Ergebnisse haben wir doch zusammen getragen und den Rest der Zeit nutzten wir für so schöne Dinge wie gemeinsames Trommeln, Singen oder Lachen am Lagerfeuer.

Ich war von tiefer Freude erfüllt, als ich erlebte, wie unser Kleiner sowohl mit dem anderen gleichaltrigen Menschen, als auch mit den verschiedenen Erwachsenen hier am Ort interagierte. Wie sich ganz selbstverständlich dieser Zustand von Wahl-Großfamilie ergab, in dem jede*r seinen Platz findet und alle aufeinander achten, damit es auch allen gut geht.

Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie meine Gedanken zurück schweifen zu unserer Reisezeit. Damals, als wir noch nirgends hin- und bei niemandem wirklich dazugehörten. Wie oft habe ich diese Sehnsucht in meinem Herzen gespürt, selbst Teil einer solchen Gruppe zu sein, die sich füreinander entschieden hat und Schritt für Schritt auf dem gemeinsamen Weg entlang geht.

Gewiss, unsere Gruppe ist zum jetzigen Zeitpunkt wohl noch nicht so fest verschweißt, dass ich behaupten würde, dass wir diesen Zustand schon komplett erreicht haben. Dennoch merke ich, wie die Verbundenheit mit jedem Treffen wächst und wie die gemeinsame Vision Puzzleteil für Puzzleteil Gestalt annimmt. Ich fühle mich zugehörig, angenommen, wertgeschätzt und liebevoll verbunden. Und das ist für mich eine wundervolle Basis, die dann eigentlich doch in recht kurzer Zeit entstanden ist.

Die Vielfalt, die durch das Gemeinschaftsleben entstehen kann, war auch schon an diesem kurzen Wochenende spürbar: es gab Crépes und selbst gebackene Brötchen, es gab Gitarrenspiel und Kanonsingen, Traumkreise, Muttertrommelschlagen, unendliche Momente der Schneckenbeobachtungen und noch so vieles mehr.

Da machte es auch überhaupt nichts, dass die Jurte nicht ganz dicht war, dass ich nachts im Starkregen über die sumpfige Wiese hinweg meine schwangere Blase entleeren gehen musste, dass die inhaltliche Arbeit vielleicht diesmal nicht ganz so rund lief oder die Kinder auch mal etwas quengelig waren. Denn auch diese Dinge gehören zum Leben dazu und wenn man sich aufgehoben und verbunden mit seinen Mitmenschen fühlt, dann sind das alles bloß Nebensächlichkeiten, die gar nicht wirklich ins Gewicht fallen.

Ich bin jedenfalls ganz beseelt und bereichert nach diesem Wochenende und stehe schon wieder in den Startlöchern für unser nächstes Event. Geplant ist eine ganze Gemeinschaftswoche und ich hoffe, dass ich die noch gut überstehe, auch wenn mein Bauch dann wahrscheinlich schon ins Nachbarzelt reichen wird, wenn der weiter so tüchtig wächst…

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