Gesundheitsvorsorge oder Selektion des „perfekten Menschen“?

Langsam, ganz langsam sickert das wohlige Gefühl von wachsender Sicherheit in mich hinein. Ein Gefühl des Vertrauens und der Zuversicht. Ich befinde mich in der 8. Schwangerschaftswoche.

Natürlich ist es noch super früh und eine Garantie gibt es sowieso nicht, für nichts. Aber ich merke, wie ich doch bereits eine zarte Bindung zu diesem Wesen da in mir drin aufbaue. Einen Bauchnamen hat es auch schon, es ist das spanische Wort für Popcorn und ungefähr so groß ist es ja jetzt wahrscheinlich auch schon. Wie ein kleines aufgepopptes Maiskörnchen…

Während also meine Gefühls- und Gedankenwelt sich gerade extrem verändern, meine Ernährungsgewohnheiten von ganz alleine neue (noch gesündere) Bahnen einschlagen und ich beginne, mit diesem winzigen Kindelein da unten zu kommunizieren, steht für die wenigen bereits eingeweihten Freund*innen meist die eine Frage an: Ob ich schon einen Termin bei meiner Frauenärztin gemacht habe.

Das ist die Normalität, in der wir leben, oder? Schwanger = ab zum Arzt?  Also für mich gilt diese Formel tatsächlich nicht. Ich habe die glücklichen Voraussetzungen, mit 16 in eine Heilpraktikerausbildung gestartet zu sein und im Anschluss daran noch die Hebammenkunde erlernt zu haben – da darf ich mit Fug und Recht behaupten, dass mein Menschenbild, mein Selbstbild als Frau, dass Verständnis für meinen Körper, doch wirklich ein anderes ist.

Ich gehe nämlich in Sachen Schwangerschaft grundsätzlich erstmal vom Gesunden aus, solange nichts Auffälliges etwas anderes vermuten lässt. Dieses Privileg kann ich genießen, da ich bislang keine schweren Grunderkrankungen erleiden musste und meine inneren Organe bis dato ziemlich zuverlässig ihren Job ausgeführt haben. *klopfaufholz*

Mit dieser Grundlage im Gepäck hoffe ich auf eine fachlich kompetente Schwangerschaftsbegleitung, bei der es darum geht, dass mein Kind und ich fit sind (und bleiben) und dass Knirpsi in Ruhe wachsen und sich nach seinem eigenen Bauplan gemäß entwickeln darf – und nicht dass wir irgendwelchen (mehr oder weniger willkürlichen) Normen entsprechen.

Also berichte ich euch heute mal von meinen Gedanken über die Vorsorgeuntersuchungen, die für mich wichtig und sinnvoll sind und welche ich hingegen getrost an mir vorbei ziehen lasse. Und zwar völlig ohne das Gefühl, etwas zu verpassen oder nicht das Beste für mein Kind ausgeschöpft zu haben.

 

Kurzer Exkurs an dieser Stelle

Man sollte ja eigentlich annehmen, dass der Fokus der gesamten Schwangerenvorsorge einzig und allein darauf läge, die Gesundheit und das Leben von werdender Mutter und heranwachsendem Kinde zu schützen und zu erhalten. Und so war es wohl auch viele Jahrhunderte lang, wenn ich den Ausführungen meiner Weiterbildung in der THK (Traditionelle Hebammenkunst) glauben schenke. Lange Zeit ging es wohl wirklich „nur“ darum, dass es der Mutter „gut geht“ und keine Gefahren für ihr Leben drohen sowie dass das Kind vital ist, gut versorgt wird und somit wächst und gedeiht.

Doch es änderte sich der Schwerpunkt der Mutterschaftsvorsorge im Laufe des letzten Jahrhunderts gewaltig. Jahrelang galten plötzlich als lebenswert nur noch gesunde, kräftige Kinder der rechten „Rasse“, natürlich ohne schwere Behinderungen an Geist und Körper. Diese verstärkt kindorientierte, kontrollierende, vermessende, in Normen pressende Sichtweise trat in Form von moderner Apparate-Technik wie Ultraschall und auch CTG-Geräten über die Jahre immer stärker in den Vordergund und verdrängte nach und nach die ursprüngliche, hebammengeleitete, mutterzentrierte Begleitung der Schwangeren.

