In Kreisläufen denken – Wurmkomposter

Ein weiterer Schritt in Richtung eines nachhaltigeren Lebens ist getan: Wir haben uns eine Wurmkiste angeschafft und werden nun unseren anfallenden Biomüll lokal, d.h. direkt in unserer Küche selbst kompostieren!

Dazu inspiriert wurde ich schon in der Zeit, als wir noch in Berlin wohnten und ich im Bauerngarten anfing, meine ersten Versuche im Gemüseanbau voran zu treiben. Damals stieß ich in einem Buch über den Biogarten erstmalig auf die Idee der Wurmbox als Düngerlieferant und wollte am liebsten sofort so eine haben. Aber der richtige Zeitpunkt hat sich anscheinend erst jetzt dazu ergeben.

Gute Gründe gibt es eine ganze Menge dafür, einen eigenen Wurmkompost anzulegen. Hier ein kleiner Auszug:

  • Wertvolle Küchenabfälle können so durch Upcycling in potenten Biodünger und feine Humuserde umgewandelt werden. Dies spart eigenes Geld und Ressourcen, da dergleichen nicht extra für Garten und Balkon neu produziert und gekauft werden muss.
  • Ein praktischer Nebeneffekt: Es muss deutlich weniger Abfall runter bzw. raus getragen werden.
  • Das Müllabfuhrsystem (Transport, Wartung der Fahrzeuge und Maschinen, Aufbereitung des Mülls, Logistik etc.) könnte in großem Stil entlastet werden, wenn das jede_*r so machen würde!
  • Kinder können an der Pflege der Tiere teilhaben; sie erleben hautnah, wie einfach nachhaltiges Handeln im eigenen Haushalt aussehen kann.
  • Man kommt über eine solche Wurmbox leicht mit seinen -in unserem Fall neuen- Nachbarn oder Bekannten ins Gespräch über Chancen und Wege für einen enkeltauglichen Umgang mit unserer Welt.
  • Die Ernährung der Würmer sollte gesund und abwechslungsreich sein. Dies kann den einen oder anderen sicher dazu motivieren, den Speiseplan entsprechend gesünder zu gestalten. (Die Würmer sind im Großen und Ganzen Rohkostveganer_*innen!)

Wir stellten uns natürlich die Frage, welche Art von Wurmkiste wir uns zulegen sollten. Kurz überlegten wir, selber was zu bauen, aber da wir noch nicht viele Werkzeuge da hatten und auch nicht bis nach dem richtigen Umzug damit warten wollten, haben wir doch eine fertige Box bestellt. (Die Kleinanzeigen gaben leider nichts Brauchbares her, deshalb neu).
Da wir eine beständige Kiste haben wollten, haben wir uns für eine aus Kunststoff entschieden. Denn ein Holzkasten, der in unserer Wohnung so langsam vor sich hin rottet, war uns irgendwie nix. Auch um auf Außenstehende von Anfang an einen positiven Eindruck zu machen, wollten wir einfach lieber etwas professionell Wirkendes in der Küche haben.

Wir gaben für die neue Wurmkiste 100,- Euro aus und noch weitere 30,- für zwei zusätzliche Wurmbetten. Es gibt aber auch definitiv günstigere Systeme ab ca. 60,- Euro neu. Und gebraucht kaufen oder selber bauen ist je nach Material dann evtl. auch noch mal billiger.

Noch am Tag der Lieferung bereiteten wir das Zuhause für die Kompostwürmer vor, indem wir auf den Boden der Schale reichlich in Wasser eingetunkte Papierstreifen einlegten. Danach gingen wir auf Würmerjagd!

Wir fragten uns im Dorf durch, bis wir schließlich einen Hof mit Pferden fanden. Kompostwürmer liiiiieben Pferdemist nämlich über alles. Aber leider war der Misthaufen zu trocken durch die Hitze der letzten Zeit. Hier hatten wir also kein Glück.

Doch dann fiel uns ein, dass wir bei unserem Besuch im Waldkindergarten vor zwei Wochen mit einem Baumpfleger gesprochen hatten. Der hatte einen großen Haufen Heu und Baumschnitt am Waldrand angelegt und genau dort gingen wir als nächstes hin.

Das Wurmglück war uns diesmal hold und wir verbrachten, gemeinsam mit G’s neuem Kumpel aus der Nachbarschaft, den halben Nachmittag mit der Wurmsuche am Misthaufen.

Es folgte der Einzug der Helferlein in das vorbereitete Wurmbett und obenauf gab es eine Schüssel voll Biomüll sowie die fauligen Äpfel, die wir an der Wiese mit eingesammelt hatten.

In Bezug auf die Pflege der lieben Kleinen besteht bislang leider ziemliche Uneinigkeit zwischen dem Göttergatten und mir. Während ich eigentlich lieber die Anweisungen von den einschlägigen Wurmratgeberseiten befolgen würde, ist er für Pflege nach Gefühl. Man könne da nicht wirklich was falsch machen, meint er. Somit kann ich euch hier zwar meine im Netz gesammelten „Expertentipps“ weiter geben, die Realität in unserer eigenen Box sieht aber zu meinem Leidwesen etwas anders aus.

Beschriebene optimale Lebensbedingungen im Komposter sehen eigentlich wie folgt aus:

Da die Würmchen ein Leben in Dunkelheit bevorzugen, sollte man sie nach dem Einzug erst mal ein paar Tage in Ruhe lassen. (Realität: hier wird gerade noch mehrmals täglich reingeluschert, ob man was vom lustigen Wurmtreiben erkennen kann.)

