Die Woche der missglückten Konsistenzen

Eigentlich arbeite ich innerlich schon seit Tagen an einem Text über meine Ideen zu Ernährungsethik und die moralischen Verstrickungen, die mir bei jedem Blick in unsere Speisekammer durch den Kopf schießen. Aber so richtig voran komme ich damit irgendwie nicht, vielleicht liegt es ja daran, dass ich es selber noch nicht ausreichend hinkriege, nach meinen inneren Idealen im Alltag zu bestehen.

Nun sind mir diese Woche jedenfalls bei meinen definitiv nicht-regionalen, nicht-besonders-nachhaltigen veganen Rezeptversuchen gleich zwei Pleiten passiert… Doch so ist das Leben, es gibt nicht immer nur von Erfolgen, durch und durch Positivem und stetiger Harmonie zu berichten. Also zeige ich euch heute meine beiden Küchenpleiten des Monats, ungeschminkt und ohne Beschönigungen.

1. *No Fail*  *3 Ingredients* Vegan Chocolate Fudge

Der Name ist schon mal der Ironie-Knaller, schlechthin. Denn weder sind in der Masse nur 3 Zutaten, noch ist es auch nur ansatzweise versagenssicher!

Als die *3* Zutaten wurden diese hier benannt:

  • Kondensierte Kokosmilch
  • Zartbitterschokolade
  • Kokosöl
  • Salz

Also erstens sind das allein schon mal 4 Zutaten, aber ok, da könnte ich ja noch mal gnädig sein, oder? Doch die Zutatenliste der Zartbitterschoki und der Kondens*milch* ist natürlich wesentlich länger, da es sich um bereits hoch verarbeitete Produkte handelt. Aber ja gut, natürlich waren es für MICH beim Zubereiten dann nur 3 (4) Zutaten, das stimmt schon so weit.

Ich schwöre euch, ich habe mich ganz genau an die Anleitung gehalten und mich schon auf die wunderbar cremigen Toffeestückchen gefreut, die auf dem Bild natürlich als akkurate kleine Würfelchen daher kamen, yummi!

Die Zubereitung ist auch tatsächlich kinderleicht, da alle Zutaten bloß im Wasserbad geschmolzen und gut verrührt werden sollen. Danach geht´s mit der Masse ab in eine Brotform und anschließend in den Tiefkühler.

 

 

Bis dahin lief auch alles glatt und Sohnemann und ich checkten quasi viertelstündlich, ob denn die Masse nun ENDLICH fest genug zum Schneiden sei. Leider wurde sie es nicht. Gar nicht. Also nie. Am Abend verkosteten wir dann zum Nachtisch den oberklebrigen Schlonz und selbst nach einer ganzen Nacht im Kühlfach wurde es nicht besser (=schneidefest), sondern blieb ein zähes, fürchterlich klebriges Etwas, das sich kaum portionieren lässt.

Geschmacklich kann ich aber echt nicht meckern! Das Zeug ist saulecker und man schmeckt echt null Kokosnuss heraus, was ich erstaunlich finde, wo diese doch die Grundlage von allem ist.

Fazit:

  • ziemlich teuer
  • definitiv nicht nachhaltig
  • absolut nicht gesund
  • überhaupt nicht portionierbar
  • aber geschmacklich eine echte Bombe!

2. Fermentierter Cashewkäse

Und dann stand ja noch die Sache mit dem veganen Käse-Ersatz auf meiner Liste. Vor der großen Reise hatte ich zwei recht gute Ergebnisse mit Mandeln erzielt. Einmal einen rohen Frischkäse-Ersatz und einmal so etwas Ähnliches wie Feta aus dem Backofen.

Beide Rezepte will ich auch demnächst mal wieder auskramen, aber der Ehrgeiz hatte mich gepackt, jetzt endlich auch mal mit Fermentierung zu arbeiten.

Gesagt, getan, bestellte ich mir die entsprechenden Bakterienkulturen und legte mit dem nächstbesten Rezept für kleine appetitlich aussehende Käselaiber mit Pfeffer- und Kräuterkruste los.

Auch hier befolgte ich wirklich haargenau die Anweisungen aus dem Rezept, ließ die Cashewmasse in Heizungsnähe lange genug vor sich hin gären (gleich neben dem neu angesetzten Sauerteig – den letzten haben mir leider die Fruchtfliegen ruiniert) und gab nach Vollendung der Masse mit Zitrone, Hefeflocken, Salz und Knoblauchkonzentrat alles in einem abtropffähigen Zustand in den Kühlschrank.

Was soll ich sagen? Auch diesmal war ich vom Geschmack restlos überzeugt und das Ganze geht super als cooler veganer Aufstrich durch. Aber an das Formen von schneidefesten Laibern, geschweige denn an das Wälzen in Pfeffer oder Wildkräutern war überhaupt nicht zu denken.

Fazit:

  • sehr einfach zuzubereiten
  • nicht regional
  • tendentiell gesund, wenn auch recht gehaltvoll (Nüsse!)
  • sehr lecker als Aufstrich aufs Brot, aber den Namen Käse verdient es hier bei uns zumindest nicht

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