Sämtliche Errungenschaften im Bereich von verbesserter Technik und Apparatur (in der Geburtshilfe) wurden hoch als Fortschritt angepriesen, ohne ausreichend auf deren wahre Aussagekraft, geschweige denn ihre negativen Folgen zu achten. Die Auswirkungen dieser hochtechnisierten Schwangerenbetreuung bekommen die Frauen heutzutage in vollem Maß zu spüren. Und die Hebammen, die versuchen, sie durch diesen Dschungel halbwegs entspannt durchzumanövrieren, ebenso.

Denn wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der Eltern bereits in der allerfrühsten Frühschwangerschaft mit weitreichenden Entscheidungen konfrontiert sind, welche der zahlreichen, möglichen Tests, Untersuchungen und sog. Risikobewertungen des kleinen Sprösslings da im Bauch in Anspruch genommen werden sollen.

Während in früheren Jahrhunderten der Fokus in der Frühschwangerschaft wohl eindeutig darauf lag, wie gesund und (körperlich) belastbar die Frau selbst war und mit welchen Problemen gesundheitlicher Art man bei der werdenden Mutter rechnen könnte, ist in den frühen Vorsorgen im Jahr 2018 wohl eher von Nackenfalte, Triple-Test und Chorionzottenbiopsie die Rede.

Selektion. Selektion. Selektion. Darum geht es in unserer heutigen Lebensrealität. Von der uterinen Gesundheit spricht schon lange kein Mensch mehr, und schon gar nicht davon, welchen Schaden es der Eltern-Kind-Bindung zufügen kann, wochenlang erst auf bestimmte Testergebnisse zu hoffen, bevor man sich mit ganzem Herzen FÜR dieses Kind, FÜR dieses Leben entscheiden will.

Für mich gibt es jedoch ganz klare Wegweiser, denen ich beim Durchschreiten dieses Vorsorgelabyrinths folgen möchte. Sie haben mir in meiner ersten Schwangerschaft gute Dienste geleistet und werden es sicher auch dieses Mal wieder tun. Sie lauten:

  1. Hebammenvorsorge, so viel wie möglich
  2. Ultraschalluntersuchungen so wenig wie möglich
  3. Bei unauffälligem Verlauf keine CTG-Untersuchungen
  4. Keine Untersuchungen, deren Ergebnis mich beunruhigen können, die aber keine (therapeutische) Konsequenz haben

Hebammenvorsorge, so viel wie möglich

Warum? Weil Hebammenvorsorge sicher ist. Weil sie präventiv wirkt. Weil der psychosoziale Aspekt enorm wichtig ist in der Begleitung einer schwangeren Frau. Weil ich darauf vertrauen kann, in meiner Individualität gesehen zu werden, dass wirklich auf mich eingegangen wird. Weil es einfach ein gutes Gefühl ist, wenn der Fokus der Vorsorge auf mir als Frau und werdender Mutter liegt. Es macht total Sinn, dass die Untersuchungen mit Zeit und Ruhe in meinem eigenen häuslichen Umfeld stattfinden. Ich brauche mir keine Gedanken um Anfahrtswege, Wartezeiten oder dergleichen zu machen. Egal ob mich am Anfang die Übelkeit plagt oder später die Symphyse schmerzt, die Hebamme kommt zu mir und bringt alles mit, was es für eine vollständige Schwangerenvorsorge braucht. Mir werden keine (unnötigen) Untersuchungen „aufgeschwatzt“, ich fühle mich gesehen, unterstützt und in meinem Weg bestärkt.

Ich lasse demnach die folgenden Untersuchungen bei mir durchführen:

  • Vitalwerte (Blutdruck, Puls, Temperatur)
  • Urinkontrolle auf Zucker, Eiweiß, Nitrit, Leukozyten
  • Gewichtskurve
  • Kontrolle auf Wassereinlagerungen / Krampfadern
  • Wachstum der Gebärmutter / Wachstum des Kindes und manuelle Beurteilung der Fruchtwassermenge
  • Herztöne des Kindes mit Hörrohr oder Doptongerät
  • Chlamydienabstrich, sowie alle von der Krankenkasse bezahlten Blutuntersuchungen (Blutbild, Antikörpersuchtest, Röteln, Syphillis, HIV, Hepatits, etc.)

Ultraschalluntersuchungen so wenig wie möglich

Generell gilt für mich der Leitsatz: Wer viel misst, misst irgendwann Mist. Besonders beim Ultraschall in der Schwangerschaft sehe ich mich in dieser Annahme absolut bestätigt. Ob mein Kind gut wächst und gedeiht, ob seine Herztöne gesund klingen – das alles kann eine Hebamme auch ohne technisches Gerät heraus finden. Und die Hände einer Hebamme können ja so vieles mehr als die technische Ausmessung einiger definierter Parameter. Die Hebamme fühlt beim gründlichen Abtasten z.B. das Kind in seiner Ganzheit, spürt die Bewegungen und seine Beweglichkeit, ertastet die Bauchmuskulatur und die Beschaffenheit der Gebärmutter und ihrer Bänder und noch vieles mehr. Was der Ultraschall alles gar nicht kann.