Diese Würmer können zwar zwischen 1 ° C und 33 ° C überleben. Die optimale Temperatur liegt jedoch zwischen 15 ° und 25 ° C. (Wenigstens das bekommen wir hin mit unserem Standort in der Küche.)

Insgesamt brauchen die Tiere es feucht. Deshalb fanden wir sie sicherlich auch nur im muffigen Untergeschoss des Misthaufens, unter einer Schicht Moos in der klammen Erde.

Bei der Ernährung gibt es etwas unterschiedliche Vorgaben: Während an mancher Stelle Schimmel und Fäulnis als absolutes No-Go im Wurmhotel zählen, die es sofort auszumerzen gilt, wird andernorts beschrieben, dass die Würmer am liebsten Pilzfäden und verrottete Pflanzenteile fressen würden. Ich würde gerne ohne Schimmelwuchs anfangen, aber T hält das für Hokuspokus.

Auch bei der Menge des Nahrungsangebots scheiden sich bei uns daheim die Geister: Die Empfehlungen lauten eigentlich, erstmal nur ganz geringe Mengen Biomüll in die Kiste zu geben. Wir haben auch erst etwa 50-60 Würmer, dafür aber mindestens 250 Kokons. Die brauchen aber bis zu 2 Wochen, bis sie reif sind. Und dann sind die frisch geschlüpften Würmlis noch total klein, was bedeutet, dass sie erstmal nicht so viel wegfuttern können. Angeblich leiden die Viecher schneller an Über- als an Unterfütterung. Was auch immer das dann zu bedeuten hat.

Aber so ganz genau weiß ich es natürlich auch selbst nicht und deshalb ist jetzt doch eine ganz ordentliche Portion Biomüll im Aufzuchtbettchen gelandet. Die Lehrmeinungen über Schimmel in der Kiste gehen auch auseinander, und wir warten jetzt erst mal ab, wie sich die Würmer so einleben, bevor wir was verändern.

Gesicherte Do’s bei der Wurmfütterung scheinen jedenfalls zu sein:

  • Obst- und Gemüsereste
  • Kaffeesatz und loser Tee
  • Eierschalen
  • Pflanzenreste, auch mit Erde dran
  • Finger- und Zehennägel, Haare
  • Pappe
  • Organische Reste wie Wolle, Baumwolle, Kork, Hanf, Holz in geringen Mengen

Hingegen als echte Don’ts gelten meist:

  • Große Portionen gekochter Speisereste
  • Milchprodukte
  • Zitrusfrüchte
  • Fisch, Fleisch, Eier
  • Große Mengen Brot
  • Zwiebeln und Knoblauch (die ätherischen Öle darin mögen die Würmer nicht, sie wirken antibakteriell; die Schalen sind aber ok)
  • Hartholz, z. B. Äste
  • Gespritzte Lebensmittel

So, nun hoffe ich mal, dass es den Tierchen bei uns gefällt, auch wenn die Umgebung etwas Pi mal Daumen gestaltet ist. Wir werden erstmal versuchen, ohne teure Mineralzusätze auszukommen. Vielleicht lassen sich bei den Nachbarn ja mal ein paar Eierschalen schnorren und ansonsten vertrauen wir auf die natürlichen Inhaltsstoffe unserer Biomasse.

Und wie findet ihr die Aktion? Könnt ihr euch so ein Wurmhotel auch vorstellen oder bleibt ihr lieber bei der Biotonne?

Gibt es vielleicht unter euch jemanden, der/die/* schon selber Erfahrungen mit einem Wurmkomposter gesammelt hat?

Links:

Utopia – Wurmkiste bauen

Natur und Garten

Kompost-Tipps

Und jetzt geht’s ab mit den Würmlis zu Einab!

2 Kommentare bei „In Kreisläufen denken – Wurmkomposter“

  1. Wow!! Schade, dass ich deinen überaus informativen und ausführlichen Post nicht früher entdeckt habe, sondern erst heute beim Verlinken bei EiNaB!! Da hätte ich mir den Bokashi, mit dem ich leider keine so gute Erfahrung machen durfte, sparen können.
    Aber egal, „lessons learned“, wie es so schön heißt, dafür wird er jetzt einfach in eine Wurmbox umgewandelt. Absolut witzig fand ich die Stelle, wo du mit den Kindern im Misthaufen gegraben hast. Respekt, dass es heutzutage noch solche Mütter gibt *lach*!!
    Ich habe ebenfalls sehr viel über diese Kisten gelesen, und bin am Ende doch noch ein wenig unsicher, was die Bewohner betrifft. Einmal heißt es, Regenwürmer würden ausreichen, dann an anderer Stelle werden ausdrücklich NUR Kompostwürmer empfohlen. Sobald ich mich entschieden hab, werde auch ich hier auf unserem Balkon starten. Vielleicht berichtest du ja nochmal nach einiger Zeit, wie es euch mit den Würmern so ergangen ist!?
    Viele liebe Grüße

    Jeanne

  2. Liebe Jeanne, ja ich werde gerne weiter berichten! Das mit der Blogparade habe ich jetzt erst verstanden, wie man sich da verlinkt. Ich werde aber in Zukunft sicher aktueller daran teilnehmen, weil ich den Austausch dort total bereichernd finde.
    LG Jitka

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