Ich persönlich plane bei normalem Verlauf innerhalb der ersten 40 Wochen meiner Schwangerschaft genau eine Ultraschalluntersuchung, nämlich die um die 22.-24. Woche herum – auch häufig als „Organschall“ oder „Feindiagnostik“ betitelt – bei einer darauf spezialisierten Praxis wahrzunehmen.

Derselbe Plan galt auch schon in Schwangerschaft Nummer 1. Allerdings hatte ich letztlich insgesamt drei Untersuchungen und das hatte unterschiedliche Gründe: Den ersten hatte ich spontan in der gynäkologischen Ambulanz in der 7. Woche, denn ich hatte an diesem Tag ein sogenanntes „Spotting“. Das ist eine minimale bräunliche Blutung. Ich wusste vom Kopf her zwar, dass dies überhaupt nichts Schlimmes zu bedeuten haben musste, aber ich wollte in dem Moment Gewissheit, wie es gerade in meiner Gebärmutter aussieht. Und diese Untersuchung war demnach wichtig für mich und mein Gefühl und ich bereue sie nicht.

Dann brauchte ich ja noch einen Frauenarzt (ich hatte damals keinen), der im Idealfall auch die Feindiagnostik anbot UND für Hebammenvorsorge aufgeschlossen war. (Gar nicht so einfach zu finden, das sag ich euch). Es gelang mir aber dank meiner damaligen Hebammenkontakte dann doch und ich rutschte in die Patientenkartei rein, dafür brauchte es aber natürlich ein Erstgespräch. Hmm, naja, sagen wir mal so: Ich habe an diesem Tag nicht gerade vor Durchsetzungskraft gestrotzt oder mich mit Ruhm bekleckert, denn schwupps, lag ich – damals in der 13. Woche – doch plötzlich auf diesem Gyn-Stuhl und sah auch schon mein kleines Pumba (Bauchname) auf dem Monitor herumschweben. Das war jetzt retrospektiv kein Drama, aber es war definitv ein US mehr, als ich wirklich gewollt hätte. Egal, passiert mir diesmal ja nicht mehr, da geh ich so früh gar nicht erst in eine Arztpraxis hinein, haha!

Bei unauffälligem Verlauf keine CTG-Untersuchungen

CTG kennt ihr nicht? Das ist so ein Apparat, der misst die kindlichen Herztöne und parallel auch noch die Anspannung in der Gebärmutter (Wehen). Die moderne Geburtshilfewelt ist voll von dem Ding, überall hängen die dicken Bäuche stundenlang an diesen nervtötenden Geräten. Den wirklichen Nutzen davon konnte mir bisher noch niemand wissenschaftlich belegen. Den Stress und die Verunsicherung, welche hingegen Mutter und Kind bei dieser Form der Überwachung erleben, kenne ich als Hebamme zu genüge. Danke, aber nein danke. Mir reicht da in der (gesunden!!! unauffälligen!!!) Schwangerschaft die Herztonkontrolle mittels Pinardrohr oder auch mal Dopton völlig aus, alles andere ist für mich unnützer Humbug mit unerwünschten Nebenwirkungen. (Siehe auch 2.: Wer viel misst, misst Mist.)

Hat das Ergebnis dieser Untersuchung eine therapeutische Konsequenz?

Die Crux an der Sache mit der hoch-technisierten Schwangerenvorsorge (und eigentlich an unserem gesamten Gesunheitssystem übrigens) ist ja die: Frau und Kind werden erst mal nicht per se dadurch gesünder, dass immer mehr und mehr an ihnen ausgetestet und herumdiagnostiziert wird. (Eher im Gegenteil würde ich behaupten, aber das ist vielleicht auch nur mein subjektiver Eindruck.)

Nur sehr wenige schwere Erkrankungen des Feten erhalten durch teilweise wiederum durchaus risikoreiche, medizinische Interventionen in utero (in der Gebärmutter) eine bessere Prognose als ohne eine solche Therapie.

Die allermeisten gefundenen Auffälligkeiten bleiben statt dessen völlig ohne therapeutische Konsequenz und belasten eher noch die Eltern-Kind-Bindung, trüben die sorglose „gute Hoffnung“ oder sind einfach mal für niemanden hilfreich.

Womit wir vielleicht passenderweise bei der Frage wären, warum ich den Ultraschall um die Mitte der Schwangerschaft für mich als sinnvoll erachte?

In diesem Stadium (ca. 22.-24.Woche) kann der Spezialist tatsächlich eine ganze Reihe an schweren Organfehlbildungen erkennen bzw. auch ausschließen. Einige dieser Erkrankungen haben tatsächlich eine deutlich günstigere Prognose, wenn bei der Wahl des Geburtsortes, manchmal auch bei der Art der Geburt (Vaginale Geburt/ Kaiserschnitt) darauf eingegangen wird.

So würde ich kein Kind mit einem deutlich sichtbaren Herzfehler Zuhause oder in einer Klinik ohne Kinderstation auf die Welt bringen. Und ein Kind mit „offenem Rücken“ sollte nunmal für eine optimale Versorgung per geplantem Kaiserschnitt geholt werden. Punkt. Und daran gibt es nichts zu rütteln. Und da würde ich mir sehr wohl im Nachhinein Vorwürfe als Mutter machen, diese Untersuchung nicht gemacht zu haben. Denn sie hat direkte Auswirkungen auf die Versorgung und damit gesundheitliche Entwicklung meines Kindes.

Ein positiver Nebeneffekt ist außerdem, dass ich zu diesem Zeitpunkt in der Schwangerschaft dann auch noch mit Gewissheit erfahre, wieviele Bewohner*innen ich denn nun eigentlich an Bord habe (wäre ja schon ganz nett, das in dieser Phase dann schon zu wissen) und ob die Plazenta einen guten Sitz hat. Auch dies kann nämlich durchaus Konsequenzen für die Geburt haben.

Ihr seht, ich bin gar nicht komplett Anti-Ultraschall! Im Gegenteil: Sinnvoll eingesetzt und genutzt, halte ich ihn für einen Segen der modernen Zeit.

Damit kommen wir aber noch zum letzten Punkt meiner Überlegungen, nämlich zu einer absolut grundlegenden Frage, die ich als Mensch bereits vor langer Zeit für mich selbst beantwortet habe:

Gibt es eine mögliche Diagnose, die es mir unvorstellbar machen würde, dieses Kind auszutragen bzw. zu behalten?

Ist es möglich, dass ich mich aktiv dazu entschließen würde, dieses Kind töten zu lassen und die Schwangerschaft zu beenden aufgrund einer (wahrscheinlichen) Fehlbildung und/oder Chromosomenabweichung?

Meine Antwort ist ganz klar: Nein, das ist es nicht. Ich habe mich entschieden, ein Kind willkommen zu heißen. Es gibt keine Garantie auf ein gesundes Kind. Niemals. Nicht in der 9. Schwangerschaftswoche, nicht zur Geburt, nicht, solange das Kind lebt und dieser Welt ausgesetzt ist. Ich nehme die Verantwortung an, die es beinhaltet, sich FÜR das Elternwerden zu entscheiden und ich bin sicher, das Leben wird uns schon genau die Aufgaben stellen, die wir brauchen, um zu wachsen und zu lernen. Jeder Mensch ist ein Geschenk. Jeder Mensch ist etwas ganz Besonderes und ist es wert, geliebt und behütet aufzuwachsen. 

Und selbst, wo das nun klar ist, könnte ich ja trotzdem noch weiter fragen: Würde es mein Schwangerschaftserleben oder unser ganzes Leben an sich verbessern, wenn ich von der Frühschwangerschaft an im Kopf hätte, dass dieses Kind wahrscheinlich behindert zur Welt kommen wird? Meine Antwort lautet wieder: Nein, das denke ich nicht. Ich möchte die Schwangerschaft so weit wie möglich in einem Zustand „guter Hoffnung“ verbringen, eine innige Beziehung und Bindung zu diesem „perfekten“ kleinen Wesen aufbauen und mich nicht von äußeren Stimmen verunsichern lassen. Ich möchte nicht alles untersuchen lassen, bloß weil man es untersuchen kann. Ich wünsche mir ein wenig Zauber, ein wenig Geheimnis und reine, beglückende Vorfreude auf diesen Menschen, der da zu uns geschickt wurde. Eine frühe Wahrscheinlichkeitsberechnung irgendwelcher Störungen und Abnormalitäten helfen mir auf diesem Weg nicht weiter.

Und wie seht ihr das? Wie lauten wohl eure Antworten auf die vielen großen Fragen des Elternwerdens? Was wollt(et) ihr vorab unbedingt erfahren, an welchen Stellen habt ihr abgewartet, was kommt? Eure Geschichten interessieren mich sehr! 

2 Kommentare bei „Gesundheitsvorsorge oder Selektion des „perfekten Menschen“?“

  1. Das sind wirklich sehr schwierige Fragen, von denen ich mir natürlich am Anfang meiner Schwangerschaft viele Gedanken gemacht hab.

    Ich bin ja nun mal zum ersten Mal schwanger und da ich sonst ein absoluter Arztmuffel bin, habe ich tatsächlich alle Bluttests machen lassen.

    Ich mag meine Ärztin tatsächlich sehr gerne und mich beruhigt es ungemein, sie alle 4 Wochen zu sehen 🙂 allerdings stand für mich fest, kein „Ultraschall-Abo“ zu buchen, was auch für meinen Mann ok war. Ich habe letztendlich auch mehr Ultraschall bekommen (in der 10. Woche auch wegen ganz leichter Blutungen im Krankenhaus) und bei der Nackenfaltenmessung. Die war mir tatsächlich wichtig, obwohl sie sehr umstritten ist. Denn ein Kind, was wohl noch im Mutterleib sterben wird, wollte ich unter keinen Umständen länger „als nötig“ austragen… das ist aber meine ganz persönliche Meinung. Kann auch jede andere Meinung dazu verstehen. Wie es bei einem erhöhten Risiko bei Trisomie 21 ausgesehen hätte? Keine Ahnung… ich weiß nur, dass ich gerne vorbereitet bin. Ich möchte nicht die Schwangerschaft ganz unbesorgt sein und bei der Geburt „bricht eine Welt zusammen“ (auch wenn es rational natürlich nicht so schlimm wäre).

    Klar, eine Garantie gibt es nie, nie Mals. Aber ich war ja noch nie schwanger und bei jedem Zwicken und Zwacken hab ich natürlich keine Ahnung, ob das jetzt normal ist. Da fand ich das CTG beruhigend, das mir sagt, nee, diese Bauchschmerzen, das sind keine Wehen.

    Also ich kann deinen Standpunkt absolut nachvollziehen und würde an deiner Stelle sicher ähnlich handeln. So als unsichere Erstschwangere, mit absolut null Erfahrungswerten (ob beruflich oder aus dem Umfeld, abgesehen von meiner eigenen Mama :D) bin ich echt froh, zum Arzt zu können. Und ich habe eine gute Ärztin, die mich (bis jetzt) immer beruhigen konnte.

    Aber das ist ja, wie bei so vielen Dingen, eine sehr individuelle und persönliche Entscheidung. Als kleinen Bonus beim Ultraschall fand ich übrigens noch, dass mein Mann immer dabei war und ich das Gefühl hatte, auch so wird seine Bindung zum Knirps jedes Mal ein Stück größer. Wäre jetzt nicht 100% Pro-Argument, aber für mich war es soooo schön, beim schallen seine glänzenden und verliebten Augen zu sehen 🙂

    Liebe Grüße,
    EsistJuli

  2. Danke für deine Erfahrungen!
    Und ich kann die voll und ganz nachvollziehen, wirklich.
    Als Erstgebärende ohne medizinischen Background machen sehr viele der Untersuchungen natürlich erstmal Sinn und suggerieren Sicherheit. Davon lebt der „Markt“ 😉
    Als Hebamme habe ich halt zu oft die negativen Folgen gesehen, nämlich die Verunsicherung und Ängste, die durch die Ergebnisse bei den Schwangeren ausgelöst wurden. Wenn alles im Normbereich ist, geht’s den Eltern gut und sie genießen den „Blick“ auf das Baby, fühlen sich sicher.
    Aber sobald ein Wert nicht mehr ganz stimmt, geht leider zu oft eine Kettenreaktion von Folgeuntersuchungen los, die vor allem Spannung und Sorgen schüren. Und um diese geht’s mir, die will ich persönlich vermeiden.
    Und ich kann auch total nachvollziehen, dass frau ein nicht lebensfähiges Kind nicht austragen möchte, bis es von selbst geht, sondern lieber aktiv die Schwangerschaft beendet. Oder dass es für manche wichtig ist, eine Ahnung zu haben, was auf sie zukommt, wenn eine bestimmte Diagnose im Raum steht. Für mich gilt das nur einfach nicht.
    Alles liebe dir! J.

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